Langsam sah sie sich um. Sie war in einem dunklen Wald gelandet, umgeben von hohen Bäumen. Ein Knacken ertönte. Erschrocken drehte sie sich um. Doch sie war nur auf einen Ast getreten. Ihr Handy hatte kein Akku mehr. Es war ihre letzte Hoffnung, doch auch diese wurde ihr gestohlen. Wie sollte sie nur jemals aus dem Wald entkommen? Es dämmerte bereits und sie fröstelte. Plötzlich hörte die junge Frau Schritte, welche immer näher ka-
„Ring Ring Ring!"
Erschrocken klappte Cleo das Buch zu und somit wusste sie nun nicht mehr, bei welchem Kapitel sie war. Ihr Handy klingelte und wurde immer lauter. Ohne auf den Anrufer zu achten, nahm die 15-jährige Schülerin den Anruf an. „Ja?"
„Ton an", sagte eine Stimme. Das Mädchen runzelte die Stirn. Wer war diese Stimme und was wollte sie von ihr? „Was wollen Sie von mir?", fragte Cleo, aber die Stimme antwortete nicht. Eine seltsam klingende Melodie ertönte. Merkwürdig, die Melodie kam ihr bekannt vor, doch sie wusste nicht, weshalb sie diese Melodie kannte.
„Hallo? Wer sind Sie?!", fragte Cleo erneut, doch es ertönte ein Piepen. Die Verbindung wurde gekappt und die Person hatte aufgelegt. „Na toll!", schimpfte sie. „Wegen diesem Anruf habe ich jetzt meine Seitenzahl vergessen!" Energisch blätterte sie durch das Buch, welches aus 400 Seiten bestand. Es war ihr Lieblingsbuch - vor einem Jahr hatte sie es zum Geburtstag bekommen und sie konnte es immer lesen, es wurde nie langweilig.
„Cleo?"
Ihre Mutter Rosi erschien im Türrahmen. „Hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?", wollte Rosi wissen. „Klar", log Cleo. „Gut, dann korrigiere ich die, ja?"
Rosi war sehr ehrgeizig, wenn es um das Thema Schule ging. Ihr größter Wunsch war, dass Cleo studieren sollte. Deshalb waren für Rosi Noten wie eine 3, 4, 5 oder 6 schlecht. Jeden Tag korrigierte ihre Mutter Cleos Hausaufgaben. Sie hatte Lehramt studiert und war im letzten Semester gewesen, als Cleo auf die Welt kam. Um für ihre Tochter da zu sein, brach sie ihr Studium ab und wurde Verkäuferin in einem Supermarkt.
„Gleich", Cleo sprang auf, als ihre Mutter zum Schreibtisch ging. „Ich glaube, ich habe einige Fehler gemacht. Ich möchte die Hausaufgaben lieber selbst verbessern."
Rosi kaufte ihrer Tochter die Lüge ab und nickte. „Meinetwegen. Ruf mich, wenn du fertig bist."
Kaum wurde die Tür geschlossen, da setzte sich Cleo an den Schreibtisch und las weiter. Sie war längst nicht so ehrgeizig wie ihre Mutter, für sie waren auch noch Noten wie 3 oder 4 gut. Außerdem war sie sich nicht mehr sicher, ob sie überhaupt Abitur machen wollte. Aber sie musste dies alles tun - sie durfte ihre Mutter nicht enttäuschen, nach alldem, was Rosi für sie aufgegeben hatte.
YOU ARE READING
Ton an
Short StoryTäglich wird die 15-jährige Cleo von einer unbekannten Nummer angerufen, welche sich stets mit "Ton an" meldet. Dazu wird eine Melodie abgespielt, die Cleo merkwürdigerweise bekannt vorkommt. Die Schülerin versucht, die ständigen Anrufe zu ignoriere...
