Jegliche Alarme waren auf ihre höchste Stufe gestellt. Den ganzen Flur entlang, sah man unter Schock stehende Gesichter, welche einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. Einige telefonierten, andere packten hektisch ihre Taschen und waren sich bei jenen Aktivitäten gegenseitig im Weg. Unter den umher eilenden Menschen war es nahezu unmöglich den Überblick zu behalten. Immer mehr Polizeiautos versammelten sich um das Schulgebäude und sorgten damit für eine große Ansammlung an schaulustigen Menschen. Zwischen den eng beisammen stehenden Schülern, war es für mich schwer den Ausgang zu erreichen. Sollte ich wen anrufen? Nein, dafür ist es gerade zu unruhig. Ich könnte mich nicht auf meine Worte konzentrieren und bei all dem Lärm wäre es womöglich schwierig mich zu verstehen. Ein rechts einschlagender Flur fehlte noch bis ich den Ausgang sehen konnte. Die Sirenen der Rettungskräfte waren nun ein unangenehm schriller Stich in meinen Ohren. Der Gedanke dass jeder dessen Weg ich gerade kreuzte, der mögliche Täter sein könnte war beängstigend und sorgte dafür, dass meine Beine beschleunigten. Endlich konnte ich den Ausgang erreichen und bemerkte schnell den unguten Geruch von Benzin und Rauch, welcher sich immer weiter über die Fläche des Schulhofes ausbreitete. Mein Blick zog über die Vielfalt der Menschenmenge und schließlich schoss mir ein bekanntes Gesicht ins Auge. Versunken in der Riesen Menschengruppe stand meine Freundin und Mitschülerin Olivia Maris. Panisch versuchte sie sich durch die vielen großen Menschen hindurch zu schlingen während sie ihre große schwarze Lederasche an ihrer Schulter hoch zog. Nachdem ich kurz im Gedanken versunken war, eilte ich in ihre Richtung um sie nicht wieder aus den Augen zu verlieren. „Olivia!" rief ich durch die Menschen hindurch. Gerade als mir auffiel, dass ich Olivia plötzlich aus den Augen verloren hatte, nahm ich ein mittlerweile viel zu bekanntes Geräusch wahr. Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, als mir und auch den Menschen um mich herum bewusst wurde, dass so eben ein zweiter Schuss getätigt wurde. Mir war zum weinen zu mute. Die Menschenmenge war nun noch panischer und stürmischer als vor ein paar Minuten. Einige Polizisten riefen dazu auf Ruhe zu bewahren, was in der momentanen Lage offenbar unmöglich schien. Nach einiger Zeit war es mir schließlich gelungen den Schulhof zu verlassen und auf die andere Straßenseite zu gelangen. Ich warf nochmal einen letzten Blick auf die andere Straßenseite, auf welcher es nur so umher sprudelte. „Romi!" hörte ich schließlich eine weibliche Stimme meinen Namen rufen. Ich sah um mich herum und konnte zwischen zwei Polizeiautos auf der gegenüber liegenden Straßenseite Olivia erkennen. Sie sah völlig fertig aus und beeilte sich ohne auf etwas anderes zu achten zu mir zu kommen. Sie kam schließlich bei mir an und fiel mir um den Hals. „Dir geht es also gut, so ein Glück." keuchte sie und zitterte am ganzen Körper. „Ja mir geht es gut keine Sorge, weißt du was mit Aidan ist?" fragte ich mit besorgter Stimme. Aidan war sowas wie der beste Freund von Olivia und mir. Wir drei sind so gut wie immer zusammen. Da er allerdings während des Geschehens beim Sport Unterricht für die Jungs war, hatten Olivia und ich keine Gelegenheit mehr zu sehen ob mit ihm alles in Ordnung war. „Lass ihn mal anrufen." meinte Olivia während sie mich langsam wieder los ließ." Schnell nahm ich mein Handy zur Hand und wählte die Nummer unseres Freundes. „Piiiieep , piiiiiiiiep." Besorgt sah ich in das vor Angst zitternde Gesicht meiner Freundin, als ich feststellen musste, dass bloß die Mailbox ran ging. „Er geht nicht ran." Olivia: „Was wenn ihm etwas passiert ist? Du hast den zweiten Schuss auch mitbekommen oder?" Es war unmöglich dieses Schuss nicht gehört zu haben. Ich nickte und versuchte mir zu überlegen, was Aidan in einer Situation wie dieser wohl gemacht hätte. „Und was sollen wir jetzt machen ?" Ich schlage vor dass wir zu mir nachhause gehen, sprach Olivia deren Stimme mittlerweile weniger am zittern war. Da Olivia wenige Straßen vom Schulgebäude entfernt wohnte, war es wohl der nächst beste Ort um sich in Sicherheit zu bringen. Außerdem konnten wir von dort schnell zu Aidan gelangen, falls dieser in noch in der Schule war und sich noch melden sollte.
