Reines Blut

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Es herrscht absolute Stille. Die letzten Aschewölkchen setzen sich auf den leblosen Körpern gefallener Soldaten nieder. Mittendrin, zwischen all diesen Leichen steht ein großgewachsener, muskulöser Mann.
Das erste Morgenrot spiegelt sich schwach in seiner Rüstung wieder. Es ist ein rot, so wie es dem Mann auf der Brust klebt, ein rot, so weit wie er sehen kann. Sein Verstand dreht sich nur um diese eine Farbe. Rot.
Diese Farbe entscheidet über Sieg oder Niederlage, über Ehre oder Schande, über Leben oder Tod. Eine wunderschöne Farbe, eine mächtige Farbe, eine edle Farbe.
Und er kann dieses rot entstehen lassen. Er hat die Macht dazu Meere damit zu füllen.
Wie hypnotisiert greift der Mann nach dem Schwertgriff vor sich. Langsam umfasst er den Griff und zieht das Schwert aus der Brust des eben gefallenen Königs. Andächtig betrachtet der Mann die rotgefärbte Klinge im Schein des ersten Sonnenstrahls. Das Blut glitzert, leuchtet, wirkt beinahe lebendig. Ein grausames Lächeln zieht sich über die Lippen des Mannes, als er langsam die Klinge ableckt.
Der Geschmack von reinem Blut füllt seinen Mund. Der Geschmack von Blut so rein, dass es gar nicht existieren sollte und doch war es da. Dieser widerliche und doch befriedigene Geschmack.
Mit einer schnellen Bewegung lässt er die Klinge durch die Luft fahren, ein surrendes Geräusch entsteht. Dieses Surren lässt jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind das Blut in den Adern gefrieren. Es ist über die Jahre des Krieges hin zu einem sicheren Zeichen des Todes geworden.
Er, ist zu seinem sicheren Zeichen des Todes geworden.
Die Mimik des Mannes erstarrt, als er den Kopf zurücklegt und tief die Luft einsaugt. Über den Geruch von Tod und verbrannten Fleisch hat sich etwas süßliches gelegt. Der ihm so wohlbekannte Geruch. Er lässt das Schwert zurück in die Scheide fahren und setzt seinen Weg fort.
Vorbei an den gefallenen Hundertschaften, vorbei an den ersten Krähen, die sich über die Innereien seiner Feinde hermachen, vorbei an all dem Leid und dem Übel welches er gezeugt hat.
Mit festen Schritte und einem unheilvollem Funkeln in den Augen verlässt der Mann das Schlachtfeld, immer weiter dem schweren und süßlichen Geruch folgend auf der Suche nach seinen nächsten Opfern.

Reines BlutWhere stories live. Discover now