Der Glaube an die Liebe

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Hätte man mich vor 50 Jahren gefragt, ob ich an die Liebe glaube, so hätte ich mit einem klaren „Nein, nicht mehr" geantwortet.

So etwas wie Liebe existierte nicht in meiner Welt, zu oft habe ich Jemandem mein Herz geschenkt und zu oft, bekam ich es zurück - in Scherben.

Das erste Mal, ereilte mich der Liebesschmerz im zarten Alter von 15 Jahren. Ich verliebte mich in einen dieser absolut unwiderstehlichen Künstlertypen, denen man das Träumerische im Blick und das Talent im Blut nachsagt. Es ging ein paar Monate gut, ich war sogar seine Muse. Tag und Nacht unterhielten wir uns über die Kunst, das Leben und seinen Sinn. Jedoch war ich ihm eines Tages nicht mehr inspirierend genug, er schob seine Schaffenskrise alleinig auf mich und verschwand aus meinem Leben.

Man könnte meinen, ich hätte danach erst einmal genug von der Liebe gehabt, allerdings war dem nicht so. Nur ein Jahr darauf, fand ich die Liebe, in einer Freundin meines Bruders. Sie war so charmant, so witzig und lieb, wie hätte ich ihr nicht verfallen können? Ich hoffte sehr, dass sie eines Tages bemerken würde, wie sehr ich ihr zugeneigt war, jedoch bemerkte sie es nicht. Ich brachte all meinen Mut auf um es ihr endlich zu gestehen, doch erwiderte sie meine Gefühle nicht. Ich blieb alleine und sie? Sie heiratete irgendwann meinen Bruder, zu dem ich keinen Kontakt mehr hatte, bis zu seinem Tod.

Ich glaubte, meine Lektion gelernt zu haben und versuchte fortan mein Herz verschlossen zu halten, bis ich mir gänzlich sicher war. Zwar glaubte ich noch immer an die Liebe und an das Gute in den Menschen, aber beschloss mit Vorsicht an die Sache heranzugehen.

Und dann lernte ich meinen Ehemann kennen, wir studierten beide im letzten Jahr Medizin. Er war der erste Mann, der dieselben Interessen teilte wie ich - und ich verliebte mich schneller in ihn, als ich es wollte. Und ihm? Ihm erging es genauso. Nach unserem Studium heirateten wir und eröffneten eine Arztpraxis. Es war zu schön um wahr zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben, glaubte ich, dass mein Herz die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Als ich 28 Jahre alt war, kam unser erstes Kind auf die Welt. Ein gesunder Junge, der die Augen seines Vaters hatte. Schon als ich das erste Mal sein Gesicht erblickte wusste ich: Das ist Glück. Wahres Glück in Perfektion. Mein Kleiner war wirklich ein Geschenk des Himmels für mich. Ich beschloss mich immer gut um ihn zu kümmern und ihn auf all seinen Wegen zu begleiten. Mein Mann, der anfangs etwas geschockt von meiner Schwangerschaft war, war sogar noch begeisterter als ich, könnte man meinen. Er liebte seinen Sohn wirklich sehr und versprach ihm immer ein guter Vater zu sein.

Mehrere Tage nach meinem 34. Geburtstag ist mein Mann beerdigt worden. Er arbeitete Tag und Nacht in der Praxis, während ich Zuhause bleib und auf unsere Kinder aufgepasst habe. Pünktlich zu meinem Geburtstag wollte er heimkommen und mir sein Geschenk überreichen. Dazu ist es nie gekommen. Ich versank daraufhin in eine Depression, aus der ich es erst Jahre später herausschaffen sollte. Den Verlust jedoch habe ich bis heute nicht verkraftet.

Mittlerweile bin ich über 80 Jahre alt, habe mehr Problem mit meiner Gesundheit als mir lieb ist und ein paar bezaubernde Enkelkinder. Und auch eine Lebensgefährtin habe ich gefunden. Obwohl es täglich bergab mit mir geht und ich jeden Tag damit rechne, am nächsten Morgen nicht mehr zu erwachen, so erhellt der Gedanke, an all die Liebe die ich von meinen Mitmenschen empfange mein Gemüt.

Ich kann nun, wo mein Leben sich dem Ende zuneigt mit Gewissheit sagen, dass ich den Glauben an die wahre Liebe zurückerlangt habe. Sie existiert ohne Zweifel. Ob es nun die Liebe zu seinem Nachwuchs ist, oder die Liebe zum Partner - all das fällt unter die Kategorie wahre Liebe. Und Liebe ist etwas Wunderschönes, auch wenn sie einen häufig verletzt.

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Und damit beginnt dieses "Buch" oder was auch immer das hier sein soll.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es ab hier nur noch bergab gehen wird, mit den Geschichten xD

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