Die grellen Flammen umfingen die beiden Leichname, schlugen hoch bis zum tiefschwarzen Himmel. Er war vorbei, der Krieg zwischen den Engeln und Luzifer, doch obwohl dies ein Grund zum Feiern sein sollte, trauerte Castiel. Ein Engel des Herrn. Denn der Krieg hatte viele Opfer gefordert, notwendige Opfer, aber auch welche, die den Tod nicht verdient hatten, die zu früh aus dem Leben geschieden waren. So wie der Tod der zwei Menschen, die er gerade ihrer Tradition gemäß beerdigte.
Castiels Blick wanderte zum Himmel, zu seiner ehemaligen Heimat. „Warum?", wisperte er mit tränenerstickter Stimme. Die sonst so kühle und distanzierte Fassade des loyalen Engels bekam mehr und mehr Risse. Zerbröckelte wie eine alte Mauer.
Selten hatte er den Willen seines Herrn infrage gestellt, doch in letzter Zeit zweifelte er immer mehr an der geistigen Verfassung des alten Mannes. Der Engel war so verwirrt in letzter Zeit, dass er weder wusste was moralisch richtig war noch was falsch war, denn je länger er in Gesellschaft der Menschen war, desto näher war Castiel ihnen und ihrem Wesen gekommen, desto mehr Gefühle empfand er, von denen er glaubte, dass er sie nicht einmal besäße, von denen er nicht einmal die Namen kannte. So hatte auch ein gewisser Jemand hatte sein Leben auf den Kopf gestellt, hatte für Chaos und Unruhe in seinem Kopf gesorgt.
Dean Winchester hatte ihm so vieles beigebracht. Er hatte ihm gelehrt zu lachen, zu lieben. Zeigte dem unerfahrenen Engel, was Wut war, Hass, Misstrauen. Auch jetzt nach seinem Tod lehrte Dean seinen Freund, wie viel Schmerz der Tod eines geliebten Menschen einem bereiten konnte. All die Trauer, Wut und Verzweiflung zerrissen Cas innerlich. Hinterließen ihre tiefen Narben in seiner Seele. Ließen ihn im Inneren verbluten.
Eine einsame Träne rollte seine Wange hinab. War eine helle Spur in einem Gesicht voller Blut und Schmutz. Der gellende Schrei Castiels hallte von den hohen Bäumen wider. Schmerzte in seinen Ohren. Schmerzte in seiner Kehle. In seiner Seele.
Mit dem Schrei zerbrach auch der Damm in Cas. Dicke Tränen fielen zu Boden, während er selbst in die Knie ging. Hart schlug er auf der gefrorenen Erde auf, spürte die kleinen Steinchen, die sich in seine Handflächen bohrten. Das Wimmern, das seiner Kehle entfloh, war von dem Schmerz der Trauer geprägt.
Die Qualen des Engels waren so greifbar, dass seine Macht die Umgebung zum beben brachte, denn die Krallen der Ohnmacht, das Geschehene nicht mehr rückgängig machen zu können, hatten ihn so fest in ihrer Gewalt, dass es schien, als risse man dem Engel sein kleines, wild schlagendes Herz aus der Brust.
Schreie, die niemanden, der sie hörte, kalt ließen, erklangen immer wieder aufs Neue. Jeder konnte die Trauer, den Schmerz in den Klagen bemerken, die mit jedem Mal stärker, präsenter wurde. Irgendwann lag Castiel nur noch stumm auf den Boden. Ausgelaugt, am Ende seiner Kräfte. „Nein...", murmelte er leise. Wollte so alles rückgängig machen, wollte so verdrängen. Aber der Schmerz blieb, genau wie seine getreuen Kameraden: die Trauer und die Verzweiflung. Sie rissen sich um ihn als wäre er Fleisch, von dem sie nur das beste Stück haben wollten.
Er wollte und konnte einfach nicht verstehen, dass er Bobby und Dean nie wiedersehen würde, dass keiner mehr da war, der ihm helfen konnte mit dieser Bürde zu leben. Der Schock ihres Todes hatte er noch nicht verarbeitet, ihr Ableben war noch nicht zu ihm durchgedrungen, dafür waren sie in seinen Gedanken noch zu gegenwärtig, zu greifbar. Immer noch hörte er ihre Stimmen, sah sie noch vor sich. Lachend. Lebend. Ganz. Aber all das würden sie nie wieder sein, nie wieder würden sie mit ihm Scherze machen, nie wieder lachen, nie wieder ihm die Dinge ihrer Welt erklären können. Sie werden nie wieder leben. Doch am schlimmsten war der Gedanke, dass Castiel Dean nie würde sagen können, was er für ihn empfand. All die Wochen und Monate, die er ihn nun schon kannte, war dieses Gefühl der Liebe in ihm gewachsen. Und all die Wochen und Monate hatte er es geleugnet, hatte es versucht zu ignorieren. Hatte er doch immer nur Männer gesehen, die Frauen liebten. Frauen, und keine Männer. Diese Sache hatte ihm Angst bereitet. Sie sorgte dafür, dass er sich wie ein Monster vorkam, wie ein Kameradenschwein.
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TEARS OF AN ANGEL
Fanfiction„So sehr liebst du ihn also? So sehr, dass du freiwillig den Tod wählst?", hauchte sie. Sie war nicht verwundert, denn im Grunde hatte sie es schon lange gewusst, doch sie hatte immer noch die Hoffnung gehabt, sich getäuscht zu haben. Castiel versuc...
