1 - Hope

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Sicht Patricia:
3 Wochen sind die "Ereignisse" jetzt schon her. Die Kinder waren als Übergangslösung bei mir eingezogen, aber niemand wusste wie lange dieser "Übergang" noch dauern würde, und ob sich überhaupt wieder etwas zum positiven Wandeln würde. Die Kinder hatten ihre eigenen Zimmer hier, aber auf Dauer wollten sie natürlich zurück nach Hause. Mit ihrem Vater. Alex und David waren sehr gestresst, und auch wenn sie es nicht zugeben wollen würden, man merkte dass auch ihnen die ganze Situation sehr zusetzte. Lucas verstand das ganze noch nicht wirklich, aber auch er spürte natürlich die ganze Anspannung in der Familie und er merkte ebenso dass sein Vater gerade nicht wirklich bei ihm sein konnte. Jacob war noch so klein, er begriff sowieso nicht was passierte, aber ich hatte das Gefühl das auch er die Anwesenheit und auch die Stimme Paddys vermisste. Er war eigentlich ein sehr entspanntes und glückliches Baby, aber seit mein Bruder weg war, ließ sich der kleine nur noch sehr schwer beruhigen. Sarah hatte so gut wie jede Nacht Alpträume und sie fragte jeden Tag nach Paddy. Sie war bei einem Kinderpsychologen in Behandlung, aber so lange sich Paddys Situation nicht veränderte rechneten wir nicht wirklich mit einer Verbesserung. Die Ereignisse sind aber auch noch wirklich frisch und mit der Zeit wird sie auch alles besser verarbeiten können. Wie jeden Morgen stand ich Früh auf und versorgte Jacob. Dann machte ich Frühstück für mich, meinen Mann, meine Söhne, meine Nichte und meine Neffen. Um etwas den Kopf frei zu bekommen legte ich Jacob in den Kinderwagen und ging mit ihm und unserer Hündin Linda im Park spazieren. Die anderen schliefen sowieso immer länger, aber wie sollte es anders sein, sie waren schließlich die Kinder meines Bruders. Als ich zurück kam, waren zumindest Denis und Lucas wach und ich konnte ihnen Jacob abgeben. Ich war es wirklich nicht mehr gewohnt so ein kleines quirrliges Kind zu bespaßen ohne dabei die anderen Kids zu vernachlässigen.
Ich fuhr auch heute, wie eigentlich jeden Tag zu Paddy ins Krankenhaus. Und auch wenn die Ärzte uns keine großen Hoffnungen machten, hoffte ich doch jeden Tag auf ein kleines Wunder.
Aber jeden Tag fiel mir der Gang ins Krankenhaus schwerer. Ich grüßte die mir mittlerweile schon bekannten Ärzte und ging in Richtung Intensivstation. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich das Krankenzimmer betrat. Es standen lediglich ein Krankenbett darin, in dem mein Bruder lag. Er war an unzählige Geräte angeschlossen die ihn überwachten. Ich zog mir einen Stuhl heran und setzte mich ans Bett. Einen Moment beobachtete ich Paddy einfach nur und wenn man die Maschinen ignorierte, könnte man fast denken er würde nur schlafen.
