Die sanften Töne von Beethovens für Elise schlichen sich wie weiche Wellen in meinen traumlosen Schlaf und noch bevor mein Verstand überhaupt realisiert hatte das der Schlaf nun vorbei war, erkannte ich die Melodie.
Ich blinzelte ein paar Mal gegen das trübe Sonnenlicht, das durch die gräulichen Vorhänge an meinem Fenster fiel und brauchte einen Moment lang um zu begreifen, woher der pochende Schmerz in meinem Kopf kam. Stöhnend rappelte ich mich auf, sodass ich eingeklemmt zwischen zwei Kissen im Bett saß und während ich mit der Hand durch meine Haare fuhr war es, als streichelte ich durch das verwuschelte Fell von dem Kater meiner Großmutter. Mir war übel. Nicht so, dass ich mich hätte übergeben müssen aber es war ein unangenehmes Gefühl, wie mein Magen sich zusammen zog und gegen die Spirituosen rebellierte, die ich mir gestern unnötigerweise reingezogen hatte und das, obwohl ich mich schon seit Jahren gegen Alkohol sträubte.
Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus in der Lage am Abend ein oder zwei Bier zu trinken aber ich hasste größere Partys. Ich hasste Ansammlungen von betrunkenen High School Schülern und meine Klassenkameraden waren da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil.
Abgesehen von Kathi, hatte ich wahrscheinlich noch nie wirklich mit einem von ihnen geredet und deswegen überraschte es mich umso mehr, als mein Blick zufällig auf meiner Handfläche landete und ich die mit blauem Edding gekritzelten Zahlen sah, die offenbar eine Handynummer darstellen sollten.
Hatte ich mich mit jemandem verabredet? Abgesehen von meiner besten Freundin Kathi, hatte ich wahrscheinlich noch nie ein Wort mit irgendeinem Mädchen gewechselt und ich konnte mich auch nicht daran erinnern, mit jemand bestimmtem gesprochen zu haben aber um ehrlich zu sein, hatte ich ohnehin einen totalen Filmriss.
,,Finley!"
Die Stimme meiner Großmutter schnitt wie ein Jagdmesser durch meinen stechenden Kopf und ich kniff für einen Moment die Augen zusammen, um mein Gehirn davor zu bewahren, in tausend Stücke zu zerspringen. Ignolia schaffte es immer wieder, die Dinge die sie sagte noch spitzer klingen zu lassen, als man es ohnehin von ihr erwartete und trotz der Tatsache, dass wir die einzigen Menschen in diesem Haus waren, gab sie sich alle Mühe, so formell wie irgend möglich zu wirken. Wahrscheinlich nannte sie mich deshalb Finley. Sie hatte schon immer behauptet, mein Name sei viel zu 'kurz' und 'neumodisch'. Mit letzterem, konnte sie nämlich rein gar nichts anfangen.
Am liebsten hätte ich auf der Stelle eine kalte Dusche genommen, einen heißen Kaffee getrunken und ein paar Brote gegessen, um meinem knurrenden und noch immer verknotetem Magen entgegen zu wirken aber ich bezweifelte, dass Ignolia mir auch nur zwei Minuten Ruhe gönnen würde, wenn sie mich so sah. Nicht, weil sie sich um mich sorgen würde oder so etwas. Das einzige, um das Ignolia sich wirklich Sorgen machte, war ihr Ruf und sicher würde sie mir vorwerfen, einer ihrer super reichen Senioren Freunde könne mich gestern gesehen haben und für einen 'ungezogenen Bengel' halten.
,,Finley Collins, wenn du nicht auf der Stelle hier unten erscheinst, nehme ich dir diese dumme Spielbox ab!", rief Ignolia und dieses Mal ließ ich mir nicht allzu viel Zeit nachzudenken. Mit 'Spielbox' war aller Wahrscheinlichkeit nach meine Playstation gemeint und ohne die, hatte ich entweder die Wahl den ganzen Tag in meinem Bett zu verbringen und die kahlen Wände anzustarren oder mich nach unten zu Ignolia zu setzen, ihr dabei zu zusehen, wie sie ihre Teetassen Sammlung neusortierte und mich mit ihr über antike Möbel unterhalten.
Seufzend schaffte ich es, meine Decke zur Seite zu werfen und mich aus dem Bett zu bewegen. Einige Sekunden lang musste ich gegen den plötzlichen Schwindel ankämpfen, der Sternchen vor meinen Augen tanzen ließ aber ich schüttelte ihn ab, atmete noch einmal tief durch und verließ die angenehm einsame Stille meines Zimmers, um mich dem altmodischen Grauen unten zu stellen.
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Die Crellia Chroniken - Dunkle Magie
FantasyWas ist dir wichtiger, deine Pflicht oder dein Herz? Eigentlich wollte der sechzehnjährige Finn Collins nichts anderes, als aus dem öden und von Regeln geplagtem Leben seiner Großmutter Ignolia zu fliehen und gemeinsam mit seiner besten Freundin Ka...
