Als er von der Arbeit nach Hause, in seine kleine Wohnung, kam fand er alles so vor wie er es zurückgelassen hatte. Er stellte seine Tasche in den Flur ab und ging in die Küche. So wie jeden Tag. In der Küche holte er sich ein Glas Wasser, setzte sich an den Tisch und trank. So wie jeden Tag. Eine Weile verging in der er einfach nur auf seinem Stuhl saß und nachdachte. So wie jedenTag. Worüber dachte er nach? Über das was er nicht hatte. Jemand der auf ihn aufpasste. Jemand der sich um ihn kümmerte. Jemand dem er blind vertrauen könnte. Jemand der ihm beibringen könnte wieder zu lachen. Jemand mit dem er sein Leben teilen könnte. Jedoch hatte er nicht einmal Freunde, nicht einen einzigen, mit dem er über all das reden könnte. Er war auf sich allein gestellt, müsste das hier selbst lösen. Er war allein. Oder allein gelassen worden? Er wusste es nicht. Auf der Arbeit beachtete man ihn nicht, ließ ihn links liegen, wenn er Hilfe brauchte. Hilfe. Ja die brauchte er jetzt. Doch es wird keine kommen, würde er noch so laut rufen. Ein Seufzer verließ seinen Mund. Es brachte nichts über das nachzudenken was er nicht hatte und über das was er hatte genauso wenig. Was hatte er eigentlich? Einen Job, der gerade so gut bezahlt wurde, dass es für eine kleine Wohnung reichte. Eine kleine Wohnung, in einer dunklen Straße, die gerade groß genug für eine Person war. Selten schien Licht durch die Fenster, das hohe Gebäude gegenüber warf einen großen Schatten. Nachts, wenn es dunkel war, schlichen dunkle Gestalten durch die Straße und fingen nicht zu selten eine Schlägerei an. Er wurde wach von dem Lärm und tat kein Auge mehr zu, selbst wenn die Laute und Schreie verstummt waren.
Es vergingen weitere, schier endlose Minuten, bis er sich rührte und aufstand. Er nahm sein Glas in seine zitternden Hände und wollte zum Wasserhahn gehen um es erneut aufzufüllen, als es plötzlich klirrte. Das Glas war ihm aus den Händen gefallen und er starrte nur zu den Scherben auf den Boden.
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Eine Weile stand er regungslos da. Das zerbrochene Glas erinnerte ihn an sein eigenes Leben. Eine falsche Bewegung und alles liegt in Scherben. Aber hatte er wirklich die ganze Zeit das richtige getan? Oder lag sein Leben bereits in Scherben? Auf einmal fing er aus unersichtlichen Gründen an zu lachen. Es hielt nicht lange an und bald stand er da und weinte. Seine Tränen flossen unaufhörlich seine Wangen herunter und tropften auf den Boden. Seine Knie wurden weich und er brach schließlich zusammen. Um den Fall abzufangen streckte er die Hände nach unten. Er riss die Augen auf, als sich die scharfen Kanten der Scherben in seine Haut bohrten. Er starrte auf seine Hände. Blut tropfte auf den Boden und vermischte sich mit seinen Tränen. Der Schmerz tat gut, er hörte auf zu weinen und zog sich die Glassplitter aus der Haut. Schließlich stand er wieder auf und wusch sich das Blut von den Händen. Als er sich wieder umdrehte, sah er zu Boden und das zerbrochene Glas an dem seine Tränen sowie sein Blut klebten. Auf einmal packte ihn die Wut und er warf alle Gläser an die Wand und auf den Boden die er finden konnte. Selbst die Olivenöl Flasche, die immer auf seiner Arbeitsfläche neben der Spüle stand, schleuderte er zu Boden. Tausend Scherben bedeckten den Küchenboden. Er versuchte sich wieder zu beruhigen, jedoch fiel ihm das bei dem Anblick dieses Chaoses schwer. Er wollte raus. Raus aus seiner Wohnung und einfach nur rennen. Als er zum Rennen ansetzte, rutschte er auf dem Olivenöl aus und fiel in die Scherben hinein. Blut am ganzen Körper. Schmerzen am ganzen Körper. Er wollte schreien, brachte aber keinen Ton heraus. Ihm wurde schwindelig. Er wollte nicht mehr. Endgültig. Wenn das wirklich sein Leben war, wollte er es nicht. Es stimmte. Sein Leben lag in Scherben. Immer und immer wieder hatte er versucht sich das auszureden und zu sagen, dass er es immer noch besser hatte als manche Leute. Er hat sich eingeredet froh zu sein, für das was er hatte. Aber alles was er hatte waren Scherben. Nun sah er es auch. Es war sinnlos um Hilfe zu rufen oder den Notarzt anzurufen, denn er wollte nicht gerettet werden. Er wollte nicht mehr leben und traf eine Entscheidung, die er schon viel früher hätte treffen sollen. Er versuchte seinen Arm soweit hoch zu strecken, dass er an die Schublade kommen würde. Die Schublade mit den Küchenmessern. Er erreichte sie unter großen Schmerzen und schaffte es ein langes Messer heraus zu ziehen. Mit zitternder Hand umklammerte er es und setzte an seinem Handgelenk an. Das kühle Metall auf seiner Haut beruhigte ihn etwas. Er sagte sich immer wieder das es gleich vorbei sein würde und das war es, dass ihn dazu trieb die Klinge tief in seine Haut zu drücken und sich mit einem langen Schnitt die Pulsader zu öffnen. Blut lief sofort über seinen Unterarm und auf den Boden. Auch diesmal konnte er nicht schreien. Seine Sicht verschwamm, alles was er sah waren Scherben und Blut. Langsam wurde es dunkel und sein Atem fing an zu stocken. Er wurde ganz schwach, sein Kopf sackte zurück auf den Boden und seiner Hand entglitt das Messer. Alles wurde schwarz und er atmete seinen letzten Atemzug.
Nun lag er da, innerlich wie äußerlich in Scherben und blutverschmiert. Nie mehr kam er von der Arbeit nach Hause, in seine kleine Wohnung.