Ich nahm seine Hand ganz vorsichtig und redete. Ich redete eine ganze Weile. Ich sagte, dass ich mir Sorgen machte, um ihn. Und um die Kids. Dass sie ihn brauchten. Dass es Sarah schlecht ging. Dass Lucas und Jacob überfordert waren. Und dass Alex und David sich jeden Tag beschwerten das sie nicht zu ihm durften. Irgendwann wurde ich vom vielen Reden und legte meinen Kopf auf der Matratze ab. Ich schloss einen kurzen Moment die Augen. Plötzlich spürte ich Bewegung an meiner Hand, die immer noch auf der meines Bruders lag. Ich schreckte hoch, war mir aber dann ziemlich schnell sicher, dass ich es mir nur eingebildet hatte. Ich starrte auf unsere Hände. Paddys Zeigefinger bewegte sich tatsächlich. Erneut. "Paddy??", fragte ich ungläubig. Ich merkte, wie meine Augen nass wurden und ich sah meinem Bruder das erste Mal intensiv ins Gesicht. Die Verletzungen und Wunden im Gesicht waren noch sehr deutlich zu sehen und noch lange nicht verheilt. Aber seine Mundwinkel zuckten. Durch das Beatmungsgerät konnte er aber nichts sagen. Auch seine Augenwinkel zuckten plötzlich. Langsam öffnete er die Augen. Er war schwach, aber er öffnete sie. Ich legte meine Hand auf seine Wange. Sie hatte eine normale Temperatur. Freudentränen bildeten sich in meinen Augen. Erschrocken, und benommen sah mein Bruder mich an. Ich war mir nicht sicher ob er mich wirklich wahrnahm, aber in dem Momet wahr ich einfach nur froh, dass er die Augen auf machte. Es war als fiel eine 1000 Tonnen schwere Last von mir ab. Ich konnte es kaum glauben und musste mich kurz selbst in den Arm kneifen.
In dem Moment kam die leitende Ärztin auch schon herein und ihre Miene sah das este Mal erfreut und positiv aus. "So... die Atemgeräte werden dann jetzt erst einmal abgestellt. Ihr Bruder war zwar noch sehr geschwächt, aber es war mehr eine Vorsichtsmaßname. Vom Körperlichen geht es jetzt normalerweise nur noch Bergauf. Den wichtigen ersten Schritt musste er alleine gehen. Jetzt können Sie und wir ihm Helfen. Sie wussten ja schon, dass es keine Garantie dafür gibt, dass Herr Kelly wieder Beschwerdefrei werden wird, aber er ist über den Berg. Möchten Sie jemanden anrufen?", fragte sie an mich gewand. Aber wenn ich da jetzt anrufe, werden sie alle vom schlimmsten ausgehen. "Erst mal nur meinen Mann. Er soll herkommen. Und er soll den Kindern sagen, dass es gute Nachrichten gibt."
Sie machte sich daran, die Beatmungsmaschine aus dem Zimmmer zu bringen. Vorsichtig atmete Paddy tief ein. Sein Gesicht war angestrengt, aber es ging alles gut. "Streng dich nicht so sehr an Bruderherz."
Ich kannte Paddy gut, und ich wusste dass er sich gerne mal überschätzte. Er wollte sich sogar schon etwas aufrichten, doch er hat gemerkt, dass das noch nicht ging. Ich merkte dass er irgendetwas sagen wollte, aber er war noch zu schwach zu sprechen. "Was ist denn?", fragte ich unruhig. "S... S.. Sa..". "Sarah?"
er nickte schwach, zuckte dann aber mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder zusammen, was ihm offensichtlich noch größere Schmerzen bereitete. Ich konnte ihm nicht sagen, dass es ihr nicht gut ging. Dazu war er zu schwach. Er musste erst einmal selber etwas zu Kräften kommen. "Die Kinder sind alle bei Denis. Sarah auch. Ihnen... geht es gut. Aber du fehlst ihnen. Sie brauchen dich. Nicht ihre Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Nur ihren Vater."
Ich bemerkte eine Träne auf seiner Wange. Das hatte ich nicht gewollt. Natürlich nicht. Er hob einen Arm leicht an um die Träne wegzuwischen, aber ich drückte ihn zurück aufs Bett. "Ist schon gut.", sagte ich lächelnd und wischte die Träne weg. "Keine Sorge, ich sag es keinem.", woraufhin sich mein Bruder ein leichtes Lächeln aufzwang. "Es tut mir so.. so Leid..", sagte er, bis er die Augen schloss. Das war wieder typisch Paddy. Bloß keine Schwäche zeigen. Und so bald man die Kinder nur erwähnt, hat er direkt ein schlechtes Gewissen und vergisst schon fast, dass er sebst schwerverletzt im Krankenhaus liegt. Lächelnd und Kopfschüttelnd ging ich leise aus dem Zimmer damit Paddy sich erholen konnte.

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