Das Sonnenlicht fiel schräg durch das verschmutzte Fenster und Meredith betrachtete, wie der aufgewirbelte Staub in dem Licht schwebte. Es war als stünde die Zeit still, in dem kleinen Haus am Ende der Straße. Die Ruhe wurde nur von Mr. Enderfields Taschenuhr zerschnitten, die ein leises Ticken von sich gab.
>>Haben Sie schon etwas vom Sheriff gehört?<<, fragte Meredith, ohne den Blick von dem Sonnenlicht abzuwenden, das auf den schäbigen Holzboden fiel. Auch wenn die Sonne draußen erbarmungslos auf den sandigen Boden schien, schaffte sie es nicht, den Raum gänzlich zu erhellen. So saß Mr. Enderfield unbeleuchtet und kaum sichtbar an seinem Schreibtisch in der hinteren Hälfte des Raumes, als er antwortete. >>Was soll ich gehört haben?<< Seine Stimme war nicht so tief, wie man es bei einem Mann seines Alters erwarten würde, doch dafür auf eine Art rau, bei der man Gänsehaut bekam, wenn man ihn zum ersten Mal sprechen hörte. Meredith hatte sich nach all der Zeit, die sie beim alten Mr. Enderfield verbracht hatte daran gewöhnt. >>Versuchen Sie nicht, mich für dumm zu verkaufen, Sir. Glauben Sie, ich hätte ihr Debakel nicht bemerkt?<< Bei dieser Frage drehte sie ihren Kopf fast hektisch in seine Richtung, konnte seine Reaktion in dem Halbdunkel jedoch kaum erkennen. Weiterhin ernst zu seinem Schreibtisch starrend, wartete sie seine Antwort ab. Mr. Enderfield öffnete eine Schublade während er sprach. >>Meredith, Kind.<<, begann er ruhig und machte eine Pause, >>Du solltest lernen, dich aus Angelegenheiten raus zu halten, die dich nichts an gehen.<< Seine Stimmlage hatte etwas Vorwurfsvolles, aber auch Besorgtes an sich. Er holte ein Tintenfass und eine Feder aus der Schublade. >>Außerdem würde ich es nicht direkt als Debakel bezeichnen.<< Während er das sagte, glaubte Meredith ein Schmunzeln zwischen seinen Worten zu hören.
>>Warum?<<, fragte sie ihn, als sie von dem alten Holzstuhl aufstand, auf dem sie schon einige Zeit in der Nähe des Fensters gesessen hatte und nun an die Scheibe heran trat, um hinauszusehen. Der Fensterrahmen war wie gut alles an diesem Haus aus Holz gefertigt, von dem die Farbe schon abblätterte. >>Nun...<<, setzte Mr. Enderfield an. Er hatte zu schreiben begonnen und sprach deshalb etwas langsamer und unrhythmisch, als er fortfuhr. >>Ein Debakel ist schließlich so etwas, wie eine Katastrophe.<< Sie hörte die Feder unsanft über das Papier kratzen. >>Und wenn jemand unzufrieden mit meiner Berufswahl ist und der Sheriff dem auf den Grund geht, würde ich das keineswegs eine Katastrophe nennen. Wohl eher eine kleine Unannehmlichkeit.<< Meredith schnaubte. >>So etwas kannst auch nur du behaupten .<< Mr. Enderfield lachte leise in sich hinein, auf eine Weise, die Menschen, die nicht so viel Zeit mit ihm verbrachten wie Meredith, wohl Unbehagen bereitet hätte.
Meredith empfand die Angelegenheit ganz und gar nicht nur als kleine Unannehmlichkeit und erst recht war sie nicht zum Lachen aufgelegt.
Schließlich war ein Mann gestorben.
