Kapitel 24

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L O U I S

Es kam mir vor wie Stunden, in denen ich im Wartezimmer des Krankenhauses saß, einen Kaffee nach dem anderen aus dem Automaten zog und diesen trank. Harry war seit einer Stunde bei diesen Untersuchungen, und es hatte sich wohl herausgestellt das alles ein wenig komplizierter war als bisher angenommen, weswegen mir gesagt wurde, es würde noch eine Weile dauern. Der Fakt, dass es bereits 22 Uhr abends war und ich todmüde war, machte das ganze nicht besser und mit dem Kaffee - ich hasse dieses Zeug bis heute - erhoffte ich mir, länger wach bleiben zu können. Es war gerade mal zwei Stunden her, dass Harry aufgewacht war und erst eine halbe Stunde, dass wir getrennt waren, doch es tat mir weh, ihn nicht um mich zu haben. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als jemand neben mir auftauchte, den ich nicht kannte. Das Mädchen war in meinem Alter, sie hatte dunkelblaue Augen und schwarze Haare. „Hey, Sorry falls ich dich erschreckt habe. Ich bin hier Krankenschwester und wurde deinem Freund zugewiesen. Ich bin Mayleen, aber nenn' mich einfach May.", sagte sie freundlich, mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen und ich erwiderte dies, als ich mich ihr vorstellte. Sie war einen halben Kopf kleiner als ich und war zierlich gebaut, doch ihrer Ausstrahlung nach war sie nicht gerade das kleine schüchterne Mädchen nach dem sie aussah. „Harry's Untersuchungen werden noch eine Weile dauern, ein paar Stunden vielleicht. Es wäre gut wenn du ein paar Klamotten von ihm organisieren könntest, denn so wie es aussieht wird er hier die nächste Zeit verbringen. Und wenn die Untersuchungen fertig sind, wird er mit Sicherheit schlafen, denn er wird gleich in Narkose gesetzt und er wird sicherlich vor dem Mittag nicht aufwachen. Geh nach Hause, Schlaf ein wenig, geh in die Schule und komm dann wieder.", meinte sie nett, woraufhin ich ein paar Mal überfordert blinzelte. Das waren eindeutig zu viele Infos für 22 Uhr. Doch als ich ihre Worte in meinem Kopf in eine für mich verständliche Version geordnet hatte und den Sinn verstanden hatte, schüttelte ich den Kopf und brabbelte nuschelnd: „Ich muss hier bleiben. Bei Harry. Ich kann ihn nicht alleine lassen. I-Ich muss-" sie unterbrach mich mit ihrer warmen, angenehmen Stimme: „Ihrem Freund wird nichts passieren. Gehen sie nach Hause. Wir melden uns bei ihnen, wenn etwas genaueres passiert ist.". Ich nickte benommen, sagte zum Abschied noch: „Bis dann, May.", bevor ich mich auf den Weg nach draußen machte.

Als ich nach gefühlten Stunden nach Hause kam, wunderte ich mich, dass das Licht noch an war, und betrat gähnend die Augen. „Louuuu!", hörte ich eine kindliche Stimme schreien, als die Tür zufiel und eine meiner kleine Schwestern kam auf mich zugerannt. Ich ging in die Hocke und empfing sie mit offenen Armen, als ich leise: „Hey Daisy.", murmelte. Sie schlang ihre Arme um meinen Hals und drückte mich fest an sich. Leise flüsterte sie: „Wie geht es Harry.", und ich musste lächeln. Jeden Abend, wenn ich nach Hause kam, fragte sie das und jedes Mal musste ich ihr sagen, dass Harry noch im Koma lag. Mir schossen Tränen in den Augen, als ich wirklich realisierte, dass ich Harry wieder hatte. Das alles gut werden konnte. Die Tränen liefen mir bereits über die Wange, als ich leise winselte: „Ihm geht es gut, Daisy. Er lebt. Er ist wieder aufgewacht.". Sie drückte mich erschrocken von sich, sah mich mit großen Augen an und fragte: „Wirklich?", woraufhin ich sie unter Tränen anlächelte und nickte. Sie formte ihren Mund zu einem 'O' und ihre Augen begannen zu leuchten, als sie wie von einer Biene gestochen hüpfend losrannte, die Treppe herauf und brüllte: „Mum! Phoebe! Harry ist aufgewacht!".

