1. Kapitel: Alte Erinnerungen und neue Freunde

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~Minastrinith~

Mein Vater holte mich bei Sonnenaufgang Zuhause bei meiner Mutter ab. Da es eine längere Reise werden sollte, brachen wir früh auf. „Minastrinith!", rief er und winkte, als ich vor das Haus lief, um ihn zu begrüßen.

„Mae govannen Ada!", *

*Schön dich zu sehen Vater! , rief ich, umarmte ihn und rannte in den Stall, um mein Pferd zu satteln und meinen Bogen zu holen. Kurz darauf sagte ich meiner Mutter, die meinte, ich solle bloß auf mich aufpassen, Lebewohl und wir ritten los. Nach einigen Meilen durch die grüne, hügelige Landschaft, die Sonne stand schon hoch am Himmel, entdeckten wie die Fußspuren von vielen Paaren großer, schwerer Stiefel.

„Yrch!", sagte mein Vater hinter zusammengebissenen Zähnen. Wir ritten weiter, langsamer als zuvor und folgten den Spuren der Orks. Einige Meilen südlich wurden die Spuren gedrängter und man hörte viele laute Orkstimmen - und eine menschlich klingende Stimme, die etwas schrie. Vater und ich spannten unsere Bögen und näherten uns mit den Pferden dem Lärm der Orks. Auf ein Zeichen meines Vaters hin galoppierten wir in die Gruppe der Orks, die sich um etwas oder jemanden auf dem Boden Liegenden, geschart hatten. Wir töteten einige von ihnen (ich bin, zum Leidwesen der Orks, eine sehr gute Schützin) und als sich der Bestandteil der Orks auf acht begrenzte, flohen die Übrigen und gaben eine auf dem Boden sitzende Gestalt frei. Die Gestalt erhob sich. Es war ein Junge von etwa vierzehn Jahren mit sturmgrauen Augen und halblangem braunem Haar. Er war gekleidet wie ein Waldläufer des Nordens, trug aber einen braun-grünen elbischen Umhang, mit dem er perfekt an die Umgebung angepasst war. Langsam ritten wir auf ihn zu.

„Man i eneth lîn?", * fragte ich ihn.

*Wie ist euer Name?

„Im esta Estel.", * antwortete er.

*Ich werde Estel genannt.

Dann redete mein Vater leise auf Estel ein und untersuchte ihn. Ich machte mich währenddessen daran, die verschossenen Pfeile einzusammeln. Es waren alle, bis auf einen, der in einem der umliegenden Bäumen steckte und einfach nicht zu lösen war, heilgeblieben. Ich ging zurück zu Estel und meinem Vater, der mit der Untersuchung fertig war. Offenbar war auch Estel, bis auf ein paar Kratzer und andere kleine Blessuren, unversehrt.

Wenig später ritten wir weiter. Estel saß mittlerweile hinter meinem Vater auf dem Pferd. „Komm, Minastrinith! Wir bringen ihn nach Rivendell!", rief mein Vater mich.

Bei dem Gedanken an Rivendell schlug mein Herz sofort höher. „Wie lange mag ich nun nicht mehr dortgewesen sein?", fragte ich mich. Wir zogen weiter, durchquerten weite, aber nun wesentlich steilere Ebenen und ritten durch eine enge, hohe Schlucht, die früher vielleicht ein Flusslauf gewesen war. Dann, als die Sonne wieder nach Westen sank, öffnete sich die Schlucht zu einem riesigen, ausschweifendem Tal auf dessen Grund Bäume wuchsen. An den steil abfallenden Seiten des Tals stürzten Wasserfälle in die Tiefe. 

Wir stiegen einen Pfad hinab, der in den Hang geschlagen und mit weißen Steinen markiert war. Der Pfad verzweigte sich weiter unten zu einer breiten, steinernen Brücke, die auf den runden Vorplatz eines Anwesens führte. Offenbar wurden wir schon erwartet, denn auf der Treppe, die zum eigentlichen Haus führte, stand ein hochgewachsener Elb, in ein dunkelblaues Gewand gekleidet, mit langen, schwarzen Haaren und grau-blauen Augen - Elrond, Herr von Rivendell.

„Mae govannen meleth nîn!", *

*Schön euch zu sehen, meine Freunde!

rief er, als wir näher traten. „Estel! Wo warst du? Ich habe mir Sorgen gemacht!"

Wächter der Morgendämmerung (Hobbit Ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt