Unbekannt so nah

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Die Premierenfeier im Anschluss an den fulminanten Theaterabend fand auf der großen Bühne des Hauses statt. Man hatte Stühle, Tische, alte Sofas und bequeme ausladende Sessel aus dem Theaterfundus auf die Bühne gestellt. Das Licht war gebündelt. Nur ein paar Stahler tauchten einzelne Bereiche in buntes Licht, wodurch andere geheimnisvoll im Dunklen blieben. Es war brechend voll, man lachte, man trank, und der weite, prachtvolle Theatersaal mit seinen fast tausend leeren Plätzen war die schönste Kulisse. Die Band des Hauses spielte. Und alle, die Gäste, die Künstler feierten ein ausgelassenes Fest. Sam hatte bereits das eine oder andere kurze Gespräch geführt, hatte Freunde getroffen, gescherzt und ließ sich nun, auf der Suche nach weiteren Bekannten, ein wenig durch diese Menge von schönen Menschen treiben, deren Anblick genießend.
Er ging ziellos, absichtslos und doch so voller Genuss zwischen ihnen hindurch, als plötzlich eine wunderschöne fremde junge Frau in sein Blickfeld geriet. Sie war zierlich und schlank, hatte wunderschöne scheue, sanfte, stille Augen und ihre Erscheinung war von der Anmut und weiblichen Grazie die nur ganz selten und bei sehr besonderen Mädchen so fein von Innen heraus schimmert. Sie war von atemberaubender Schönheit.
Jil spürte seinen Blick, sah ihn an, erschrak fast ein wenig und blieb in diesen Augen wie ein Reh in den Scheinwerfern eines Autos bei Nacht gefangen.
Sam hingegen fühlte sich ertappt, wollte nicht unhöflich oder gar aufdringlich erscheinen und den Blick schon wieder wenden, als ihre Augen freundlich sagten:
„Bleib."
Und so blieb er und sie betrachten einander. Er hatte nach einem Bekannten gesucht und eine Unbekannte gefunden. Ein geheimnisvolles, fremdes, rätselhaftes Wesen das ihn gefangen nahm wie er es noch nie erlebt hatte. Sie standen ungefähr zehn Meter voneinander entfernt und waren sich doch so nah.

Ein kaum wahrnehmbares Lächeln entstand. Und Jil und Sam erfüllte das Besondere des Augenblicks mit der Wucht von zerbrechlicher Kostbarkeit. Langsam bewegten sie sich aufeinander zu. Eigentlich ohne sich dessen bewusst zu sein. Feine Wellen von Wärme glommen auf. Und je näher sie einander kamen, umso weiter breiteten sich diese Wellen in ihnen aus, bis diese Wärme den ganzen Raum erfüllte, als sie schließlich direkt vor einander standen.
Noch Jahre später würden sie sich an diesen Augenblick erinnern. An die Feinheit der Tiefe, der Nähe, einander unbekannt so nah.


@to be continued

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