Liebliche Violinmusik erfüllte die Flure des Schlosses auf der Insel Lindor Istana und vermischten sich mit dem Vogelgezwitscher. Trotz der geschlossenen, hohen Fenster war es deutlich zu hören. Die Sonne schickte ihre Strahlen durch die bunten Gläser und erwärmte den Marmorboden. Dadurch wirkte er noch edler. Das passte zu Aarons Residenz, die eine Mischung aus Palast und Schloss war.
Ohne auf die tuschelnden Dienstmädchen zu achten, rannte Saori mit dem Stoffhasen in ihrem Arm den sonnendurchfluteten Gang entlang. Ihr Glöckchen am Dämonenschwanz gab zwischen den anderen Geräuschen eine eigene Melodie von sich, und sie war froh, dass niemand den wahren Grund dafür kannte.
Aufgewühlt durch die Audienz mit der Königin versuchte Saori ihr Zimmer zu finden. Lieber würde sie den Garten aufsuchen, um dort zur Ruhe zu kommen, doch sie war sich nicht sicher, ob Aarons Verbot weiterhin bestand. Zusätzlichen Ärger wollte sie nicht heraufbeschwören.
Abgehetzt und völlig außer Puste erreichte sie den Raum, den der Engel ihr zur Verfügung gestellt hatte. Hier war es angenehm kühl und erschöpft lehnte sich Saori an die Tür. Langsam rutschte sie hinab und zog ihre Beine an sich. Ihren Hasen auf dem Schoß platzierend, senkte sie den Kopf, bis ihre silber-violetten Haare nach vorne fielen und ihre Brust bedeckten. Es war ihr egal, dass sie auf dem Boden saß. Sie war allein und niemandem in dem Moment Rechenschaft schuldig.
Da Aaron sicher noch mit der Königin der Engel sprach, bestand nicht die Gefahr, dass er vorbeikam.
So hatte Saori Zeit, das Geschehene zu verarbeiten.
Waren Aarons Worte wahr? Er konnte und durfte nichts für sie empfinden! Verstand er nicht, wie schlimm das war? Sie war ein Dämon und ihre Familie war der Grund, dass er seine Eltern verloren hatte!
Inständig hoffte sie, dass er gelogen hatte, doch ihr fielen all die kleinen Gesten ein, die er mit ihr ausgetauscht hatte. In Gesprächen hatte er Anzeichen gezeigt, mit denen Saori aufgrund ihrer Herkunft nichts anfangen konnte.
Nein, es konnte nicht wahr sein, dass Aaron etwas für sie empfand!
Vielleicht war er ein hervorragender Lügner und versuchte, Saori zu manipulieren. War es daher besser, in Zukunft jegliche Freundlichkeit seinerseits abzulehnen?
Der Gedanke versetzte Saori einen Stich ins Herz. Ein schmerzhaftes Gefühl von Trauer, als würde sie etwas Wichtiges verlieren, breitete sich in ihr aus. Es war so überwältigend und verwirrend zugleich, dass Saori kaum atmen konnte. Was hatte das Ganze zu bedeuten?
Was war, wenn Aaron die Wahrheit sprach?
Lange saß Saori regungslos auf dem Boden und spielte mit den Ohren des Stofftiers, während sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen.
Schließlich erhob sie sich und sah sich in ihrem kleinen Rückzugsort um. Ihr Blick fiel auf das Bett, und im ersten Moment zog die Erschöpfung sie dorthin, doch Saori wandte sich kopfschüttelnd ab. Sie durfte nicht daran denken, was alles darin mit Aaron geschehen konnte.
Bevor es zu einer Panikattacke kam, entschied sich die Dämonin, sich seinem Verbot zu widersetzen. Sie würde den Garten allein aufsuchen und zu den Schaukeln gehen.
Leise öffnete Saori die Tür und spähte hinaus. Hier unten war es still und sie atmete zum letzten Mal die kalte Luft ein, ehe sie den Gang entlang huschte. Nur wenige Meter von ihrem Zimmer entfernt, umwehte die Hitze ihren Körper und zwang Saori, das Halsband zu aktivieren.
Aufatmend nahm sie die Kühle wahr und spähte vorsichtig um jede Ecke, da sie weder Aaron, Tabitha noch Leika begegnen wollte.
So schnell es ihre Beine erlaubten, flitzte Saori zu den Schaukeln, die durch den Sonnenstand im Schatten standen. Dort ließ sie sich keuchend mit dem Hasen in ihrer Hand auf einer nieder und sah sich unruhig um, ob sie beobachtet wurde, doch alle schienen sich im Palast aufzuhalten.
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Aingeru Aroha - Dämonenherz (Band 2) [Leseprobe]
FantasyLangsam lebt sich Saori bei Aaron ein. Der Engel ist stets für eine Überraschung gut, von der sie nicht immer weiß, was sie davon halten soll. Durch ihn lernt sie nicht nur viele Unterschiede zwischen Himmel und Hölle kennen, sondern auch neue Gefüh...
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