Kapitel 1

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Ich sitze im Bus zur Schule. Er ist relativ voll, was mich aber nicht störte da ich es mittlerweile gewöhnt bin. Normalerweise wäre ich mit meinem Motorrad zur Schule gefahren, doch das würde zu viel Aufmerksamkeit erregen und Aufmerksamkeit konnte niemals gut sein, zumindest nicht in meiner Position. Ich erregte schon viel zu oft die Aufmerksamkeit anderer und das nicht unbedingt immer positiv. Deshalb war es gut mich zurückzuhalten. Ich hatte wenig geschlafen, weshalb mich das laute Lachen der Kinder im Bus, die viel zu laute Musik aus den Kopfhörern meines Sitznachbarn und eigentlich alles mögliche nervös und aggressiv machte, trotz dessen ich selber Musik hörte. Gegessen hatte ich heute auch noch nichts, es würde noch einige Stunden dauern bis ich etwas runter kriegen würde. Auch wenn mir der Magen knurrt, wenn ich jetzt etwas essen würde, würde ich es eh wieder hochwürgen also gab ich mir gar nicht erst die Mühe um mich danach nur zu quälen. Der Bus machte eine Vollbremsung und alle flogen nach vorne. Alle außer mir. Ich musste leise in mich hineinlachen als ich sah, wie ein kleines Mädchen mit dem Gesicht gegen der eine Haltestangen stieß. Ja ich weiß, ich bin ein schrecklicher Mensch, aber das war mir egal. Das kleine Mädchen rieb sich die Stirne, welche rot angelaufen war. Ich kümmerte mich nicht weiter darum und schaute so gut es ging aus einem der Fenster, da ich leider einen Gangplatz erwischt hatte. Neben mir saß ein kleiner dicker Junge, mit kurzen blonden Haaren und roten Wangen. Er erinnerte mich an das Mädchen auf dem Etikett vom Rotbäckchen-Saft, nur halt als Junge. Wieder musste ich leicht grinsen. Während ich meine Schultasche auf meine Beine gelegt hatte, hatte er seinen Rucksack noch auf dem Rücken und saß nur halb auf dem Bussitz und ich fragte mich ehrlich, wie er eben bei der Vollbremsung nicht gegen den Sitz vor ihm knallen konnte. Ich sah wie es draußen anfing zu regnen und die Tropfen gegen die Fensterscheiben des Busses fielen. Na super, jetzt konnte ich gleich auch noch im Regen zur Schule gehen. Meine Belustigung war mit einem Schlag dahin. Da machte es auch nicht besser, dass der Junge, welcher mir schräg gegenüber saß, mich zu beobachten schien. Er schien südländisch zu sein, vielleicht aus Syrien oder der Türkei, das konnte ich nicht genau sagen. Seine fast schwarzen Haare waren leicht verstrubbelt aber trotzdem irgendwie ordentlich. Ich schaute zurück in der Erwartung dass er sein Blick senken würde oder so was, doch das tat er nicht. Ich runzelte die Stirn und schaute ihn fragend an im Sinne von „Hast du ein Problem?". Doch er senkte nur leicht herausfordernd den Kopf und sein dunkler Blick traf mich direkt. Innerlich erschauderte ich, doch das lies ich mir nicht anmerken. Ich nahm seine stumme Herausforderung an und lächelte ihn leicht böse an. Ich merkte wie meine Augen vor böser Freude anfingen zu funkeln, als er, eingeschüchtert von meinem Blick, woanders hinsah. Ich würde mal sagen, gewonnen. Ich beobachtete ihn noch bis in an meiner Haltestelle ankam. Zu meinem leichten Entsetzen sah ich, dass auch der Typ sich erhob um hier auszusteigen. Ich beschloss ihn nicht weiter zu beachten, da die Sache für mich nun abgeschlossen war. Doch er sah das anscheinend nicht so. Als ich hinter ihm ausstieg, sah ich, wie er immer wieder verstohlene Blicke zu mir warf, in der Hoffnung ich würde es nicht bemerken. Ich lachte leise auf und erhöhte die Lautstärke meiner Musik. Das hätte ich schon im Bus tun sollen. Dann zog ich die Kapuze meiner Jacke über meinen Kopf, damit ich nicht allzu nass werden würde. Ich versuchte mein komisches Gefühlschaos bestehend aus Aggression, Belustigung und Bosheit in den Griff zu bekommen, den vor mir laufenden Jungen nicht aus den Augen lassend. Als er um eine Kurve ging, drehte er seinen Kopf anschließend komplett zu mir um und unsere Blicke begegneten sich wieder. Falls ich seinen Blick richtig gedeutet hatte, schien er mir sagen zu wollen „Das ist noch nicht vorbei." Ich verstand zwar nicht warum, weil das der unnötigste Dreck war, dieses Spiel aus dem Bus weiterführen zu wollen, aber ich würde mich darauf einlassen. Er wird schon sehen was er davon hat, mich herauszufordern. Während ich zu meiner Schule abbiegen musste, lief er an ihr vorbei in die gegenüberliegende Schule.
