1. Ein Kuss wie 500 Nadelstiche

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Dracos Eintrag

Fuck. Zum ersten Mal verstehe ich, warum McGonagall wollte, dass alle Schüler anfangen ein Tagebuch zu schreiben. Und das hat ganz sicher nicht den Grund, um unsere Vergangenheit besser zu "verarbeiten" und im Hier und Jetzt anzukommen, wie sie es immer begründet. Nein, manchmal passieren einfach Dinge, die ich nicht mal Blaise anvertrauen kann. Ach, was heißt denn anvertrauen, wenn er mit der Grund ist, dass ich hier diese Zeilen schreibe.

Man.. Blaise ist mein bester Freund. Er ist mehr als das, er ist wie ein Bruder. Wir sind zusammen aufgewachsen, haben so viel durchgemacht und er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Selbst wenn wir für mache Aktionen so viel Hausarrest bekommen haben und Nachsitzen mussten, dass man meinen könnte, wir wüssten es besser.

Umso mehr habe ich mich Anfang des letzten Schuljahrs gefreut, als er meinte er hätte sie gefunden. Seine Liebe. Sein Seelenstück. Seine Erlösung. Alles Dinge, die ich wohl nie erreichen werden. Die letzten Jahre waren nicht gerade einfach gewesen – scheiße nein. Die Last auf meinen Schultern hatte mich teilweise erdrückt -mich fast zersplittern lassen. Wenn jemand wirklich sehen könnte, wie es in mir aussieht, würde diejenige wahrscheinlich schreiend davonlaufen: Kaputt, teils gebrochen und ganz besonders allein. Trotz Allem frage ich mich, wie es wohl sein musste, wenn man nicht allein ist. Damit meine ich nicht allein im Sinne von keine Freunde zu haben, sondern allein im Sinne von keinen Partner zu haben, von dem man wieder Stück für Stück zusammengesetzt wird. Irgendwie passiert das auf einer ganz anderen Ebene, als es andere tun können. Ich sehe es jeden Tag aufs Neue an Blaise. Ich gebe es nicht gerne zu, aber selbst wenn ich meine Mom anschaue und sehe mit welchen Gefühlen sie immer noch hinter meinem Dad steht, trotz allem was vorgefallen ist, dann muss ich mir wohl eingestehen, dass ich mich ganz heimlich, gut versteckt hinter Schloss und Riegel, genau nach so etwas sehnte.

Merlin, was wird das hier? Schluss mit dem Seelenstriptease und zurück zu Blaise: wer zum Teufel hätte gedacht, dass es ausgerechnet Daphne Greengras sein würde, die ihm so dem Kopf verdreht. Ich korrigiere, zurzeit wohl eher das Gehirn rausvögelt. Die beiden sind so laut, dass man schwer nicht hinhören kann. Dabei kann ein Muffilato-Zauber doch gar nicht so schwer sein, oder? Achja und Türen abzuschließen wäre auch zum Vorteil, denn so nahm der heutige Tag erst seinen Lauf.

Auf der Flucht davor, was Blaise mit Daphne in unserem Schlafsaal anstellte, verschwand ich aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherins. Pansy war mir wieder aufgelauert, aber für sie hatte ich absolut keine Nerven. Bin ich deswegen ein Arsch? Vermutlich. Aber vorhin wollte ich doch nur einmal weg von all dem, was für mich so unerreichbar zu sein scheint. Also irrte ich durch Hogwarts, wissend, dass ich in diesem Moment alles dafür gegeben hätte, wieder ein Kind zu sein, um mich in meinem Wandschrank verstecken zu können. Da konnte ich wenigstens die Welt ausblenden und hätte meine Ruhe.

Hermines Eintrag

Heute war es soweit: Ich hatte es nicht mehr ausgehalten. Ich liebte Harry und Ginny, wirklich, aber manchmal ist ihr rumgeturtel unerträglich! Wie sie da hockten und sich gegenseitig anschmachteten.  Ich meine, sollte es mir eigentlich nicht auch so gehen? Das Gefühl von frischer Verliebtheit in mir wahrnehmen. Eine rosarote Brille aufhaben, die für andere unbegreiflich ist. Ich sehe bei den Beiden diese liebevollen Blicke, die sich am Abend in mehr als zur Zuneigung verwandelten und in mir das Bedürfnis von Nähe auslösten. Wenn ich Ron anschaue, graust es mir aber eher davor. Seine Küsse sind entweder, wie eine Waschmaschine auf Schleudergang oder ein toter Fisch, der manchmal zuckt und körperliche Nähe konnte ich bei ihm ganz vergessen. Ich habe das Gefühl, er ist teilweise einfach nur überfordert, wenn ich mehr will. Das hat nichts mit unschuldiger Unerfahrenheit zu tun, sondern wohl eher mit seiner nicht vorhanden emotionalen Reife, die sich immer wieder zu Tage schleicht. 

Dramione - Ein Kuss wie 500 Nadelstiche - abgeschlossenWhere stories live. Discover now