Prolog
Larissa P.O.V.
Neues Jahr, neues Glück. Auch, wenn ich mir jedes Jahr vergeblich versuchte, mir diesen Satz einzureden, es veränderte sich nicht wirklich etwas. Ja, meine Noten waren in Ordnung, ich hatte einen tollen besten Freund und tolle Freundinnen, doch das alles hilft nicht, wenn das eigentliche Problem ein anderes ist. Jemand anderes.
Und ich rede nicht von irgendwem, von irgendwas, nein, ich rede davon, wenn man seit Jahren verliebt ist, in eine unerreichbare Person.
Niall Horan.
Ire, beliebtester Junge der Schule und jemand, der jedes Wochenende mit einer Anderen im Bett landete. Jemand, den vermutlich jede Person als Fuckboy abstempeln würde. Und trotzdem jemand, den jeder respektiert, mit dem jeder befreundet sein will. Weil er einen abstößt, wenn man anders ist, weil man sonst ausgegrenzt wird.
Und dann gab es da noch mich.
Niall Horan war für mich nicht nur der Badboy, der heiße Typ, den jeder haben wollte, Niall war mehr für mich. Und jeder wusste das.
Und er wusste es auch.
Lange, ziemlich lange sogar, genauer gesagt seit der vierten Klasse. Und es hat sich nicht viel geändert; auch das wusste er. Trotzdem hasste er mich. Er fand es lustig, wie ich in seiner Gegenwart schüchtern, zurückhaltend, teilweise sogar ängstlich wurde. Er liebte es, mich damit aufzuziehen. Er liebte es, mir direkt seine Meinung ins Gesicht zu sagen. All das liebte er. Er liebte es, wenn ich litt.
Doch warum suchte ich mir nicht einen anderen Typen? Nun, ich hatte einen Bruder, Harry. Und er war sein bester Freund.
Somit sah ich Niall ständig, musste ständig Dinge mit ihm unternehmen, da meine Mutter mich nur mit Harry mitgehen ließ. Harry wusste die Sache natürlich auch. Doch er konnte mir nicht helfen, auch wenn ich seine kleine Schwester war, Niall war der Boss und Harry musste auf ihn hören. Und so war ich in dieser Zwickmühle gefangen.
1. Kapitel
Larissa P.O.V.
Zitternd rieb ich meine kalten Finger an den Plastikbecher und wickelte meinen Schal enger um den Hals. Harry grinste nur, als er sah, wie ich halber erfror. "Naaww, ist der kleinen Larissa kalt?" Ich verdrehte bei diesem Satz die Augen und nahm dankend seine Jacke an, die er mir soeben anbot. "Dein Schatzi kommt gleich", meinte Harry wieder und wackelte gruselig mit den Augenbrauen. Ich seufzte nur und versuchte, mich wieder auf meinen Kaffee zu konzentrieren.
Ja, Niall war mein Crush. Und er hasste mich. Seit Harry und er beste Freunde waren. Eigentlich sollte mich das nicht stören, schließlich gibt es auch andere hübsche Jungs da draußen, doch weil meine Mutter sehr streng war, durfte ich nur mit Harry weggehen, zumindest abends. Und dann war er eben immer dabei.
Und hatte seinen Spaß dabei, mich zu ärgern.
Wie wenn man vom Teufel spricht, ging in dem Moment die Tür des Starbucks auf und Niall trat herein. Wie immer sah er unfassbar gut aus, seine blond-gefärbten Haare hatte er unter einer schwarzen Cap versteckt und sein grüner Parka passte perfekt zu seinem Designer-Schal. Ja, Niall hatte Geld und das zeigte er auch gerne. Ein weiterer Grund, weshalb er zum Bad Boy wurde: Er dachte, er kann jede haben.
Mein Bruder und er begrüßten sich mit dem typischen Handschlag, während ich mal wieder wie das fünfte Rad am Wagen dasaß und nichts tat. Niall grinste mich blöd an und zog eine Grimasse. "Ah, meine Verehrerin. Siehst wie immer kacke aus." Ich sagte daraufhin nichts, sondern versank tiefer in meinen Stuhl. Ja, Niall wusste, dass ich auf ihn stand. Jeder wusste es, was die Sache nicht unbedingt besser, sondern eher schlimmer machte.
"Warum so still heute? Hab ich dir mit meinem Auftreten die Sprache verschlagen?" "Hey!", meldete sich nun endlich Harry zu Wort, "Es reicht jetzt!" Niall grinste nur und setzte sich neben seinen Kumpel, sagte aber nichts mehr. Ich formte unauffällig ein 'Danke' mit meinen Lippen.
