(Von Amy)
"Du hast WAS?!", meine Stimme war vor Entsetzen, Wut und Panik schrill und laut. Ich erkannte mich ja selbst nicht wieder, aber im Moment konnte ich nichts anderes tun als die Augen weit aufzureißen und Julia entsetzt an zu starren. Meine Brust fühlte sich an als hätte man nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals auf mich eingestochen. Mit einem glühend heißen Messer. "Sag mir, dass das nicht wahr ist!" Meine beste Freundin blickte schuldbewusst zu Boden, sodass ihr ihre kurzen blonden Locken ins Gesicht fielen. So schuldbewusst, dass ich sofort bereute, was ich gerade gesagt hatte.
Es war nicht fair von mir, sie so fertig zu machen.
Für diese Entscheidung sollte sie eigentlich nicht so aussehen. Sie sollte glücklich sein, schließlich war das schon ihr Traum seit sie klein war. Sie sollte entschlossen sein, schließlich war es das, was sie sich mehr als alles andere wünscht. Und doch schaute ich gerade auf ein Mädchen, das im Schneidersitz auf meinem Bett saß und nicht den Mut hatte mich anzuschauen. Ein komplett falsches Bild.
Allerdings verdrängte mein egoistisches und geschocktes Ich diesen Gedanken so schnell wie er mir in den Kopf geschossen war und ließ mich nur an den Verlust denken, der Julias Wunsch mit sich brachte.
"Das kann ich nicht", flüsterte sie, aber ihre Stimme klang nicht brüchig, sondern fest. Trotzdem sah sie mich immer noch nicht an. Ich kannte die Blondine vor mir gut genug, um zu wissen warum. Was erwartete sie, wenn sie hochschaute? Was erwartete sie, wenn sie mir in die Augen schaute?
Entsetzen? Wut? Schmerz? Oder Tränen? Sie würde alles in meinem Gesicht finden und genau das machte ihr Angst. Julia wusste, wenn sie mich anblicken würde, wenn sie mit ihren himmelblauen Augen durch meine grasgrünen direkt in meine verletzte Seele blicken würde, wie nur sie das konnte, dann würde sie anfangen zu heulen wie ein Schlosshund.
Sie konnte es nicht ertragen, wenn ich verletzt war. Selbst wenn ich im Unrecht war oder mich etwas nicht so hart treffen sollte, wie es es letztendlich tat, war sie diejenige, die allein durch meinen Schmerz mehr litt, als durch ihre eigenen Probleme. Das war schon immer so gewesen und für mich war dies eine ihrer besten und schlechtesten Eigenschaften zugleich.
Und dadurch, dass sie anfangen würde zu heulen, wäre dann auch meine Fassung dahin. Ich würde meine Tränen, die ich bis jetzt unterdrückte, nicht mehr aufhalten können und sie anschreien, dass sie aufhören sollte zu weinen. Ich würde Sachen sagen die ich danach bereuen würde und so alles nur noch schlimmer machen. Auch das wusste meine beste Freundin nur zu gut.
Doch das war unwichtig. Viel wichtiger war es sich auf das hier zu konzentrieren. Also stand ich vom Bett auf und ging ungehalten in dem, nach meinem Geschmack, viel zu großen Zimmer auf und ab. Meine Wut wurde immer größer und ich fokussierte mich auf sie, ließ sie meine Gedanken voll einnehmen, obwohl ich wusste, dass diese Taktik falsch war.
Aber auf dieses brennende Feuer zu achten, war so viel leichter als auf die Verzweiflung und Bitterkeit, die sich jede Sekunde mehr in mein Herz fraß. Es war sehr viel einfacher diesen Schmerz von dem brennenden Gefühl der Wut betäuben zu lassen. Und wenn ich nicht auf der Stelle zusammen brechen wollte, dann war das die einzige Möglichkeit.
"Du lässt mich allein!", schrie ich sie also wieder an und zuckte selbst ein klein wenig vor meinem schroffen Tonfall zurück.
"Das stimmt doch gar nicht, ich bin doch immer noch deine Freundin! Es gibt Skype und telefonieren können wir auch... und chatten! Außerdem werde ich versuchen die Semesterferien hier..."
"Das ist nicht das Gleiche, Julia, das weißt du ganz genau. Du bist am andern Ende der Welt! Wenn wir gerade aufstehen ist bei dir gerade Mitternacht, wie stellst du dir das vor? Und du weißt ganz genau, dass deine Eltern und du nicht genügend Geld haben, damit du ständig zu uns und wieder zurück fliegen kannst. Ich sag dir wie's ablaufen wird: du wirst nach Amerika gehen, neue Freunde auf dem Collage kennenlernen und mich vergessen! Du wirst vielleicht einmal im Jahr hier herfliegen, wenn überhaupt und wir werden kaum Kontakt haben!", mein Ton wurde immer schroffer und meine Augen fingen immer mehr an zu brennen.
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Strawberry Fields Forever
Short StoryViele Kurzgeschichten von der lieben Natalie_clm und mir Von Fantasy bis Liebesgeschichten alles dabei:)