Einige Sekunden später hörte ich meine Mum und meine beiden kleinen Schwestern die Treppe herunterpoltern und meine Mum fragte hektisch: „Louis?", doch als sie mich erblickte lächelte sie sanft und breitete ihre Arme nach mir aus. Ich stolperte auf sie zu und schlang meine Arme um sie, mein Gesicht vergrub ich in ihrer Hals beuge. Auch wenn ich 17 war und schon viel Scheiße gemacht habe, war ich in der Gegenwart meiner Mum schon immer  ein kleines Muttersöhnchen. Sie drückte mich an sich und flüsterte: „Ich bin so stolz auf dich Louis. Du hast dich so verändert in den letzten Monaten, ich bin so unglaublich stolz auf dich. Harry kann sich glücklich schätzen, dich an seiner Seite zu haben.". Ich nickte hektisch und murmelte: „M-Mummy er ist aufgewacht. E-Er lebt!".

Erst in dem Moment fiel mir wirklich auf, wie sehr ich in den letzten Wochen gelitten hatte. Ich hatte kaum geschlafen, manchmal war ich sogar neben Harry's Bett auf dem Stuhl eingeschlafen. Ich hatte kaum gegessen und auch mit niemandem geredet, wenn man davon absah, dass ich - wenn ich abends mal zuhause war - meine kleine Schwester getröstet habe, die jedes Mal geweint hatte wenn ich auf ihre Frage, ob es Harry besser ginge, den Kopf geschüttelt hatte. Die Nächte hatte sie in meinen Armen gelegen und entweder geweint, oder gebetet. Sie hatte wirklich jeden Abend dafür gebetet, dass ihr Prinz wieder aufwachen würde. Der Gedanke ließ mich lächeln und ich löste mich von meiner Mum, als das kleine Mädchen neben mir an meinem Shirt zog und fragte: „Lou-Lou kann ich bei dir schlafen?", woraufhin ich meiner Mum schnell „Gute Nacht", sagte und meine Schwester dann euphorisch auf meine Schultern nahm. „Na dann, ab ins Bett, morgen ist Schule, kleine Maus." und sie kicherte. An diesem Abend schlief ich mit dem Hoffnung ein, dass alles gut werden konnte. Harry und ich würden glücklich werden und alles vergangene hinter uns lassen.

Doch diese Hoffnung würde nicht erfüllt werden, und das wurde mir am nächsten Tag bewusst. Alles war gut - Jo und Lola haben sogar vor Freude geweint als ich ihnen gesagt hatte, dass Harry aufgewacht sei und sie wollten direkt nach dem Training nachmittags im Krankenhaus vorbeikommen, und meine Schwestern wollten am folgenden Tag im Krankenhaus vorbeikommen. Ich holte von Lola eine Tasche mit Klamotten von Harry, packte auch ein paar Pullis von mir ein - immerhin war es Winter und Harry liebte es meine Sachen zu tragen - und machte mich dann auf den Weg ins Krankenhaus.

Jedoch als ich das Zimmer betrat, in dem Harry liegen sollte, war es leer. Verwirrt ging ich wieder auf den Flur, wo ich May antraf. Sie blickte traurig zu Boden als sie auf mich zu kam, nicht darauf achtend wo sie hinlief und sie lief direkt gegen mich. Hektisch hob sie ihren Kopf und sah mich direkt an, meinte: „Oh Gott, Sorry.", woraufhin ich entgegnete: „Kein Ding. Sag mal, wo ist Harry?", und sie blickte auf ihre Hände. Ich wurde panisch. Was ist hier los? Ich ließ meine Tasche fallen und griff vorsichtig nach ihren schmalen Schultern: „Mayleen, wo ist Harry?". Sie sah mir in die Augen, ihre dunkelblauen Augen durchbohrten mich mit einem mitleidigen Blick: „Er wurde auf den dritten Stock verlegt.".

Ich ließ ihre Schultern los und überlegte kurz, was daran so schlimm sein konnte. Da ich dieses Krankenhaus ziemlich gut kannte, weil meine Mutter hier lange gearbeitet hatte damals. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, welche Patienten auf der dritten Etage behandelt wurden. Leise, mit einer Mischung aus Panik und Ungläubigkeit, sprach ich meine Erkenntnis aus: „Harry hat Krebs."-

Forever and Always - L.S. [AU]Where stories live. Discover now