Willkommen in der Phönixfeder

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Es ist das Jahr 689 arkischer Zeit. Das kleine Städtchen Kallpari liegt im Süden des Königreichs Nevdar. Aufgrund der günstigen Lage, nahe der großen Haupthandelsstraße kann man in Kallpari alle möglichen Arten von Menschen finden. Ob man auf der Suche nach reichen Bürgern oder Händlern, Kleriker des arkischen Glaubens, Ritter des Königreichs, Söldner, oder nur nach einfachen Leuten ist, sie sind alle in Kallpari vertreten.


Es war später Nachmittag, als sich ein blonder Mann auf den Straßen von Kallpari nach Jemandem umzublicken schien. Er trug ein weißes Oberteil, eine weite braune Hose und die üblichen ledernen Schuhe, die er jeden Tag trug. Stolz hielt er die linke Hand vorne am Gürtel, welchen er sich um die Hüfte gebunden hatte. Die andere Hand ruhte behutsam auf dem Griff seines Kurzhandschwertes, das er immer mit sich trug.

Der Mann schlenderte die gut besuchte Straße entlang, während er sich immer wieder suchend umsah. Als die Sonne langsam weiter zu sinken begann, schien der Mann die Person gefunden zu haben, nach der er nunmehr als eine halbe Stunde lang Ausschau gehalten hatte. Bei der Person handelte es sich um einen anderen Mann ähnlichen Alters. Er hatte braune, lange Haare und einen stolzen Bart. Der bärtige Mann trug ein rotes, kurzärmliges Oberteil, sodass man seine muskulösen Arme sehen konnte, eine braune Hose und ebenso lederne Schuhe. Wie auch der blonde Mann hatte er ein Kurzhandschwert an seinem Gürtel befestigt. Der blonde Mann machte einige Schritte auf den bärtigen Mann zu, ehe dieser ihn ebenfalls bemerkte. Die beiden sahen sich, noch etwas von einander entfernt, in die Augen, ehe beide schnellen Schrittes und festen Blickes aufeinander zutraten.

„Jaurim, alter Freund!", rief der blondhaarige Mann lauthals seinem Gegenüber zu. „Dendrick, komm an meine Brust, alter Halunke!", erwiderte der andere Mann so laut, dass es selbst die Leute auf der anderen Straßenseite mitbekamen, ehe er seinen Freund umarmte. Die beiden lagen sich in den Armen, als hätten sie sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Langsam lösten sie die brüderliche Umarmung und sahen sich kurz in die Augen, ehe die beiden den selben Gedanken, erneut mit überhöhter Lautstärke laut aussprachen: „Auf zum Phönix!"

Die beiden machten sich auf Richtung Stadtrand. Dabei kamen sie an der großen Arke-Kirche vorbei. Das große, aus weißen Steinen erbaute Gebäude ragte hoch über alle anderen Häuser der Stadt. Im Inneren der Kirche hielt Priester Randuim sein tägliches Abendgebet. Der ältere Mann trug das teure, dunkelblaue Priestergewand der Arke-Kirche, auf dessen Rücken das goldene geflügelte Schwert abgebildet war. Eben jenes Symbol trug er ebenfalls als Kette um den Hals. In seiner linken Hand hielt er ein altes, arkisches Gebetbuch. Die andere Hand hatte er leicht erhoben ausgestreckt.

„Und so sprach Arke: Mein Segen soll über euch wachen, jetzt und für alle Zeit. Latum" Laut hallend beendete Randuim sein Gebet und blickte von seinem Gebetbuch empor auf die vor ihm versammelten Glaubensbrüder und Schwestern. Mit seinem letzten Satz des Gebets begannen die großen Glocken der Kirche zu läuten und langsam verließen die Gläubigen das Kirchengebäude. „Das war wieder ein wunderbares Abendgebet, Priester Randuim", sprach eine alte Frau dem Priester zu. Mit einem Grinsen im Gesicht bedankte er sich bei ihr und sprach ihr seinen Segen aus, ehe er sich in den Nebenraum der Kirche begab. Der Nebenraum war ein kleines Zimmer, dass mit Eichenholz ausgelegt war. In dem Zimmer stand ein massiver Holztisch, auf dem ein weißes Tuch lag. Neben der Tür zum Kirchsaal stand ein großer Schrank an der Wand, in dem unterschiedliche Priesterroben hingen. Im Zimmer angekommen legte er zuerst das Gebetbuch auf dem fein säuberlich vorbereiteten Tisch, bevor er sich verbeugte. Mit ruhigen Händen entledigte er sich der Priesterrobe und hing sie sorgfältig neben die anderen Roben in den großen Schrank. Unter der Robe trug er einfache Kleidung. Ein weißes Hemd, eine braune Hose und schwarze Lederschuhe. Kurz richtete er seine Brille, dann griff er nach seinem Hut und machte sich auf, um die Kirche zu verlassen. An der Tür verabschiedete er sich bei Markus, der für ihn die Messen und Gebete vorbereitete, die Roben wusch und die Kirche sauber hielt. „Kehrt ihr nun heim?", fragte Markus den alten Priester. „Nein, ich denke, ich kehre noch kurz beim Phönix ein", antwortete er mit ruhiger Stimme, woraufhin er die Kirche verließ und sich Richtung Stadtrand aufmachte.

Die Phönixfeder - Die KurzgeschichteHistorias para obsesionarse. Descúbrelo ahora