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as Leben ist wie ein zartes Stoffbändchen.
Es löst sich nach einiger Zeit auf, jedoch bleibt ein langer Faden übrig, der länger ist als das eigentliche Band und der sich erst nach einer Weile auflöst. Doch was bringt uns der lange Faden, wenn wir ihn unbeachtet in eine Schublade stecken oder wegschmeißen. Die Farbe des Bandes verblasst unter den Schichten von Staub.
Dabei hatte der Besitzer des Fadens vorher zwei Möglichkeiten:
Er hätte ihn nehmen können und aus ihm etwas neues erschaffen können, dass noch schöner ist, als das ehemalige Stoffbändchen oder er hätte den unscheinbaren Faden nehmen und wegwerfen können. Doch wenn er sich gegen beide Möglichkeiten entscheidet, versteckt er seinen wertvollen Besitz, weil er glaubt er sei nichts mehr wert. Doch stimmt das?
Das Leben ist genauso wie ein Stoffbändchen und der Tod so wie der Faden, der irgendwann übrig bleibt. So können die Toten in physischer Form nichts mehr bewirken, doch können das ihre Liebsten tun, in dessen Köpfen sie weiterleben. Einfache Taten, die während des Lebens stattfanden, können manchmal größere Auswirkungen haben, als man denken könnte. Die Entscheidung was man aus dem Andenken machen möchte, bleibt den Liebsten überlassen. Tragen sie es in die Welt hinaus oder vergessen sie es zu tun und verstecken es?
Es bleibt ihnen überlassen.
Als mein Großvater starb, starb auch das restliche kindliche Glück, was ich mir bis dahin aufbewahrt und verspürt hatte. Meine schwer kranke Großmutter, die ich liebevoll Granny nannte, versuchte mir den Schmerz so weit es ging zu nehmen. In dem weißen Flur des Krankenhauses nahm sie mich in den Arm und probierte mich mit ihrem Gesang zu beruhigen.
Sie sang ein Lied, dass mir schon als Baby das Gefühl von Geborgenheit vermittelt hatte und sie sich selbst ausgedacht hatte. Sie gab ihr Bestes, obwohl sie selber litt. Dieser Schmerz hatte sie geprägt und das sah man ihr schon im Gesicht an. Tiefe Sorgenfalten zogen sich über ihre Stirn, trotz des Versuchs sie vor mir zu verbergen. In diesem Moment gelang es ihr nicht.
Meine Großeltern waren über 50 Jahre verheiratet gewesen. In dieser Zeit hatten sie das Glück erfahren einen Sohn zu bekommen, zu sehen wie er aufwuchs, heiratete und selber Vater einer Tochter wurde. Sie waren so sehr an das Glück gewöhnt gewesen, dass sie nicht mit etwas anderem rechneten. Doch an nur einem einzigen Tag veränderte sich ihr ganzes Leben für sie. An diesem Tag erfuhren sie den größten Schmerz, den Eltern nur erfahren konnten.
Er veränderte ihr ganzes Leben, obwohl sie gar nicht darauf vorbereitet gewesen waren. An diesem Tag verunglückte ihr Sohn mit seiner Frau, die im 5. Monat schwanger war, und ihre Tochter in einem Autounfall. Ihr Sohn und seine Frau verstarben noch am Unfallort, wie die Polizisten ihnen später berichteten. Für sie bestand niemals die Chance zu überleben, doch nicht so bei der Tochter. Wie durch ein Wunder hatte sie mit nur einigen wenigen Wunden überlebt und lag trotzdem im Koma. Die Ärzte meinten, dass sie den Eindruck hatten, dass dieses kleine Mädchen ihren Eltern folgen wollte. Die Großeltern des Mädchens besuchten sie jeden Tag im Krankenhaus so erzählte es man ihr später, doch sie sei erst aufgewacht, als ihre Großmutter ihr eine selbst komponierte Melodie ins Ohr sang. Sie verlieh ihr die nötige Kraft, um aufzuwachen. Dieses Mädchen wuchs heran und wurde 16 Jahre alt. Dieses Mädchen... bin ICH.
Mein Leben ist nicht immer leicht und war es auch nie. Doch genauso wie meine Granny, die ihre schwere Krankheit besiegt hat, kämpfe auch ich. Man könnte glatt sagen, es liegt mir im Blut.
Meine Schulzeit ist genauso wie mein Leben. Ich kämpfe gegen die ganzen großen klassischen Cliquen an. Dabei brauche ich nicht die Gewissheit, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich zur Clique der Sportler oder der Mathegenies gehöre.
Lieber verbringe ich Zeit mit meinen Freunden, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Jo und Jess, die Zwillinge, sind immer gut gelaunt und einfach liebenswert, leider haben sie selten Freizeit. Diese wird nämlich von ihrer Mutter durchgeplant und sie haben dabei kaum ein Mitspracherecht. Claire ist meine beste Freundin und ich kann ihr vertrauen, egal um was es geht.
Matt, mein bester Freund, ist der athletische Surfcoach, der immer einen lustigen Spruch parat hat, jedoch auch ernst sein kann. Ich kenne Claire und Matt schon seit meinen frühen Kindertagen und wir haben seitdem schon so viel Zeit miteinander verbracht, dass manche fremde Menschen glauben wir seien verwandt.
Die Zwillinge lernten wir in unserer Schulzeit kennen und lieben. Alle zusammen verbringen wir viel Zeit damit mit dem Fahrrad durch unsere Kleinstadt zu radeln und uns am Strand die Wellen und die Touristen anzusehen. Gemeinsam mit Granny bildeten sie meine Familie. Ich konnte auf sie zählen.
Die Sommerferien verbrachten wir zusammen und planten dafür alles am Beginn der Ferien, doch in diesem Jahr würden die Zwillinge nicht dabei sein. Ihre Eltern hatten sie gezwungen mit nach Europa zu fliegen, um dort unbekannte Verwandte zu besuchen, wie sie immer wieder beteuerten. Doch nicht nur das war anders, als die anderen Sommer vorher.
In diesem Sommer sollte ich begreifen wieviel mir Matt bedeutete. Er sollte für mich nicht länger nur mein bester Freund bleiben, sondern so viel mehr. Diese Erkenntnis traf mich nicht wie ein Blitz, sondern ich hatte eher so ein Gefühl wie das, dass man vor den Sommerferien hat. Man weiß, dass da etwas ist, obwohl es noch gar nicht so weit ist.
So begann alles ganz "normal". Zu mindestens so normal wie es bei mir eben geht.
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Love me...!?
Teen Fiction-"Nein..." Ich probierte mich gegen das unausweichliche zu wehren, doch es brachte nichts auch wenn ich es eigentlich auch wusste. -"Ich werde dich so verdammt vermissen...Du hast ja keine Ahnung wie sehr." Die letzten Worte sagte er nur ganz leise...
