Es ist 2:35 Uhr mitten in der Nacht und ich habe schon ein Drittel aus der Whiskey Flasche getrunken. Ich weiß, ich sollte ihn nicht trinken aber in Nächten wie heute brauche ich meinen Whiskey so sehr. Ich brauche das brennen nach jedem Schluck, ich brauche das berauschende Gefühl, welches mit jedem Schluck zunimmt. Diese Nächte in denen ich mein Whiskey brauche nehmen in letzter Zeit immer häufiger zu und irgendwo in meinen vernebelten Kopf schreit eine kleine verzweifelte Stimme danach das Teufelszeug in die Spüle zu schütten. Aber ich brauche es zu sehr als das ich diesem Stimmchen zuhören würde.
Es ist 2:42 Uhr mitten in der Nacht und sitze in völliger Dunkelheit und warte. Ich habe bestimmt schon die Hälfte meines Whiskeys getrunken. Carolin ist immer noch nicht zurück. Sie wollte mit einer Arbeitskollegin und Freundin zusammen ein Projekt beenden und vor Mitternacht wieder zuhause sein, aber sie ist es noch nicht.
Um 1:22 hatte sie nochmal hier angerufen. Ich bin nicht dran gegangen. Ich hatte mir schon das erste Glass Whiskey eingeschenkt. Wann ich angefangen habe das Glass einfach wegzulassen und aus der Flasche zutrinken weiß ich nicht mehr, aber es ist inzwischen schon 2:43 Uhr und Carolin ist immer noch nicht da. Ich liebe Carolin. Ich liebe sie wirklich, aber gerade bin ich nur wütend. Wütend auf die Welt und wütend auf sie. Immer öfters bleibt sie bis spät in die Nacht weg und meint es wäre wegen der Arbeit. Ich will ihr glauben, aber der Whiskey macht es mir so leicht wirklich wütend zu sein und wenn ich wütend werde, werde ich gefährlich. Mein kleiner Bruder Kyle weiß am besten wie Gefährlich. Ich habe ihn früher oft verletzt. Wenn ich jetzt nach all den Jahren zurückblicke, wünschte ich mir ich hätte es schon damals erkannt was für ein Monster ich bin. Vielleicht wären mache Sachen nicht so wie sie heute sind. Ich liebe Carolin und ein kleines verzweifeltes Stimmchen in meinem vernebelten Kopf hofft darauf das Carolin heute bei ihrer Freundin bleiben wird, in Sicherheit.
Es ist 2:45 Uhr mitten in der Nacht als sich ein Schlüssel im Schloss dreht und somit die Wohnungstür aufschließt. Carolin ist zuhause. Das Licht ging im Flur und ich hörte ihre Schritte.
„Theo, Ich bin wieder zuhause. Bist du noch auf?" Ihre Stimme war leise genug um mich nicht zu wecken falls ich am schlafen wäre aber noch laut genug um sie hören zu können falls ich auf sie gewartet hätte. Ich bin wach, ja. Aber habe ich auf ihre Rückkehr gewartet? Wäre sie bei ihrer Freundin für den Rest der Nacht geblieben, würde sie mich nicht wieder mit dem Whiskey sehen. Ich hätte die Flasche wegstellen können, oder was wahrscheinlicher gewesen wäre ausgetrunken, hätte meinen Rausch danach ausgeschlafen und meine Wut und trunkene Verbitterung hätten nicht schon wieder Carolin als Ventile gehabt.
Das Licht im Wohnzimmer wurde eingeschaltet und ich musste kurz die Augen zusammen kneifen um den blendenden Licht zu entgehen. „Schatz, du bist ja doch noch wach. Warum sitzt du denn hier so im Dunkeln?" Ich stand auf und ihr Blick muss wohl auf die halb volle Whiskey Falsche gefallen sein, denn das nächste was sie sagte war ein einfaches "Oh...".
„Oh." Sie sah nicht so aus als hätte sie die ganze Zeit gearbeitet und als ich auch nah genug an sie herangetreten war konnte ich es auch riechen. Sie stank nach Qualm.
