PROLOG || oder wie es dazu kam, dass ich Superkräfte bekam

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Früher liebte ich Comics. Ich wollte sein wie die Helden in ihren schillernden Gewändern.

Mittlerweile bin ich kein großer Fan mehr. Comics... Mit ihren blöden Helden und Bösewichten. Dieser eindeutigen Trennung von Gut und Böse.

Nicht, dass mir die Vorstellung von einem Helden mit wehendem Umhang, auf den Arm gewuchtet zu werden nicht zusagen würde. Im Gegenteil. Aber bleiben wir mal realistisch. Selbst wenn Superhelden existieren würden, dann wäre ich nur Teil der Masse, die begierig nach Informationen vor ihrem Laptop kauert und weiterhin im dunklen tappt, während die blonde Schönheit in den Fängen der Bösewichte hängt. Und natürlich mit einem dramatischen Auftritt ihres Retters befreit wird. Bla bla bla.

Ebenso traurig wie enttäuschend finde ich die Art der Verwaltung von der dünnen Bohnenstange in den muskulösen Traumboy, die scheinbar in jedem Comic (den ich gelesen habe.. okay es waren nur zwei Hefte, verurteile mich nicht!! ) vorhanden sein muss um die Gelüste der weiblichen Leser zu befriedigen.

Ich hingegen habe mir schon seit klein auf vorgestellt, dass man entweder als Superheld geboren wird oder nie zu einem wird. Wie sollte man auch mit diesen schrägen Moves die man auf einmal kann zurecht kommen?

Nein. Ich glaube als Held lernt man das Fliegen wie bei uns das Laufen. Schrittweise (haha ich bin so witzig) und über lange Zeit hinweg.

Zumindest dachte ich das. Mittlerweile bin ich eines besseren belehrt worden. Man wird nicht mit tollen special skills geboren. (Und auch nicht von einer hässlichen Spinne mutiert.) Welch ein Jammer.


Es war ein Montag und hingegen zahlreicher Studien war ich gut gelaunt. Am Abend zuvor hatte ich mir die Teenage Ninja Mutant Turtles angesehen. Michelangelos schmalzige Kommentare heben nicht nur meine Laune, sondern ebenfalls meine Mundwinkel für bis zu 24 Stunden.

Abbie hingegen hat sich den Film offenbar nicht angesehen, da sie mir nur ein zerknautschtes „Morgen" zubrummt. Trotzdem sträube ich mich nicht sie, immer noch mit einem Dauergrinsen im Gesicht, beinahe mit einer Umarmung ins Jenseits zu befördern.

Abbie und ich kennen uns schon lange. Seit dem Kindergarten. Zunächst konnten wir uns nicht leiden. Doch Sabrina konnten wir noch weniger leiden. Und wie sagt man so schön: ein gemeinsamer Feind verbindet.

„Du bist zu fett." ist ihre erste richtige Begrüßung. „Deine Speckrollen drücken mir die Luft ab, Mädel!" Ich umarme sie noch fester. „Eww" Sie stößt ein angewidertes Röcheln aus. „Ich hab dich so lieb" entgegnete ich. „Geh weg Fettklops." raunzt sie doch ich sehe wie sich ein Lächeln auf ihr Gesicht schleicht.

„Komm wir haben jetzt Herrn Wagner, der macht uns fertig wenn wir zu spät sind."

Hach, der Wagner. Ein ganz besonderer Mann muss man sagen. Ich bin immer noch davon beeindruckt, dass er den Mut besitzt jeder Tag im karierten Hawaiihemd mit variierendem Plüschkragen hier aufzukreuzen. Das kann wahrlich nicht jeder von sich behaupten! Ich frage mich immer noch wo er die Teile herbekommt.

„Heute" beginnt er. „werdet ihr euch mit verschiedenen Chemikalien auseinandersetzen.". Er strahlt uns über sein gesamtes Gesicht an. Und daraufhin verkündet er, noch immer im sing sang, dass wir in Zweiergruppen arbeiten dürfen.

Mein Blick schießt sofort zu Abbie. Diese ist jedoch zu sehr damit beschäftigt uninteressiert auf den Tisch zu kritzeln. Ich will sie gerade anstupsen als sie mir ohne aufzublicken auf meine nonverbalen Frage antwortet. „Maggie ich kenne auf der ganzen Schule vielleicht drei Personen. Natürlich arbeiten wir zusammen."

„Okay" grinse ich. „Partner" Ich zwinkere ihr zu.

„Ich kenne sie gar nicht!" ruft Abs und tritt einen Schritt zurück. Grinsend wohlgemerkt.


„Wie soll das gehen?"

Abbies Augenbrauen treffen sich auf der Mitte ihrer Stirn. „Lass uns aufzeigen." „Okay aber du fragst.". Abbie nickt wiederwillig und wir beide heben den Arm woraufhin sich Herr Wagner in Bewegung setzt.

Sein mäßiger Leib schiebt sich vor unseren Tisch, während seine Augen freudig strahlen. „Na die Damen. Wie kann ich euch behilflich sein?"

Ich sehe vielsagend zu Abbie. Diese räuspert sich. „Wir haben das Arbeitsblatt nicht ganz verstanden. Können Sie uns das vielleicht noch einmal erklären?" Mit einem gezwungenen Lächeln, das quasi ˋbitte halten Sie uns nicht für dummˋ schreit, sieht sie zu ihm auf.

„Ach herrje!" Herr Wagner wird kreidebleich. „Das ist nicht das Blatt das sie bearbeiten sollten. E-Es muss in den Stapel gerutscht sein. Ich ich hole mal schnell das richtige." Er lacht nervös und Abbie und ich steigen aus Höflichkeit mit einem gekünstelten Lachen ein.

Drei Minuten später ist unser Chemielehrer wieder da und irgendeine blaue Flüssigkeit auf unserem Tisch, da Niko so schlau gewesen ist über seinen eigen Rucksack zu stolpern.

Während Herr Wagner uns also mit einem wohlwollenden Lächeln unsere neuen Arbeitsblätter austeilt versuchen Abbie und ich mit unseren Armen die Sauerei zu verstecken und Lächeln ihn besonders breit an.

Als er sich umdreht atmen wir erleichtert aus und bemerken dabei nicht, dass er etwas aus Versehen bei uns bei uns stehen lassen hat.

Eine mir unbekannte Flüssigkeit, die zusammen mit Nikos und Abbies und meinen Chemikalien mich in eine Superheldin verwandelte. Das Kostüm nicht miteinbezogen. Verdammt.

Kitty CatcherWhere stories live. Discover now