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Prolog

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Forests schönste und schlimmste Erinnerung waren unvermeidlich miteinander verbunden. Beide hatten mit dem Tag, an dem sich ihre Gabe zum ersten Mal gezeigt hatte, zu tun. Er verfolgte sie bis heute. Einige Details hatte sie zwar vergessen, aber an ihre Gefühle und Gedanken würde sie sich immer erinnern können. Regelmäßig, wenn sie ihren Geist wandern ließ, suchten sie diese Erinnerungen heim - egal ob im Schlaf, Halbschlaf oder bei Tagträume.


So wie alle Geschwister stritt Forest oft mit ihrem kleinen Bruder. Dabei ging es immer um Kleinigkeiten - wer die Fernsehsendung bestimmen darf, wer die meisten Süßigkeiten gegessen hatte oder Ähnliches. Nie hatte sie gedacht, dass eine solche Belanglosigkeit so verheerende Folgen mit sich ziehen konnte. An den Anfang oder den Streitgrund konnte sie sich längst nicht mehr erinnern, aber sie war sich sicher, dass es nichts Ernstes war.

Forest wusste noch, wie plötzlich eine Wasserflasche, die auf dem Wohnzimmertisch stand, in die Luft ging und sich deren Inhalt auf ihren Rock ergoss. Natürlich nicht aus Zufall, wie das hämische Grinsen ihres kleinen Bruders verriet. River setzte seine Fähigkeit Wasser zu kontrollieren gerne gegen seine Schwester ein.

Das brachte das Fass zum Überlaufen. Forest japste nach Luft und hüpfte über die Sofagarnitur in seine Richtung. Wegen ihres nassen Rockes, der nun an ihren Beinen klebte und sie Richtung Boden zog, büßte Forest Flinkheit ein und sogleich stolperte sie über ein Kissen und landete krachend auf dem Boden. "Kinder!" rief ihre Mutter mahnend aus dem Nebenzimmer.

"Was soll das?" schrie sie River telepathisch zu. Doch das Mädchen antwortete gar nicht erst seine Antwort ab. Sie war wütend. Wütend, dass er seine Gabe bereits gefunden hatte, obwohl er zwei Jahre jünger war. Wütend, dass sie eine Savant-Null war - nicht einmal Telepathie oder Telekinese beherrschte sie einwandfrei, wie es eigentlich jeder Savant sollte.

Forests Wut staute sich zusammen - sie rumorte in ihrem Bauch und erhitzte ihre Wangen, bis sie nicht mehr wusste, wohin damit. Also schob das kleine Mädchen all diese Energie von ihr weg.

Schlagartig wurde alles um sie herum dunkel. Tausend Sorgen schossen ihr durch den Kopf. Wo war sie? Sie war doch nicht etwa ohnmächtig geworden, oder? In der Hoffnung einen Anhaltspunkt zu finden drehte sie ihren Kopf herum und da erblickte sie ein schwach glühendes, blaues Licht. Es war genau dort, wohin sie vorhin die telepathische Nachricht geschickt hatte. Gebannt blickte Forest in die sanften, welligen Lichtstrahlen, die in verschiedenen Blautönen leuchteten. Ohne es zu Bemerken, trat sie Schritt für Schritt näher heran.

***

Dabei musste sie an den letzten Sommerurlaub denken. An die Eifersucht, die sie jedes Mal verspürt hatte, wenn ihr Bruder die Wellen tanzen ließ. Denn ausgerechnet waren sie mit einem 4-jährigen Savant, der das Wasser beherrschte, an das Meer gefahren. Es war schon spät, als sich Forest wieder einmal zum Trocknen auf ein begrastes Fleckchen gesetzt hatte. Dann entdeckte sie im Gebüsch einen leuchtenden Punkt. Ein Glühwürmchen!

Aufgeregt lief sie darauf zu und klatschte mit ihren kleinen Händen danach. Ohne Erfolg. Es dauerte nicht lange, da war ihr Bruder bei ihr um dasselbe zu versuchen. Doch bei beiden klappte es einfach nicht! Schnell verlor River sein Interesse daran, aber Forest war zu ehrgeizig um aufzugeben. Nach etlichen Versuchen konnte sie das Tierchen mit ihren Händen, die von einem Erdbeereis noch klebrig waren, umschließen. Sie hatte es geschafft!

Als das Glühwürmchen gegen ihre Handinnenflächen flog, kitzelte es fürchterlich und das Mädchen ließ es mit einem Kichern frei

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Als das Glühwürmchen gegen ihre Handinnenflächen flog, kitzelte es fürchterlich und das Mädchen ließ es mit einem Kichern frei. Zufrieden sah sie, wie der Lichtpunkt im Nachthimmel immer kleiner wurde, bis er schließlich mit den Sternen verschmolz. Forest war stolz auf sich.

***

Forest tat es ihrer Erinnerung gleich und sobald sie das blaue Licht berührt hatte, erlosch es. Ein gellender Schrei riss sie aus der Dunkelheit. Es war River.

"Was hast du nur getan? Was hast du mit mir gemacht?" schrie er immer wieder aus voller Lunge, während er mit seinen Armen und Füßen strampelte. Ihre Mutter kam ins Zimmer gestürmt und nahm ihren Jungen schützend in den Arm. Als er sich einigermaßen beruhigt hatte, fragte sie Forest mit einer tiefen Sorgenfalte auf der Stirn "was ist passiert, Veilchen?"

Forest hatte seine Gabe gestohlen. Zwar nur für vorübergehend, wie sich später zeigte, aber sie hatte ihrem Bruder den Schrecken seines Lebens eingejagt. Sie war eine Diebin.

Forgiving ForestHistorias para obsesionarse. Descúbrelo ahora