Einen Augenblick lang bin ich unfähig, mich zu bewegen und starre meinen Vater fassungslos an.
In der großen Halle ist es nun vollkommen still. So still, dass ich meinen hektischen Atem hören kann, der von den kalten Steinmauern widerhallt. Die Bediensteten hat mein Vater bereits vor einer Weile weggeschickt – vermutlich hat er geahnt, dass dieses Gespräch nicht reibungslos verlaufen würde. Einige engere Vertraute stehen hinter ihm und versuchen, möglichst gleichgültig und unauffällig zu wirken.
Unter ihnen befindet sich auch mein Bruder Ian. Seine Augen hat er hinter dem wirren Haaren verborgen und er schaut angestrengt zu Boden. Seine angespannten Schultern lassen mich den inneren Kampf erahnen, den er gerade auszufechten scheint. Hoffnungsvoll schaue ich ihn an - stumm um seine Hilfe flehend, doch er schweigt und vermeidet es weiterhin, mich anzusehen. Tränen treten mir in die Augen. Nicht mal mein eigener Bruder erhebt seine Stimme für mich. Als ich begreife, dass ich von niemandem in diesem Raum Unterstützung erwarten kann, wandert mein Blick wieder zu meinem Vater.
Angewidert schaue ich in die eisblauen Augen, denen meine eigenen so ähnlich sind. Seine Gesichtszüge sind gelassen. Dennoch strahlt er eine kalte Strenge aus, die mir nur allzu vertraut ist. Er wird sich nicht umstimmen lassen, das weiß ich genau. Er ist der Lord. Seine Körperhaltung zeugt von der Gewissheit, dass ich tun werde, was er mir aufträgt. Einfach, weil jeder tun muss, was er befielt. Doch in diesem Moment ist mir egal, wer er ist oder wer ich bin. Es ist mir egal, denn ich werde nicht tun, was er verlangt.
Ich richte mich entschlossen auf und der gelangweilte Blick meines Vaters zeigt, dass er mit meiner Gegenwehr gerechnet hat. Aber ich lasse mich nicht beirren, hole tief Luft und hoffe, dass meine Stimme nicht so wackelig klingt, wie ich mich fühle. „Ich werde Moran Walsh nicht heiraten." Ich muss meinen ganzen Mut aufbringen, um dem erbarmungslosen Blick meines Vaters standzuhalten. Denn ich weiß, dass ich mich von seinem kontrollierten Auftreten nicht täuschen lassen darf. Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, wie schnell seine Stimmung umschlagen kann.
Mein Vater erhebt sich gemächlich von seinem Stuhl und baut sich drohend vor mir auf. Es wäre mir lieber, er würde nun einen seiner Wutanfälle bekommen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir die berechnende Grausamkeit meines Vaters viel gefährlicher werden kann, als alle Beschimpfungen, die er mir in seinem Zorn jemals an den Kopf werfen könnte.
„Doch, Greta. Das wirst du", ist alles, was er mir entgegnet. Bei dem Klang seiner tiefen Stimme fährt mir ein Schauer über den Rücken und ich kann nicht anders, als meine kalten Hände nervös in den Stoff meines Kleides zu verstecken. Ich hasse mich dafür, dass ich solche Angst vor ihm habe. Obwohl ich weiß, dass ich verloren habe, will ich einen weiteren Versuch starten, doch mein Vater lässt mich nicht zu Wort kommen. Plötzlich sehe ich dieses aufbrausende Funkeln in seinen Augen, als er eine unwirsche Handbewegung macht. „Es reicht, Greta, Es ist entschieden. Füge dich und es wird erträglich für dich sein. Wenn nicht..." Mit diesen Worten dreht er sich um und verlässt mit zielstrebigen Schritten die Halle. Das wars. Gerade hat er mit einer nebensächlichen Leichtigkeit mein Leben komplett verändert. Ich beiße die Zähne fest zusammen, um angesichts dieser Ungerechtigkeit nicht laut los zuschreien. Seine Berater folgen ihm schweigen und ich lasse mich zu Boden sinken. Ich versuche zu begreifen, wie es so weit kommen konnte und eine Träne der Wut rollt über meine Wange. Ich fühle mich so hilflos und schwach, dass ich es kaum aushalten kann. Wie lang noch werden andere für mich entscheiden? Wie lange bin ich noch der Macht anderer ausgesetzt und wie oft noch werde ich mich dem Willen irgendwelcher Männer beugen müssen?
Ein Rascheln am Ende des Raumes lässt mich den Kopf heben. Ian steht nach wie vor dort und schaut mich unschlüssig an. Für einen Moment scheint es, als hätte er Mitleid mit mir. Doch dann fasst er sich und meint entschlossen: „Sieh doch ein, wie wichtig diese Verbindung für Vater ist...sie bringt viele politische Vorteile mit sich, die sehr wertvoll für uns sind." Ich frage mich, ob er mich oder nicht doch sich selbst mit diesen halbherzigen Worten überzeugen will. Wahrscheinlich versucht er so, sein Gewissen zu beruhigen. „Aber um welchen Preis?", schreie ich ihn anklagend an. „Du bist mein Bruder und du lässt zu, dass Vater mich zum Bestanteil seiner strategischen Machtspielchen macht? Bedeute ich dir so wenig?" Nun sind es Tränen der Trauer, die auf den rauen Boden tropfen. Es fühlt sich an, als habe mein eigener Bruder mich verraten. „Verschwinde." Meine Stimme ist nur noch ein brüchiges Flüstern. Nun scheint mein Bruder meinen Anblick nicht länger zu ertragen. „Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, Greta." Seine Worte verhallen kraftlos und abgekämpft im Raum, als er sich schließlich umdreht und die Halle ebenfalls verlässt. Und so überlässt er mich meinem Schicksal. Und ich kann die Tränen nicht länger zurückhalten.
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Die Geliebte des Rebellen
RomanceAls Greta vor ihrer eigenen Hochzeit flieht, zu der ihr Vater sie zwingen will, führt sie ihr Weg zu den Rebellen, die zurückgezogen in den Bergen leben. Dort findet sie nicht nur eine neue Heimat sondern auch ihre große Liebe. Allerdings darf niema...
