Es war gerade dabei dunkel zu werden. Ich stand auf einem Dach eines Hauses und sah der Sonne beim untergehen zu. Ein paar Wolken bedeckten den Himmel. Für März war es mit -2 Grad recht kalt, weswegen ich die Arme vor meinem Körper überkreuzte und immer wieder meine Oberarme rieb.
Ein leichter Windzug wehte über das Dach und blies mir die Haare aus dem Gesicht. Mein Oberteil wehte im Wind. Als ich ausatmete, war mein Atem sichtbar.
Am Horizont näherte sich die Sonne langsam dem Boden und verdunkelte die Umgebung. Der Himmel färbte sich zuerst in ein helles orange, wurde dann immer dunkler und schließlich rot. Je länger ich die Sonne dabei beobachtete, desto leerer wurde mein Blick.
Ich habe alles erreicht. Eigentlich sollte ich jetzt glücklich sein.
Die meisten Wolken färbten sich ebenfalls rötlich, ein paar wechselten schon zu violett. Meine Augenlider wurden etwas schwerer.
Ich habe sie besiegt und ich habe die Augen zurückgebracht. Warum bin ich nicht glücklich?
Ich seufzte und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht, bevor ich wieder meine Oberarme rieb. Rein theoretisch hätte ich mir eine Jacke anziehen können. Aber für das was ich vor hatte, brauchte ich keine.
Es war nicht das erste Mal, dass ich hier stand und den Sonnenuntergang beobachtete. Es war allerdings nicht der Sonnenuntergang, der mich jedes Mal hier hinauf trieb.
Meine Beine zitterten. Die Kälte war nicht der einzige Grund dafür. Langsam tat ich einen Schritt auf den Rand des Gebäudes zu.
Ob Gon, Killua oder Leorio mich vermissen würden?
Ich hielt in meiner Bewegung inne. Mein Kopf war leer. Der Wind wehte mir noch immer entgegen.
Gon würde es. Bei Killua bin ich mir nicht sicher. Er hat schon so viele Menschen ermordet. Wer weiß ob es ihn überhaupt berühren würde, wenn jemand aus seiner Familie sterben würde?
Ich senkte meine Arme und fasste in meine Hosentasche. Langsam zog ich mein Handy heraus und öffnete WhatsApp. Als ich Leorios Profilbild ansah, kullerte mir eine Träne die Wange herab.
Ob er mich vermissen würde?
Meine Finger zitterten.
Sollte ich ihm schreiben?
Er war offline. Vermutlich war er gerade dabei für irgendeine Prüfung zu lernen. Ich sollte ihn nicht dabei stören. Immerhin ist es sein Wunsch ein Doktor zu werden. Er hat mir mit meinem geholfen. Jetzt sollte ich ihn seinen verfolgen lassen. Ich werde ihm nicht im Weg stehen.
Ich schloss WhatsApp und schaltete mein Handy aus. Dann steckte ich es zurück in meine Hosentasche und wischte mir mit dem Handrücken über die Augen. Meine nasse Wange fühlte sich kälter an. Bei dem kalten Wind war dies auch kein Wunder.
Meine Gedanken kreisten erneut um Leorio. Ich würde ihn vermissen. Das heißt, falls es wirklich ein Leben nach dem Tod geben würde.
Ich schüttelte meinen Kopf um den Gedanken zu vertreiben. Ich wollte nicht schon wieder die Treppen herunter steigen. Nein. Das reicht. Ich habe es satt jeden Tag hier hoch zu kommen. Denn ich weiß genau, dass wenn ich jetzt herunter gehe, dass ich Morgen wieder hier stehen werde und mir die selben Gedanken durch den Kopf gehen werden.
Vorsichtig blickte ich nach unten. Vor dem Gebäude befand sich eine Einbahnstraße, die so gut wie gar nicht befahren wird. Hier werde ich niemanden gefährden.
Nochmals atmete ich aus.
Warum kann ich nicht einfach glücklich sein? Alle anderen können es doch auch? Also warum....?
Ich sank auf die Knie. Die Tränen vermehrten sich und rannten meine Wangen herab. Ich versteckte sie in meinen Händen. Mir war es egal wie laut mein Schluchzen war. Niemand würde mich hier oben hören.
