1. Sing me to sleep

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Jedesmal wenn ich die Augen öffnete sah ich weiß.
Jedesmal wenn ich blinzelte sah ich nichts außer schwarz.
Jedesmal wenn ich meine Augen schloss sah ich ausnahmslos mich selbst.

Wie erbärmlich ich neben den toten Körper meiner Mutter saß und schrie sie solle wieder aufwachen.
Wie ich nutzloses Ding meine Tränen vergoss in der Hoffnung dies würde sie wieder zurück bringen.
Ich hatte lange Zeit nicht verstanden dass weinen nichts brachte.
Dass ins Nichts starren und nichts Essen sie auch nicht zurück bringen konnte.
Ich hatte es auf die harte Tour lernen müssen was es heißt den einzigen Menschen in deinem Leben zu verlieren der dich jemals so geliebt hat wie du bist.
Der dein Wohlergehen und dein Glück über dass von sich selbst stellt um dich zu beschützen und zu unterstützen wo es ihm auch möglich ist.
Meine Mutter war eine bezaubernde Person gewesen,die gütigste die ich jemals gekannt habe.
Sie hat alles für mich aufgegeben um sich um mich zu kümmern,sie hatte aufgehört sich mit anderen zu treffen und mir stattdessen ihre ganze Aufmerksamkeit geschenkt.
Und nun war sie tot und ich ganz alleine.

Jeden Abend weinte ich mich in den unerholsamen Schlaf aus dem ich kurze Zeit später wieder schweißgebadet erwachte.
Wenn ich träumte dann waren es stets schlechte mit Trauer und Wut gefüllte Albträume die mich innerlich zu zerreißen schienen und es mir am nächsten Tag noch mehr erschwerten am Abend wieder einzuschlafen.
Ich kannte lange Zeit nichts anderes als das zerrissene und weinende Ich welches ich in meinem Zimmer abgab.
Ich hatte mich nur auf mich konzentriert,auf meine Verzweiflung und die Trauer die es mir erschwerten nach vorne zu sehen und weiter zu leben.
Denn dass war es, bestimmt,was sich meine Mutter für mich wünschen würde.

Meine Fenster waren immer mit einer Decke bedeckt die verhinderte dass Sonnenlicht ins Zimmer kam.
Unordentlich und voller Müll hatte ich in meinem Zimmer gelebt für mehr als ein halbes Jahr.

Doch eines Tages schaffte es jemand meine Aufmerksamkeit zu erregen und mich abzulenken.
Er war so darauf bedacht niemandem aufzufallen dass er für andere schon beinahe durchsichtbar war doch ich konnte ihn sehen.
Mit allen blauen und grünen Flecken,mit allen Kratzern,seinen wuscheligen lockigen Haaren und den Augen dessen Farbe ich bis heute noch nicht genau bennen kann.
Mit seinem süßen Lächeln und dem Superman Shirt welches aussah als wäre es lange schon überfällig mal gewaschen zu werden.

Ich hatte nur einmal mein Fenster geöffnet und gewann einen Freund der mich niemals mehr verlassen wollte.
Es stellte sich heraus dass er in dem Zimmer neben mir wohnte.
Dass er ebenfalls jemanden verloren aber darüber hinweg gekommen war.
Er hatte neu anfangen wollen und hier waren wir nun.
Wir beide, ohne Eltern und ganz alleine.
Wir schworen uns ewige Treue und dass wir für immer Freunde sein werden.
Wir aßen Eis zusammen bis wir uns übergeben mussten und spielten bis tief in die Nacht hinein die besten Spiele die ich kannte.
Er zeigte mir dass ich weiter leben und lachen konnte und dass das Leben nicht mit dem Tod eines geliebten Menschen endete.
Es konnte weitergehen wenn es auch Anfangs nicht so erscheinen mochte.

Er sang mir ein Lied jedesmal wenn ich dachte ich würde an der Trauer zerbrechen die immer wieder aufkam wie ein Orkan.
Er sang es mir wenn ich weinte,wenn ich nichts hören wollte und auch wenn ich nur schlagen konnte sang er es.
Das Lied welches ich von meiner Mutter kannte.
Welches sie mir immer vorgesungen hatte wenn ich traurig gewesen war.
Oder ihre Sicherheit brauchte,wenn ich beschützt und behütet werden wollte und auch wenn ich einschlief.
Er trat in ihre Fußstapfen und wurde ein weiterer wichtiger Mensch in meinem Leben.
Jemand zu dem ich aufsehen kann,auf den ich vertrauen kann dass er mich fängt wenn ich falle.

Er singt es mir immer vor.
Egal wo.
Dafür liebe ich ihn.
Für das und alles was er noch getan hatte um mich wieder aufzubauen.
Dafür dass er bei mir geblieben ist und auf mich acht gab wenn ich es brauchte.
Ich würde alles für ihn tun.

Jedesmal wenn ich blinzel sehe ich nichts außer schwarz.
Doch wenn ich meine Augen geschlossen halte kann ich seine Stimme hören und sein Lächeln sehen.
Ich wünsche in solchen Momenten ich könnte für immer schlafen.

Das letzte Mal an dem ich meine Augen öffnete sah ich weiß.
Es war dieses weiß welches man ungern ansah weil es so monoton war.
Dieses weiß welches schlimmes verkündete, jedenfalls in den meisten Fällen.
Und dann sah ich ihn.
Wie er versuchte zu lächeln,tapfer und fröhlich zu sein und doch Tränen in den Augen hatte.
Ich weiß wie es war jemand geliebtes zu verlieren.
Er wusste es auch.
Ich würde ihn das niemals antun wollen doch der Tod fragt nicht.
Sonst hätte ich nein gesagt.
Doch es brachte nichts.

Kurz bevor ich meine Augen für immer schloss sah ich seinen Schmerz und doch hörte ich das Lied welches er immer sang.
Es würde ihm gut gehen.
Er sang mir mein Schlaflied.
Und ich würde schlafen.
Für immer.

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⏰ Last updated: May 02, 2020 ⏰

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