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Ihre sorgfältig manikürten Finger fuhren über die raue, weißverputzte Wand neben der Haustür und blieben an der kühlen Messingumrandung der Klingel hängen.
Ein künstlicher Ton hallte durch das Haus wie durch einen leeren Palast, der kühle Schall wurde von einer kahlen Ecke zur nächsten geworfen.

Wenig später öffnete er die Tür und ein warmer Luftzug streichelte ihren ausgekülten Körper.
Die Wärme erschaffte tief in ihrem Inneren ein Gebilde, welches einem zarten Gänseblümchen ähnelte, doch seine ruckartige Umarmung und seine groben Hände an ihrem Rücken, die stets weiter nach unten wanderten, ließen es wie im Frost erfrieren.

Zur Begrüßung gab er ihr einen langen Kuss, den sie kaum genießen konnte. Obwohl seine Arme die stärksten Arme waren, in denen sie je gelegen hatte, fühlte sie sich bei ihm so unsicher wie ein rohes Ei in seiner kantigen Faust.

"Komm rein."

Seine Stimme war rau, und doch schwang irgendeine Art von Freude, eher von Erwartung, mit.

Das Haus war genauso, wie sie es sich vorgestellt hatte. Weiße Möbel versuchten, sich gegenseitig mit Helligkeit zu übertrumpfen, moderne Vasen und vermutlich wahnsinnig kostenspielige Dekoartikel machten einem beim Betreten des riesigen Einfamilienhauses unmissverständlich klar, dass es von einer Familie bewohnt wurde, der es an Geld nicht fehlte.

Ihre Jacke glitt langsam von ihren zierlichen Schultern, er nahm sie ihr ab und hängte sie auf einem massiven Holz-Bügel an die Garderobe.

"Schön, dass du da bist", versuchte er erneut, ein Gespräch zu beginnen, doch sie gab erneut eine einsilbige Antwort. Auch wenn sie dabei höflich klang und lächelte, war das alles genauso künstlich wie seine nach Außen hin heile Familie.

Sie wusste, dass er zu blind war, um zu sehen oder vielleicht verdrängte er auch, dass sie sich eigentlich nicht liebten. Die Beziehung war ein Mittel zum Zweck, sie brachte ihr reichlich Ansehen auf dem College, minimierte ihre Schüchternheit und ein wenig mehr Beschäftigung hatte sie durch ihn auch.

Jeder Junge an der Saintmore High, der etwas auf ich hielt, hatte eine Freundin. Außerdem konnte Tyler so noch etwas anderes an seinem Tag unternehmen, als Videospiele zu spielen. Er erlangte also ebenfalls Gewinn durch die Beziehung.

Doch das Entscheidenste war, dass sie das Gefühl hatte, gebraucht zu werden, nicht allein zu sein. Es machte ihr klar, dass sie noch am Leben war.

Aber an manchen Tagen, wie zum Beispiel heute, hatte sie das Gefühl, dass er sich wirklich Mühe gab, dass er sie wirklich liebte. So sehr, dass es ihr fast wehtat.

Seine Hand lag mal wieder unangenehm fordernd auf ihrem unteren Rücken, als er sie durch das Haus führte und ihr jeden Raum zeigte.
Viele willige Mädchen in kurzen Tops und Hotpants waren neidisch auf sie, alle samt hätten sich sofort von ihm vögeln lassen.
Doch sie war anders.
Ihren Kopf leicht schräg gelegt betrachtete sie die spiegelglatte Oberfläche einer weißen Kommode, auf der kein einziges Staubkorn lag.

"Und kommen wir nun zum letzten Raum und gleichzeitig zum Herzstück des Hauses - Mein Reich!"

Mit diesen Worten öffnete er eine Tür und sie traten in ein Zimmer, welches ihn nicht besser hätte beschreiben können. Größtenteils grau und weiß dominierten den Raum, ein breites Bett stand nahe der bodentiefen Fenster, doch der Fokus lag auf der umfangreichen Gaming-Ausrüstung auf der anderen Seite.
Er breitete die Arme aus und lachte, verstummte jedoch, als sie sein Lachen nicht erwiderte.

"Was ist in dem Raum am Ende des Flurs? Du hast ihn vergessen."

"Achso der..."
Er sah ihr plötzlich nicht mehr in die Augen.

Liebe auf den ersten TicStories to obsess over. Discover now