'Aufstehen mein Schatz, heute ist dein großer Tag.' hörte ich meine Mutter leise flüstern, während sie mir eine Strähne aus dem Gesicht wischte.
Ich gab ein müdes Brummen von mir, woraufhin meine Mutter leise lachte.
'Komm schon mein Schatz, du musst dich fertig machen, in einer Stunde geht es los.' sagte sie nun schon etwas bestimmter.
Ich setzte mich, mit noch geschlossenen Augen auf und gab ein weiteres Brummen von mir.
Meine Mutter gab mir noch einen Kuss auf die Wange, stand auf und öffnete das Fenster.
'Ich geh schon mal dein Frühstück vorbereiten, Kaffee oder Kaka...'
Ich unterbrach sie mit einem weiteren müden Brummen was Kaffee bedeutete.
Nachdem meine Mutter aus meinem Zimmer verschwand, kuschelte ich mich wieder zurück in mein warmes Bett und starrte zur Decke.
''Dein großer Tag.'' sie sagte es als wäre es etwas schönes, das war es jedoch ganz und gar nicht, oder doch?
Heute vor genau einem Jahr stellten wir den Antrag auf ein Spenderherz und vor genau einem Monat wurde ein für mich passendes eingereicht und heute in nicht Mals einer Woche, soll es eingesetzt werden, irgendwie toll, aber irgendwie auch nicht.
Nach einer Weile stand ich endgültig auf und stellte mich ans offene Fenster, wo ich für einen kurzen Moment die kalte Winterluft genoss, die mir auch die letzten Strähnen aus dem Gesicht wehte, bevor ich mir eine Zigarette anzündete.
Es sollte die letzte sein.
Das hatte ich mir geschworen, wie so oft.
Nach wenigen Minuten entschloss ich mich, ins Badezimmer zu gehen, wo ich mir mit einem kalten Waschlappen durchs Gesicht wischte.
Ich schaute in den Spiegel und dachte wie so oft: 'Warum musste es mich treffen, warum musste ausgerechnet ich mit einem Herzfehler zur Welt kommen?'
Nachdem ich mir noch die Haare zusammen gebunden und mich umgezogen hatte, ging ich schließlich die Treppe hinunter in die Küche wo schon ein Kaffee und ein Nutella Brot an meinem Platz der Kücheninsel bereit stand.
'Guten Morgen, mein Schatz!' sangen meine Mutter und mein Vater im Chor.
'Morgen...' antwortete ich verschlafen, nahm an der Kücheninsel platz und begann mein Nutella Brot zu essen und meinen Kaffee zu trinken.
'Dein Vater und ich haben schon deine Koffer gepackt und für dich in den Kofferraum gelegt. Wenn du möchtest kannst du nach dem Frühstück noch einmal durch dein Zimmer gehen und schauen ob es noch etwas gibt, dass du unbedingt mitnehmen möchtest.' sagte sie verständnisvoll.
'Mache ich' antwortete ich knapp, trank den letzten Schluck Kaffee aus meiner Tasse und verschwand die Treppe hoch wieder in meinem Zimmer.
Ich lies langsam meinem Blick über mein Zimmer schweifen, musterte alles ganz genau, doch mir erschien nichts so wichtig, das ich es mitnehmen wollte.
Mein Blick endete an meiner Fensterbank, bei meinem Päckchen Zigaretten.
Ich lies meinem schlechten Gewissen keine Chance, griff nach ihm und verstaute es in meinem BH.
'Laura, kommst du bitte, wir müssen los!' rief meine Mutter die Treppe hoch.
Ich schaute noch einmal schnell ob alles sitzt und ging die Treppe hinunter, wo meine Mutter mich schon erwartete.
'Hast du noch etwas gefunden?' fragte sie mich.
'Nein, du hast an alles gedacht.' antwortete ich stumpf.
'Gut, dein Vater sitzt schon im Auto, lassen wir ihn nicht warten.' sagte sie ungeduldig während sie mir meine Jacke zum Anziehen hinhielt.
Ich schlüpfte hinein, zog sie halb zu und ging mit meiner Mutter in Richtung Haustür.
'Mama, geh schon mal vor, ich habe noch etwas vergessen, ich bin in zwei Minuten am Auto.' brachte ich leicht abwesend hervor.
'Gut, mein Schatz, bis gleich.'
Ich hörte ihre hektischen Schritte und wie sie zu meinem Vater sagte: 'Laura kommt gleich, sie hat doch noch etwas vergessen.' und letztendlich auch die Autotür zuknallen.
Ich schaute durch unseren Hausflur, musterte jedes einzelne Detail, den Teppich, die Wände, die Kommode, die Garderobe und wünschte mir nichts so sehr, wie das alles irgendwann wieder sehen zu können.
Der Gedanke daran nicht mehr nach Hause zu kommen, bildete einen Kloß in meinem Hals und ich merkte wie Tränen meine Wangen bis zu meinen Lippen hinunterkullerten.
'LAURA KOMMST DU BITTE?!' rief meine Mutter ungeduldig.
Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und ging aus der Tür und zog sie hinter mir zu, der Moment, als sie einrastete lies mich endgültig realisieren, dass es nun soweit ist.
'Da bist du ja mein Schatz, Alexander, wir können losfahren.' sagte sie und stellte das Navigationssystem ein.
Ich schaute auf das Navigationssystem und las: 'Nur noch 180min bis sie ihr Ziel erreichen.'
Ich seufzte leise, lehnte meinen Kopf an die Autoscheibe und lauschte dem Gespräch meiner Eltern über die Firma, der Nachbarschaft und der unfreundlich Bäckereiverkäuferin im Dorf.
Es beruhigte mich ihre Stimmen zu hören und schon bald schlossen sich meine Augen und ich schlief ein.
'Laura... Laura?' hörte ich meinen Vater mit sanfter Stimme sagen während er mich leicht an der Schulter antippte.
'Wir haben die Hälfte der Strecke geschafft und sind an einer Raststätte angekommen, möchtest du noch schnell auf die Toilette?'
Ich nickte, schaute mich kurz um, stieg aus und ging zu dem Toilettenhäuschen der Raststätte.
Als ich es betrat, lies mich der säuerliche Geruch, das Gesicht verziehen.
Ich öffnete, mit möglichst wenig Berührung, eine Toilettenkabine, schloss sie hinter mir ab und setzte mich auf den geschlossenen Toilettendeckel, kramte kurz in meinem BH und fischte das Zigarettenpäckchen hinaus.
Und wie so oft sagte ich zu mir selbst: 'Das ist deine letzte.' während ich sie in den Mund nahm und anzündete.
Der warme Rauch fühlte sich gut an und ich merkte wie meine Nikotinsucht gestillt wurde.
Ein gutes Gefühl.
Als ich fertig war, schmiss ich die fertig gerauchte Zigarette in die Toilettenschüssel und spülte ab.
Zurück am Auto setzte ich mich wieder hin, schnallte mich an und lauschte den Gesprächen meiner Eltern, bis ich letztendlich wieder einschlief.
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Heartsick
Mystery / Thriller'Würden sie, Laura Müller, bei körperlichem versagen, unser transplantiertes Herz, zur weiteren Transplantation freigeben?' fragte Dr. Schmidt kalt und schob mir mit seinen langen, dürren Fingern, das auszufüllende Formular und einen Kugelschreiber...