Die beiden unterhielten sich also eine Weile und ich hörte zu. Es war nicht unbedingt spannend, bis auf die Tatsache, dass Niall mich ständig ärgerte und Harry versuchte, ihn davon abzuhalten. Ansonsten haben die zwei nur geredet und Quatsch gemacht.
Als es draußen schon dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg. Niall würde heute, zusammen mit Harrys anderen FreundenLouis, Zayn und Liam, welcher gleichzeitig mein bester Freund war, bei uns übernachten und wenn ich ehrlich war, hatte ich überhaupt keine Lust darauf. Natürlich konnte ich so mehr Zeit mit Niall verbringen, aber er würde mir eh nur Beleidigungen an den Kopf werfen und letztendlich wird das Ganze sowieso nicht gut für mich ausgehen. Trotzdem seufzte ich und ging schonmal nach Hause.
Es dauerte ca. eine Stunde, da trafen die Jungs ein und mit ihnen auch Niall und mein Bruder. Ich umarmte sie alle, bis auf Niall. Dieser kassierte mir eine Abfuhr und lachte mich eiskalt aus.
"Also, wollen wir irgendwelche Filme schauen oder Spiele spielen?", fragte Louis in die Runde. "Wie wäre es mit Wahrheit oder Pflicht?", schlug Liam vor und alle waren einverstanden. Wir setzten uns also alle in einen Kreis, ich nahm zwischen Zayn und Harry platz. Harry meinte, dass ich anfangen sollte, da ich die Jüngste war.
Also drehte ich die Flasche in der Mitte des Sitzkreises und betete einfach still für mich, dass sie nicht auf Niall zeigte.
Was sie zum Glück auch nicht tat.
"Louis",
Ich lächelte ihm zu und er lächelte zurück, "Wahrheit oder Pflicht?", fragte ich ihn und er wählte Wahrheit aus. "Okay...", meinte ich nur und tat so, als würde ich mir eine Frage überlegen. Dabei wusste ich eigentlich schon, was ich ihn fragen würde.
"Hast du gerade jemanden im Auge und wenn ja, wen?"
Die Standardfrage schlechthin, aber ich wollte langsam anfangen und mir meine kreativen Fragen für später aufheben. Louis hingegen schien die Frage dennoch unangenehm zu sein. Er wurde etwas rot und blickte mich verlegen an.
"Das waren zwei Fragen, Hässlon!", hörte ich auf einmal eine Stimme, die definitiv nicht zu Louis gehörte. Niall. Wer auch sonst. Ich seufzte und ignorierte seinen Spruch und sah stattdessen Louis weiterhin erwartungsvoll an. "Kannst auch nur eine Frage beantworten, wenn du willst", ich lächelte ihn an und er nickte bloß, sagte zunächst allerdings wieder nichts.
"Also, ja, tatsächlich... ...gibt es da jemanden", brachte er schließlich heraus und ein Grinsen bildete sich auf meinen Lippen. "Ist doch schön. Das muss dir doch nicht peinlich sein"
Doch Louis senkte nur den Kopf und murmelte ein undeutliches "Hmmm" vor sich hin.
"Egal! Weiter geht's! Louis ist dran!", schrie auf einmal Liam, um die Stimmung wieder etwas zu heben. Ich lachte nur und Louis drehte etwas zögerlich die Flasche. Da er sie eben nicht sonderlich gut gedreht hat, blieb sie schon bei Niall stehen, der nur zwei Plätze weiter saß.
"Das zählt nicht!", rief er sofort und als er sah, dass ich ihn mal wieder beobachtete, zog er eine Grimasse. "Hör auf mich anzustarren, Hässlon"
Ich drehte nur meinen Kopf zur Seite und wartete, bis Louis seine Frage stellte, was er auch glücklicherweise kurz darauf tat.
Mutig wie er war, nahm Niall natürlich Pflicht und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. Doch Louis grinste nur und rieb sich die Hände. "Wenn du dich schon traust, Pflicht zu nehmen", sagte er und grinste weiter, "Dann muss deine Aufgabe auch dem entsprechen" Auch wenn Niall nach dieser Aussage weiterhin so tat, als würde dieser Satz ihn völlig kalt lassen, konnte man doch ein wenig Nervosität in seinen Augen erkennen. "Also?", meinte er schließlich und Louis ergriff das Wort, um ihm seine Aufgabe zu nennen.
"Küss Larissa."