Mein Körper zitterte. Es war so verdammt kalt hier oben.
Ja es ist die Kälte. Nur wegen der Kälte zittern meine Beine. Ich habe keine Angst. Ich habe keine Angst vor gar nichts.
Erneut wischte ich mir mit dem Handrücken über die Augen, bevor ich meine rechte Hand auf den Boden legte und mich hoch hievte. Ich taumelte dabei einen Schritt nach vorne. Ein weiterer und ich wäre gefallen.
Mein Herzschlag beschleunigte sich. Meine Atmung wurde unregelmäßig und für einen Moment erstarrte ich. Ein Schritt und ich wäre gefallen. Ein Schritt und alles wäre aus gewesen.
Der Himmel färbte sich violett. Am Horizont erstrahlte der erste Stern.
"VERDAMMT!", schrie ich, ballte meine rechte Hand zu einer Faust und schlug mit voller Kraft auf den Boden. Meine Augen wurden mit meiner Wut auf mich selbst Scharlachrot.
"Verdammt!", schrie ich ein zweites Mal, dieses Mal etwas leiser. Zwei Tränen tropften neben meiner Faust auf den Boden.
"Verdammt....", flüsterte ich verzweifelt und kniff meine Augen zusammen. Meine Arme zitterten unter dem Kraftaufwand.
Warum kann ich es nicht?! Warum kann ich nicht glücklich sein?! Warum kann ich nicht normal leben?! Warum ist es so schwierig?!
Ich gab mein bestes meinen Atem zu beruhigen. Meine Augen wurden langsam wieder normal je normaler mein Atem wurde.
Ich zog die Füße an und schlang meine Arme um meine Beine. Der Himmel verlor seinen violetten Farbton langsam und immer mehr Sterne erstrahlten am Nachthimmel.
Ich betrachtete die Sterne. Der Wind hatte sich mittlerweile gelegt. Ich vergrub meinen Kopf in meinen Armen.
Es wird nie wieder so werden wie es einmal war. Jetzt habe ich Rache genommen, doch das hat sie mir nicht zurück gebracht. Sie sind tot. Alle sind sie tot. Ich hätte mit Ihnen sterben sollen.
Ich verfestigte den Griff um mein Oberteil etwas.
Sie werden es mir nicht übel nehmen. Ich habe einfach nichts mehr, für das es sich lohnen würde hier zu bleiben.
Für eine Sekunde musste ich erneut an Leorio denken. Doch er war kein Grund. Nicht mehr. Er hatte mir geschrieben, dass er jetzt in einer Beziehung sei. Sie ist eine schöne Frau. Ich hoffe, dass die beiden zusammen glücklich werden.
Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht egoistisch sein wollte. Leorio hatte es verdient glücklich zu sein. Und wenn er das mit ihr ist, wer bin ich da es ihm auszureden?
Ich seufzte leise und stand erneut auf. Langsam trat ich auf den Rand des Gebäudes zu und blieb direkt vor ihm stehen.
Nein ich kann es nicht. Ich kann nicht. Ich-
Ich sah herunter, drehte mich dann um und schloss meine Augen. Langsam atmete ich ein und dann wieder aus.
Ich kann.
Ganz langsam verlagerte ich mein Gewicht von meinen Zehenspitzen zu meinen Fersen.
Es tut mir leid, Gon.
Ich verlor das Gleichgewicht.
Es tut mir leid, Killua.
Schließlich verlor ich auch den Halt unter meinen Füßen.
Es tut mir leid, Leorio.
Eine letzte Träne kullerte meine Wange herunter. Der Luftzug war eiskalt. Es dauerte keine drei Sekunden bis mich ein unvorstellbarerer Schmerz durchzog und meine Sicht schwarz wurde.
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Lebe für mich (Leopika FF)
FanfictionNachdem Kurapika Rache genommen hat und die Augen seiner Clan Mitglieder zurückgebracht hat, steht er vor dem aus. Er hat alles erreicht was er erreichen wollte, aber es fühlte sich nicht gut für ihn an. Jetzt hatte er keine Ziele mehr. Für was soll...
