1. Kapitel

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Ich nehme mir meinen Coffee-to-go zur Hand nachdem ich mich von der netten Bäckerin verabschiedet habe und mache mich auf dem Weg zur Arbeit. Ins Krankenhaus. Diese Woche habe ich Frühschicht, sprich Arbeitsbeginn schon um 06:00 Uhr. Das heißt, ich werde mit der Bahn fahren. Wenn ich Nachtschicht habe nehme ich nämlich mein Auto, da ich ungern so spät mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will.

Am Bahnhof angekommen sehe ich auch schon mein Zug, welcher noch 15 Minuten hat bis er seine Route startet. Schnell begebe ich mich an einen der Fahrkartenautomaten und kaufe mir mein Zugticket.

Im Zug sitzend zücke ich meinen Terminkalender aus meiner Tasche und werfe einen kurzen Blick auf meine anstehenden Termine und meinen Dienstplan von dieser Woche. Mir fällt auf, dass ich heute länger arbeiten werde, da ich die Schicht eines Kollegen noch übernehme, die etwas länger als meine geht. Laut pruste ich einmal aus, als mir klar wird, dass es für mich heute wohl wieder eines der berühmten stressigen Arbeitstage sein wird, die in letzter Zeit häufiger vorkommen. Doch beschweren tue ich mich keineswegs, denn ich liebe meinen Beruf und habe hart dafür gekämpft, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Es ist jedesmal ein tolles Gefühl zu sehen, wie Betroffene und sogar ihre Angehörigen, die Hoffnung aufgrund deiner Fähigkeiten nicht von vornherein verlieren und mit dir zusammen kämpfen und bei Erfolgen, umso lebensfroher sind als sie davor waren. Ich liebe es zu sehen, was für ein Kampfgeist in vielen Menschen steckt und wie dankbar sie für viele Dinge sind, die für andere selbstverständlich erscheinen. Die Gesundheit. Für die einen etwas selbstverständliches, für die anderen ein Geschenk. Ein Gut, mit dem leider nicht jeder beschert wird. Die einen kämpfen für ihre Gesundheit, die anderen besitzen sie von vornherein und sind sich ihres Glückes nicht wirklich bewusst.

Angespornt zu dieser Berufung hat mich der tragische Tod meiner Mutter. Sie ist leider aufgrund eines Hirntumors ums Leben gekommen. Als der Tumor bei ihr diagnostiziert wurde und sich herausstellte, dass die Überlebenschancen bei ihr sehr gering waren, äußerte sie mir ihren letzten Wunsch. Ich solle viele andere Menschen retten und eine erfolgreiche Ärztin werden. Ich ging ihrem Wunsch nach und kämpfte mich zielstrebig durch mein hartes Medizinstudium. Nun führe ich diesen Beruf in der Praxis erfolgreich aus. Ich habe zwar leider meine Mutter an einem Hirntumor verloren, jedoch habe ich bislang mehrere Menschen von einem Hirntumor geheilt. Ich liebe es Menschen wieder ins Leben zu erwecken, sowohl physisch als auch psychisch. Aus diesem Grund sind mir die langen und harten Arbeitszeiten auch recht und ich hoffe - nein, ich glaube sogar - meine Mutter ist stolz auf mich.

Der Zug beginnt sich fortzubewegen. Ich lehne mich zurück in den Sitz und blicke aus dem Fenster auf den noch etwas dunklen, grauen Horizont und versuche mich noch ein wenig zu entspannen bevor es für mich in den stressigen Alltag geht. Nach kurzem Entspannen hält der Zug. Ein Blick auf die Anzeigetafel im Wagon des Zuges verrät mir, dass ich bei dieser Station aussteigen muss. Ich nehme meine Sachen und verlasse den Zug. Sofort kommt mir eine Morgenkälte entgegen, weswegen ich mir den Gürtel meines sandfarbenen Trenchcoats fester zusammenbinde. Nach einem fünf minütigen Fußweg komme ich schon am Eingang des Krankenhauses an und mache mich zuerst auf den Weg in mein Büro.

„Sahra!", höre ich plötzlich eine männliche Stimme hinter mir im Krankenhausflur. Ich bleibe stehen und drehe mich um und sehe ihn auf mich zukommen.

„Guten morgen!", wünscht mir mein Arbeitskollege Onur, als er vor mir steht. Er ist ein kompetenter Arzt und ebenfalls als Facharzt in der Chirurgie tätig. Ich kenne ihn schon seit meiner Studienzeit und sehe ihn als gewonnenen Bruder. Er hat mich immer unterstützt und aufgehoben, wenn ich im Studium harte Phasen hatte und kurz vorm Fallen war.

„Morgen, Onur!", wünsche ich ihm lächelnd zurück. 

„Der heutige Tag ist nichts für schwache Nerven. Du weißt heute ist Samstag und das heißt-"

ÖMRATempat cerita menjadi hidup. Temukan sekarang