Frühlingserwachen

7 0 0
                                        

Endlich wieder Frühling! Mit einem zufriedenen Seufzer schlug Lilac ihre Augen auf. Eine Langschläferin war sie seit ihrer Teenager-Zeit nicht mehr. An manchen Tagen hatte sie das Gefühl, mit der Welt Eins zu sein, zumindest was ihre Schlafgewohnheiten betraf. So auch Heute...

Mit der rechten Hand tastete ich nach meinem Wecker - 4 Uhr Morgens, wenn das nicht vielversprechend klang.

Da es seit einigen Tagen über 15 Grad warm war, lies ich über Nacht meine Balkontür offen. 

In meine Decke eingekuschelt blieb ich noch etwas liegen, bis die Sonne aufging. 

Auch Heute hatte ich wieder eine dieser verrückten Träume.

Seit meinem spontanen Umzug vor einigen Monaten erblühte meine Fantasie.

Gute fürs Geschäft - fand mein Manager. 

Gut für die Seele - fand meine Mutter. 

Und ich? Ich wurde zunehmend verwirrter. 

Die Welt, welche ich erträumte verschob sich immer mehr mit der Realität. 

Bekannte und Unbekannte spielten gleichermassen eine Rolle. 

Selten spielten die Träume in der Gegend, in der ich wohnte. 

Viel mehr waren es Landschaften und Gebäude, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

Mit der Sonne erwachten auch die ersten Vögel.

Und wie so oft auch meine Kreativität. 

Mit einem Seufzer legte Lilac ihre Decke beiseite. auf dem Nachttisch blinkte ihr Handy und zeigte mehrere verpasste Anrufe. Doch diese konnten noch etwas warten. Zuerst gönnte sie sich ein ausgiebiges Frühstück, wobei die Blaubeeren nicht fehlen durften. Anschliessend band sie ihre Haare zum Dutt, tauschte ihr seidenes Nachthemd in bequeme Leggings und zog sich einen übergrossen Pullover an. Zu guter Letzt kramte sie ihre Brille hervor, welche sie ausschliesslich Zuhause trug. Kontaktlinsen konnte sie gar nicht ausstehen und trug diese daher nur an Konzerten und bei Interviews.

Ohne dass ich es bemerkt hatte, nahm ich eine Melodie der Vögel auf, pfiff sie mit und etwickelte sie weiter. 

Mit den restlichen Blaubeeren bewaffnet öffnete ich die Tür des Musikzimmers. 

Darin befanden sich nebst meinem Tonstudie auch meine Sammlung an Instrumenten.

An jedem neuen Ort und bei jeder Begegnung mit anderen Musiker suchte cih nach Instrumenten, welche mich ansprachen.

Zur Zeit liebte ich meine japanische Koshi-Sammlung.

Für jedes Element gab es eins, im Gesamten 4.

Langsam lies ich meine Hände darüber gleiten und hörte wie immer auf mein Herz.

Heute hatte es mir Luft angetan.

Zufrieden mit meiner Wahl kehrte ich auf den Balkon vor meinem Schlafzimmer zurück, schwenkte das Koshi mit leichten Bewegungen und hörte dem Klangspiel zu.

Leise summte ich erste Töne mit, ergänzte die Melodie der Vögel und vergass immer mehr die Welt um mich herum.

Die Sonne strahlte angenehm warm und ich verlor mich in einer Welt aus Klängen und Farben.

Sich leicht wiegend summte Lilac. Dabei legte sie immer mehr von sich selbst in die Musik, bis aus ihrem Summen ein fester Gesang wurde. Aus den feinen einzelnen Tönen, wurden erste kurze Melodien, bis daraus ein lebendiges Lied entstand, welches wie ein frischer Wind durch die Frühlingsluft strich. Wörter flossen aus ihr heraus, beschrieben den Moment und wollten gesungen werden. Lilac aber nahm dies alles nur am Rande wahr.

Irgendwann spürte ich eine kühle Briese.

Dadurch abgelenkt beendete ich mit einem klaren leichten Ton mein Gesang. 

Meine Hand mit dem Koshi hatte ich schon seit geraumer Zeit auf den Schoss gelegt ohne es zu bemerken.

Dies klingelte jetzt leise, als ich aufstand und mich in alle Richtungen streckte. 

Schon wieder hatte ich ein komplett neues Lied gesungen, ohne überhaupt zu wissen, woher ich die Eingebungen hatte. 

Welch ein Glück, dass dies nichts Neues für mich war. 

Mittlerweile trug ich meist ein Aufnahmegerät mit mir herum, so dass ich meine Lieder sicher auf Band hatte.

 Einige dieser Aufnahmen verarbeitete ich direkt zu Songs, andere nutze ich als Inspiration.

Mit Blick auf die Uhr bemerkte ich erst, wieviel Zeit vergangen war. 

Gerade als ich zurück ins Schlafzimmer trat, klingelte mein Telefon.

Mit einem Blick darauf entschied ich, dass dieses Gespräch noch etwas warten konnte und versorgte das Koshi mit einem stummen Dank zurück im Musikzimmer.







LilacStories to obsess over. Discover now