Mittlerweile saß ich im Unterricht, der Regen hatte aufgehört als ich das Schulgebäude betreten hatte. Ich konnte mich nicht auf das konzentrieren was meine Lehrerin vorne von sich gab, dafür war ich zu müde. Und wenn ich müde war, war ich auch leicht reizbar. Zum Beispiel störte es mich total, dass das Mädchen eine Reihe vor mir mit ihren künstlichen Fingernägeln in irgendeinem Rhythmus auf den Tisch trommelte, das war fast schon so schlimm wie wenn jemand an seinen Nägeln knibbelt. Ich atmete tief ein und aus um meine aufsteigende Aggression in den Griff zu bekommen. Da das nicht funktionierte versuchte ich es damit, meine Fäuste zu ballen und die Aggression damit abzubauen. Da das auch nicht funktionierte bekam ich langsam das Verlangen dazu, dieses Mädchen anzuschreien, sie solle gefälligst damit aufhören oder ich würde sie umbringen. Da ich das aber bereits schon einmal getan und zum Direktor zitiert wurde, musste ich mich beherrschen es nicht noch einmal zu tun. Mir wurde damals eine Anti-Aggressions-Therapie empfohlen, doch das hatte ich sofort abgestritten weil es einfach eine dämliche Idee war. Immerhin ist es gerade die Schuld des Mädchens, dass ich aggressiv werde, ich mache es ja nicht mit Absicht oder so. Mein Nachbar, ein rothaariger Nerd mit Brille, drehte sich in meine Richtung und fragte mich etwas zu dem Unterrichtsgespräch was wir gerade zu führen schienen. Er nuschelte doch viel zu stark als dass ich nur ein einziges Wort hätte verstehen können. „Was?" zischte ich aggressiv. „Was du von dem Thema hältst habe ich dich gefragt. Wir haben die Aufgabe unsere Meinungen aufzuschreiben und sie dann mit einer anderen Gruppe auszutauschen." Innerlich stöhnte ich genervt auf und rollte mit den Augen. Ich hob meine Hand. „Ja bitte Shyvaya, hast du eine Frage?" ertönte die schrille Stimme meiner Geschichtslehrerin. „Darf ich auf Toilette?" fragte ich so lieb und nett wie es mir gerade möglich war. Die Frau ließ die Schultern hängen und sagte dann genervt: „Geh!" Ich sprang auf und lief aus dem Raum, die Treppen runter, geradewegs auf die Toilettenräume zu. Ich ging in eine der Kabinen und setzte mich auf den Klodeckel. Ich stützte meine Arme auf meine Beine und lies meinen Kopf hängen. Diese scheiß Aggressionen. Ich muss sie irgendwie loswerden. Ich fühlte mich total albern und dämlich. Das war total kindisch was ich hier gerade abzog. Sich in die Toilettenräume einsperren, wer macht das heute denn noch? Zu Hause würde ich jetzt herumschreien und irgendetwas zerstören. Dann würde ich weinen, auf Grund der Last, die beim zerstören des Objekts von mir abgefallen ist. Doch das ging jetzt nicht, ich musste die Wut in mich hineinfressen. Ich bin ein Kontrollfreak. Ich brauche die Kontrolle über jede einzelne Situation in der ich mich befinde. Wenn mir etwas gegen den Strich geht, wie heute zum Beispiel, ticke ich öfters mal aus. Man könnte sagen, ich werde zu einem Tsunami. Ich hob meinen Kopf, atmete noch einige male tief und aus, bevor ich die Kabinentür öffnete, noch einmal kaltes Wasser über meine Hände laufen lies und zurück in den Unterricht ging.