„Am Arsch du warst Arbeiten! Am Arsch du hast mit deiner Kollegin ein Projekt beendet!" Und bevor ich es mitbekam ist mir die Hand ausgerutscht und ich habe sie schon wieder geschlagen. Es gab einen leisen Aufschrei und sie hielt die Stelle, an der ich sie wohl getroffen haben muss.
„Und DU hast wieder getrunken! Du hast versprochen dieses Teufelszeug nie wieder anzusehen!"
„Das kannst du nicht auf mich schieben! Du bist hier die, die mich belügt, Hm?! Wo warst du wirklich?! Wieder in diesen Club ?!"
„Theo, das reicht jetzt. Ich bin zuhause und ich habe nichts von dem getan was du mir wieder unterstellen willst."
„Du willst mir also weis machen, du warst mit ihr nicht wieder in diesem Club, in den auch ER arbeitet?! Du verlogenes Flittchen!"
„Theo, es ist genug. Ich war nicht in diesen Club und wir reden drüber, wenn du nicht mehr betrunken bist."
„Nein Verdammt, wir reden jetzt!" Ich griff nach der Flasche um einen weiteren Schluck davon zu trinken, doch auch Carolin griff nach dem Whiskey, vermutlich um ihn mir wegzunehmen. Nein verdammt, das ist mein Whiskey! Ich brauche ihn, ich lasse ihn mir nicht wegnehmen!
„Es reicht Theo, du hattest mehr als genug von dem Teufelszeug!"
Ich ballte meine Hand zur Faust und bevor ich darüber nachdenken konnte hatte ich auch schon ein zweites mal zugeschlagen, dieses mal mit der Faust. Ich habe Carolin mit der Faust ins Gesicht geschlagen, mit einer Wucht, welche sie gegen Boden schickte. Ihre Augen glänzten verräterisch bevor sich die erste Träne löste. Carolin war noch nie eine Blume gewesen welche schnell brach, sie war eine Kämpfernatur. Sie vergoss keine Tränen über die Ungerechtigkeit des Lebens, sie nahm die Sachen auch nicht stillschweigend über sich hin. Sie stand immer wieder auf und schlug zurück. Einer der Gründe, weshalb ich sie liebe. Wenn sie also Tränen vergaß muss es wirklich weh getan haben.
Gut, dachte ich selbstzufrieden. Im nächsten Moment war Carolin wieder auf den Beinen und dann schmerzte dumpf mein Gesicht. Mein Vernebelter Verstand brauchte ein Moment um mit dem Geschehenen mitzuhalten. Dann verstand ich, Carolin hatte mich zurückgeschlagen und jetzt schrie sie etwas. Bevor das gesagte verarbeiten konnte knallte die Haustür hinter Carolin wieder ins Schloss.
„Dann werde glücklich mit dem Teufel Whiskey!"
Ich schaute zu meiner Hand, welche die Flasche hielt und die Wut, welche ich dieses mal verspüre richtet sich diese mal gegen mich und den Teufel in meiner Hand. Wie konnte ich Carolin dies nur immer wieder antun. Sie würde bestimmt wieder Zuflucht bei Kyle suchen, so wie immer. Kyle würde ihr zuhören und sie fragen wann sie mich endlich verlassen würde. Jedesmal fürchte und hoffe ich es würde das letzte mal gewesen sein, dass ich sie im so sehr im Rausch verletzt habe, das ich sie zu meinen Bruder getrieben habe. Aber das sind Gedanken eines Nüchtern und ich bin nicht nüchtern. Erst beim nächsten Erwachen werden mir die Konsequenzen so richtig deutlich werden, Doch jetzt liegt noch alles im Nebel, abgesehen von der blanken, beißenden Wut und dem Whiskey in meiner Hand.
Es ist 3:05 Uhr mitten in der Nacht und die Whiskey Flasche zerbricht an der Wand gegenüber von mir.
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Von Whiskey und Tiefkühlpizza.
Short StoryEs Beginnt mitten in der Nacht mit demTeufel Whiskey und endet mit einer Tiefkühlpizza, welche hätte größer sein sollen.
