1957
Irgendwo im Mittelwesten der USA
1
Vor mehr als hundert Jahren lebte in einem kleinen Schweizer Dorf ein Mann, dessen seltsame Experimente mit den Toten zur Legende geworden sind. Bis heute wird diese Legende mit Furcht und Schrecken erzählt.
Es ist die Legende von ...
Frankensteins Fluch
Egal ob Buick, Cadillac, Studebaker, Ford oder Chevrolet, in allen wohnte in diesem Moment die freudige Erwartung auf einen schaurigen Sommerabend. Rosie hockte gespannt hinter der letzten Wagenreihe und lauschte fasziniert dem hundertfach vermehrten, blechernen Ton der beunruhigenden Musik, die, synchron aus jedem der kleinen Lautsprecher kriechend, an der Luft wieder einen vereinten Klang erzeugte, so als spielten alle wie durch einen Zufall ein und dasselbe Lied.
Rosie hatte noch nie zuvor ein Autokino besucht. Geduckt schlich sie langsam zwischen den parkenden Wagen herum und wagte einige forschende Blicke in die Innenräume.
Brian Dooley hatte bei der blonden Judy aus der Parallelklasse einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, bevor sie bereit war, sich mit ihm diesen Film anzusehen. Und beinah hätte es ihm schon im Vorfeld den Spaß verdorben. Denn Judy entpuppte sich, trotz ihrer hübschen und koketten Erscheinung, als ziemlich schwierig, wenn nicht sogar nervtötend. Immer hatte sie etwas auszusetzen und anscheinend nie gelernt, ab und zu versöhnlich und nett zu sein, so wie es sich gehörte.
Drei Wagenweiter, in der Reihe davor, saß Ted Willis mit einem Freund und zwei Mädchen. Ted, der auf der Rückbank saß, spähte alle paar Augenblicke hinaus, um zu sehen, was bei Brian und Judy vor sich ging. Das Mädchen an Teds Seite schien sich dadurch nicht vernachlässigt zu fühlen. Es knabberte Popcorn und trank eine Cherry-Coke.
Rosie suchte sich einen bequemen toten Winkel aus und setzte sich auf den Boden. Dass dabei ihre Jeans schmutzig wurde, störte sie nicht. Sie genoss das Wäschewaschen und die Körperpflege. Das Wühlen im Wasser, das Schrubben und Schauen, ob man die Flecken besiegt hat, und zum Schluss das befriedigende Aufhängen der Blusen und Hosen und der Unterwäsche im leeren Zimmer, in dem jedes Knarren der Dielen und jedes Knipsen der Wäscheklammern nachhallte. Und der Wind, der durch das leere Fenster wehte, half beim Trocknen.
Rosie kannte nur Kinos in geschlossenen Räumen. Sie hatte Brando sowohl in „Die Faust im Nacken" als auch in „Endstation Sehnsucht" bei Wiederaufführungen gesehen. „Der Wilde" hatte sie verpasst. Sie hoffte, irgendjemandem einmal die Frage stellen zu können, warum es die Filme mit Brando in schwarzweiß und die mit James Dean in Farbe gab.
Nach langem Warten erfolgte endlich der erste große Schockmoment: Die Kreatur hatte ihre widerliche Fratze enthüllt, seinen Erschaffer gewürgt und einen Stuhl auf den Kopf bekommen. Rosie hörte einige Mädchen aus irgendwelchen Autos aufschreien.
„Ich habe Dir gleich gesagt, dass ich so etwas doof finde!" zeterte Judy. „Man kann nicht einfach aus Leichenteilen einen neuen Menschen zusammenflicken! Ich weiß das, mein Dad ist Arzt."
Brian seufzte:
„Judy, das ist ein Film. Und die Geschichte wurde irgendwann vor 150 Jahren geschrieben."
„Und ich mag diesen komischen Akzent der Leute nicht."
„Das sind Inseleuropäer."
„Und wieso stand da etwas über die Schweiz am Anfang?"
„Weiß ich nicht, und ich weiß auch nicht, was die Leute in der Schweiz sprechen. Kann aber sein, dass die auch zu England gehört, so ähnlich wie Irland."
Brian bekam ernsthafte Sorgen, dass Judy seine Geduld überstrapazierte. Man nahm schon einiges in Kauf, um ein Mädchen flach zu legen, aber diesem Exemplar hier konnte man einfach nichts recht machen. Sie mochte das Auto nicht. Wollte nichts trinken. Ihre neuen Schuhe drückten. Die Sitze federten beim Hinsetzen nicht genug nach. Und obendrein benutzte Brian das gleiche After Shave wie ihr Vater, nämlich „Barbasol". Zweimal schon hatte sie ihn bei der Hinfahrt spöttisch „Daddy" genannt.
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Resident Rosie - Teaser
Ficción GeneralDie 17jährige Rosie lebt seit zwei Monaten allein in einer fremden Kleinstadt im Mittelwesten der USA des Jahres 1957. Niemand kennt sie oder weiß, woher sie kommt. Ein junger Mann versucht, zu ihr durchzudringen, was ihm zunächst auch gelingt ... R...
