Es ist soweit.

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~Ich habe keine Kraft mehr...
Die gewaltige Blitzkugel nähert sich mir immer schneller...
Ich schreie... und renne.
Renne, als ob ich noch nie etwas anderes getan hätte... Renne genau darauf zu...
Nur noch wenige Meter, als ich plötzlich weggedrängt werde!
Es knallt.
"Nein.. Nein... Nein das kann nicht sein... WARUM HAST DU DAS GETAN?!", schreie ich und mein Gesicht wird von Tränen überströmt.~

°°°

Ich werde wach. Meine Augen sind ganz feucht. Schon wieder dieser Traum... Was hat er nur zu bedeuten?...

"Aufstehen Layla!", brüllt meine Mutter, reißt die Tür auf und ich wische schnell meine Tränen weg. Sie kommt rein und lässt die Gardinen mithilfe ihrer Windmagie aufgehen. Ich werde geblendet und stöhne müde.

"Los, du musst aufstehen! Heute ist dein erster Tag in der Akademie!", ruft sie.
Ich reiße meine Augen auf. Wie konnte ich es auch nur für einen Moment vergessen?! Es ist soweit! Ich springe sofort aus meinem Bett und hüpfe glücklich umher. "Es ist soweit! Es ist soweit! Bald kann ich Magie bändigen!", singe ich glücklich und meine Mutter grinst mich schief an. "Du hast so lange auf diesen Tag gewartet", stellt meine Mutter fest und ich nicke eifrig. "Und wie ich das getan habe!" Ich zappel mit Händen und Beinen und springe weiterhin umher. Ich renne in den Flur, vorbei an meinen Vater und in Richtung Bad. "Hallo Papa! Tschüss Papa!", überrumpel ich ihn und er lacht.

Nur noch wenige Schritte und ich wäre im Badezimmer, würde mir mein Bruder nicht in die Quere kommen. Er lässt einen kräftigen Windstoß gegen meinen Körper los und verschwindet vor mir im Bad. "Adam!", brülle ich. Er lächelt und winkt mir noch einmal provozierend zu und schließt die Tür. Dann lässt er den Winddruck verschwinden und ich knalle volle Kanne gegen die Tür. "Aua! Adam du Idiot!", schreie ich und trete gegen die Tür. "Was ist denn hier wieder los?", kommt mein Vater zu mir. "Er hat mich wieder mit dem Wind aufgehalten und ist vor mir in das Bad verschwunden!", mecker ich und verschränke meine Arme. "Adam du solltest damit dich aufhören!", ruft mein Vater durch die Tür. "Aber Layla braucht immer so lange!", erklärt sich mein Bruder und dann ist auch schon die Duschbrause zu hören. "Ich brauche zu lange? Wer ist denn gefühlte Stunden damit beschäftigt, seine 'ach so schönen schwarzen' Haare zu stylen?", brülle ich zurück doch er scheint mich nicht mehr zu hören.

Ich seufze genervt, doch mein Vater klopft mir auf die Schulter. "Keine Sorge mein Schatz. In den nächsten Tagen wirst du deine Magie erhalten und dann kannst du es ihm heimzahlen", zwinkert mir mein Vater zu. Ich lächle ein wenig.

Ich verschwinde in der Zwischenzeit zurück in mein Zimmer. Mein Bruder kann dort einige Zeit in Anspruch nehmen, aber das zerstört mir nicht meine gute Laune. Ich freue mich schon seit meiner Kindheit wie wild auf diese Academy. Eine Academy, auf der wir unsere Magie erhalten werden! Ich bin sowas von aufgeregt!

In bin gespannt, welche Kräfte in mir innewohnen. Meine Mutter kann den Wind bändigen, genau wie mein Bruder. Mein Vater hingegen kann alles Schweben lassen, was er schweben lassen will. Was werde ich wohl bekommen? Ich male mir schon meine Zukunft aus, in der ich Adam Feuer unterm Hintern machen kann, oder ihm einen Gehirnfrost verpasse. Vielleicht verpasse ich ihm auch einfach immer nur eine nasse Hose, damit er aussieht, als ob er sich eingenässt hat? Wer weiß?

Ich laufe auf mein Bett zu und mache es schonmal Ordentlich.

Ich würde mich riesig darüber freuen, eine der Hauptelemente wie Feuer, Wasser, Erde oder Luft bändigen zu können! Das wäre fantastisch! Eine andere Kraft wäre mir aber auch Recht, solange sie cool ist! Es gibt so viele verschiedene und verrückte Arten von Magien, dass man immer noch nicht sagen kann, ob das alle sind, die existieren. Das ist aber auch verständlich, denn immerhin existiert die Magie auf unseren Planeten erst seit ungefähr 19 Jahren. Aber so verrückt wie die Wissenschaftler und die ganzen neuen Abenteurer heutzutage sind, ist es kein Wunder, dass wir schon so viel wissen. Dennoch bleiben uns noch so viele Fragen offen...