Wie vorhin zog Olivia ihre Ledertasche an der Schulter hoch und lief dann mit mir in Richtung Todelerstraße, in welcher sie zusammen mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Zoe wohnte. Am Weg dort hin, unterhielten wir uns erst nach einer kurzen Weile über die geschehenen Ereignisse. „Ich hab sie da tot liegen sehen." begann Olivia aus dem Nichts zu erzählen. Ich blickte ein wenig zu ihr hinüber und wartete ab ob sie fortfuhr. „Es war im dritten Stock im Biosaal. Ich sah sie bloß für den Bruchteil einer Sekunde, da ich schnell am Raum vorbei lief. Die Bilder jedoch würden nicht so schnell aus meinem Kopf verschwinden." Ihre Stimme begann wieder zu zittern und ich konnte merken, dass sie kurz davor stand zu weinen. „Das ist unglaublich, Michelle hat das nicht verdient, sie war so ein offenherziger Mensch." Nun begann Olivia wirklich zu schluchzen und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Ich fasste ihr an die Schulter und wir blieben einen Moment stehen. „Hey wir werden uns vernünftig von ihr verabschieden können und außerdem ihren Mörder finden und zur Rede stellen." Jetzt stand auch ich kurz vor einem kleinen geistigen Zusammenbruch. „Warum machen Menschen sowas?" sprach Olivia mit gebrochener Stimme und zuckte mit der Schulter auf welcher sich immer noch meine Hand befand. Langsam gingen wir weiter. „Ich frage mich was es mit dem zweiten Schuss auf sich hatte. Ich hoffe, dass Aidan dabei nichts passiert ist." „Ja du hast recht, Michelle war schon schlimm, aber Aidan wäre der Horror."sprach Olivia mit einer nun entwand beruhigten Stimmlage.
Wir erreichten schließlich ihre Wohnung und Olivia nahm ihren Schlüssel aus der Ledertasche heraus. Wir nutzten den Aufzug, um hoch in den dritten Stock zu kommen und ließen uns schließlich in ihrer Wohnung im Wohnzimmer nieder. „Möchtest du etwas zu trinken?" blickte Olivia fragend zu mir rüber, während sie ein Glas für sich aus dem Schrank holte. „Ja gern." Ich sollte schnell Tante Amy Bescheid geben." Olivia nickt und füllte mein soeben herbei geholtes Glas, fast bis ganz zum Rand voll, mit Wasser. Ich rief meine Tante an und wartete nun etwas entspannter darauf, dass sie abheben würde. „Romi? Romi geht es dir gut ?" sprach eine besorgte Stimme am Telefon. „Hallo Tante Amy ja, ich bin gerade bei Olivia und werde wohl vorerst hier bleiben und darauf warten dass sich die Lage wieder beruhigt hat." „Ich verstehe, das ist bestimmt erst mal das Beste. Na gut dann rechne ich damit, dass du heute Abend oder morgen gegen Mittag zurück kommst." Mir war klar, dass es für Olivias Eltern absolut kein Problem sein würde, wenn ich bis morgen bei ihnen übernachte, weswegen ich bejahte. „Ja, morgen Mittag klingt gut." Einen kurzen Moment, sagte keiner etwas bis meine Tante mich nach Olivia und Aidan fragte. Schweren Herzens berichtete ich ihr darüber, dass Olivia und ich uns nicht sicher waren, wo Aiden sich wohl gerade befand. Da Amy über einen sehr hohen Beschützerinstinkt verfügte, konnte ich ihre hyper besorgte Reaktion förmlich vorher sehen. Olivia und ich erzählten ihr noch Einzelheiten des Tages bis wir das Gespräch schließlich beendeten.
Da wir bereits 17:00 hatten wurde es langsam dunkel draußen. In den kälteren Jahreszeiten war das hier üblich. Der Schock der Olivia und mich schon den ganzen Tag begleitete, ließ langsam aber sicher ein Stück nach, weswegen wir beschlossen uns einen entspannten Abend zu machen, an dem wir Filme schauen und Olivia's Erdbeertee trinken. Wir hatten es uns gerade in Olivia's Bett bequem gemacht, als plötzlich mein Handy begann zu läuten. Es lag auf ihrem Schreibtisch genau gegenüber vom Bett. Ungewollt zwang ich mich das Bett zu verlassen und abzuheben. Als ich schließlich nach meinem Handy fasste und sah wer mich anrief viel mir ein Stein vom Herzen. Es war Aidan.
YOU ARE READING
Love Romi
Mystery / ThrillerDie erste Geschichte auf dieser Seite handelt von der 17 jährigen Romi, welche auf einer neuen Schule in eine für sie völlig verrückte und unglaubwürdige Situation gelangt. Neben vielen neuen Menschen und einer romantischen neuen Begegnung spielt au...
