Sein Blick lag auf dem Dielenboden. Immer wieder tigerte er vom einen Ende des Zimmers zum anderen und wieder zurück. Nur das leise Surren der Klimaanlage war zu hören, das lauter wurde je näher er dem Gerät an der Wand kam. Die alten grauen Vorhänge verhingen die beiden kleinen Fenster des Motelzimmers, das er sich vor zwei Tagen gemietet hatte.
Plötzlich blieb er stehen. Das erste Mal seit Minuten hob er seinen Blick vom Holzboden. Seine Augen trafen die des Mannes, der gefesselt und geknebelt auf dem Bett lag. Er schien ihn schon die ganze Zeit panisch anzustarren. Doch anstatt auf den Blick zu reagieren wandte er selbst nur den Blick ab und atmete hörbar aus. Die Luft in dem Zimmer war stickig und warm, ein wenig muffig. Er hätte lüften sollen. War ja auch egal. Erneut setzte er seine Routine fort, lief auf und ab und hing seinen Gedanken hinterher, auch wenn er kaum einen klaren fassen konnte. Es schien, als würde er hin und her springen, als könnte er sich nicht entscheiden, woran er eigentlich denken sollte. In einem Moment war er hier, im nächsten bei seinem Mord in zwei Wochen. Als sein Blick allerdings auf das große Messer fiel, das er auf den Nachtschrank gelegt hatte, hielt er wieder inne. Dann griff er danach.
"Na", zum ersten Mal sprach er. "Liegst du schön bequem?" Langsam ging er auf das Bett zu und blieb auf der Seite näher zu seinem Opfer stehen. Dieses starrte ihn aus großen, angsterfüllten Augen an und schüttelte mit panischen Zuckungen seinen Kopf. "Keine Sorge, wir beheben das Problem gleich." Leise lachte er auf und sah kurz zu dem Messer in seinen Händen. Die ganze Situation dauerte ihm ohnehin schon viel zu lange. Normalerweise ließ er sich nie so viel Zeit. "Aber wie wäre es, würden wir eine kleine Party feiern? So zu zweit ist es doch langweilig!" Nun wandte er sich dem Telefon zu, mit dem man normalerweise nur den Zimmerservice anrufen konnte. Mit schnellen Fingern wählte er die 112. Es klingelte zweimal, dann meldete sich die Stimme eines jungen Mannes, der die übliche Klausel des Notrufs aufsagte. Anstatt ihm jedoch zu antworten, richtete sich der große Mann langsam auf und zog dann langsam den Knebel aus dem Mund seines Opfers.
"Hast du noch irgendwelche letzten Worte?" Aus dem Hörer drang vermehrt ein nervöses "Hallo?", während der Mann auf dem Bett panisch nach Luft schnappte. "Nein nein nein nein nein, bitte nicht, tun sie das nicht, ich bitte sie." Gelangweilte beendete er das Betteln des Mannes und erstickte dieses mit einem Gurgeln. Für einige Sekunden beobachtete er noch, wie sich die weißen Laken langsam rot einfärbten, ehe er nach dem Hörer griff und sich diesen ans Ohr legte. Fast schon beiläufig betrachtete er das blutige Messer.
"Ich möchte einen Mord melden."
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murder was the case
Ficción GeneralSeit geraumer Zeit erschüttern brutale Morde die sonst so idyllische Vorstadt Kingswood in England. Der Täter hinterlässt nie Spuren und scheint ein Spiel mit den Beamten zu spielen. Leah scheint keinerlei Gedanken an jene Mordfälle zu verschwenden...