Mein Bett ist nun ordentlich und ich hebe meine gepackten Koffer auf das Bett. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Zur Sicherheit schaue ich nochmal gründlich in meinem Schränken und Schubläden nach.

Ich werde ab heute auf eine Academy gehen! Wie wird es wohl sein? Wen werde ich dort kennenlernen und wen kenne ich schon aus der alten Schule? Aufjedenfall wird meine beste Freundin Amy dabei sein und es werden die besten 4 Jahre meines Lebens!

"Layla du kannst jetzt rein!", ruft mein Bruder aus dem Flur. "Das wurde aber auch mal Zeit!", rufe ich zurück und begebe mich endlich zum Badezimmer. Auch mein Bruder wird auf der Academy sein. Er ist nun im letzten Jahr und einer der Seniors. Ich nenne ihn deshalb immer gerne einfach nur Opi. Er mag es nicht, aber genau aus dem Grund lasse ich es nicht sein.

°°°

Es ist nun so weit. Mein Bruder und ich haben uns fertig gemacht, gefrühstückt und den Rest zusammen gepackt. Nun stehen wir am Bahnhof und verabschieden uns von unseren Eltern. Meine Mutter sieht mich traurig und glücklich zugleich an. "Ach Mama.", flüstert ich mit einer leicht gebrechlichen Stimme und umarme sie kräftig. Ich kann es nicht verhindern eine Träne fallen zu lassen. "Auf diesen Moment hast du so lange gewartet und nun ist er da. Mein kleines Mädchen wird Erwachsen!", sagt sie stolz und sieht mich an. "Ich bin 19. Ich bin bereits erwachsen", erkläre ich und meine Mutter lächelt. Dann sehe ich zu meinem Vater, der mich in seine Arme nimmt und fest drückt. Währenddessen verabschiedet sich meine Mutter von meinem Bruder.
"Ich wünsche dir viel Spaß mein kleines. Und denke daran nie den Mut zu verlieren. Du darfst niemals aufgeben!", erklärt mir mein Vater. Er gibt mir noch einen Kuss auf die Stirn und löst die Umarmung. Dann umarmt er Adam. "Adam.", sagt er, schaut ihn an und fasst ihn an die Schultern. "Baue bloß keinen Mist", spricht er weiter und ich muss lachen. "Natürlich. Bei Layla sagt ihr so schöne Dinge und bei mir nicht", sagt mein Bruder doch er nimmt es mit Humor. Mein Vater grinst ihn an. "Und Pass auf deine Schwester auf!", fügt er noch hinzu. Dann sieht er uns beide an und sagt:

"Streitet euch nicht zu sehr, denn denkt daran: Geschwister sind die wichtigsten Begleiter. Sie begleiten einen ab der Geburt, bis hin zum Tod. Seelenverwandte mit gleichem Blut, die....

"...immer an eurer Seite stehen werden. Euer bester Freund fürs Leben. Eure Familie.", beenden mein Bruder und ich den Satz meines Vaters lachend.

Dieser Satz wurde uns schon in die Wiege gelegt, doch es verbindet mich und meinen Bruder sehr. Egal wie oft wir uns auch zanken... Ich liebe meinen Bruder über alles.

Ich umarme meine Eltern noch ein letztes mal und steige schließlich mit meinem Bruder in den Zug. Während wir einen Platz suchen, höre ich eine mir bekannte Stimme. "Layla!"
Ich drehe mich um und sehe Amy, meine kleine, beste, mollige Freundin. "Hey! Da bist du ja!", sage ich und umarme sie. Wir erzählen uns, wie aufgeregt wir beide sind und es kaum erwarten können, bis mein Bruder uns genervt unterbricht. "Layla. Ich hab einen Platz. Kommst du jetzt?!", ruft er gereizt.

Amy und Adam können sich nicht austehen. Adam fand sie immer nervig und hat mich zich mal gefragt, wie es denn sein kann, dass ich mit ihr abhänge. Und Amy denkt, er sei ein arroganter Arsch der an jeder Ecke Weiber aufreißt. Ich muss sogar zugeben, dass sie da nicht ganz unrecht hat, aber mir ist das ziemlich egal. Wir laufen zu meinem Bruder, doch Amy zieht mich am T-shirt. "Meinst du, ich kann mich zu euch setzen?" flüstert sie etwas nervös. Sie ist alleine unterwegs. "Natürlich!", sage ich und wir beide setzten uns hin. Dabei entgeht mir Adams genervtes Augenrollen nicht. Ich trete ihm leicht gegen das Schienbein, worauf er mich böse ansieht.

Die Türen des Zuges schließen sich und ich sehe aus dem Fenster zu meiner Familie. Amys Familie samt ihren drei kleinen Geschwistern hat sich zu meinen Eltern gesellt und winken uns zum Abschied. Auch wir winken ihnen zum Abschied, bis wir losfahren und sie schließlich nicht mehr sehen.

Viola NuvolaWhere stories live. Discover now