Die restliche Zeit wäre ich fast eingeschlafen. Ich hatte versucht alles auszublenden. Es hatte einigermaßen funktioniert. Nach weiteren Unterrichtstunden hatte ich jetzt endlich frei. Meine Augenlider waren so schwer wie schon lange nicht mehr. Ich freute mich auf zu Hause. Ich würde mich ein wenig ausruhen und dann heute Abend mit dem Bike raus fahren. Darauf freute ich mich gerade am meisten. Ich ging den Weg zu meiner Bushaltestelle mit hängenden Schultern, da ich keine Kraft mehr hatte, einigermaßen gerade zu laufen. Aber das war mir gerade, wie ziemlich alles im Moment, vollkommen egal. Ich könnte den Chauffeur meiner Familie anrufen, dass er mich abholen solle, aber das würde wieder zu viel Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht könnte man diese ganze Sache mit der Aufmerksamkeit auch als dämlich oder komplett überdramatisiert abstempeln, aber das war sie für mich nicht.
An der Bushaltestelle angekommen, setzte ich mich auf die Treppe eines verlassenen Bürokomplexes. Von hier aus hatte ich die perfekte Sicht über die wartenden Leute und konnte auch noch sehen, wann der Bus kommen würde. Außerdem konnte ich meinen viel zu warmen Kopf an den kalten Steinen abkühlen. Es standen noch nicht viele Leute hier, doch das würde sich in wenigen Minuten ändern, dann würde es hier vor allem von Schülern nur so wimmeln. Kurz schloss ich meine Augen. Es tat gut meine Augen auszuruhen. Ich wurde ruhiger. Mein Kopf wurde klarer und wurde nun nicht mehr so sehr von der Müdigkeit vernebelt. Der kalte Stein tat mir besonders gut. Ich überlegte ob ich eine rauchen sollte. Ich war Gelegenheitsraucherin. Ich war nicht abhängig, dennoch tat es gut mal hin und wieder eine zu rauchen. Doch ich entschied mich dagegen. Es würde reichen wenn ich es heute Abend tat. Ich öffnete meine Augen wieder und für einen Moment war meine Sicht verschwommen und ich sah alles in einem blau-grün Filter. Als ich wieder normal sehen konnte, entdeckte ich den Typen von heute morgen aus dem Bus wieder. Er stand bei seinen Freunden, schien ihnen allerdings nicht zuzuhören, da er in beiden Ohren seine Kopfhörer stecken hatte. Ich beobachtete ihn. Er hatte eine aufrechte Körperhaltung, trotz dessen seine Hände in seinen Hosentaschen steckten und sein Blick auf den Boden gerichtet war. Er war wahrscheinlich ein wenig größer als ich. Irgendwas an ihm strahlte eine besondere Persönlichkeit aus, es stört mich, nervt mich schon fast. Als würde er meinen Blick auf sich spüren, spannte er seinen Kiefer, hob fast unmerklich den Kopf und schielte zu mir rüber. Ich schaute ihn weiterhin desinteressiert an. Ich wusste, dass er es bemerkt hatte, doch statt sich ganz zu mir umzudrehen, tat er so, als würde er seinen Freunden zuhören. Lächerlich. Ich schaute nun auch weg und sah, dass der Bus angefahren kam.
Der Bus war wieder voll, doch was anderes hatte ich nicht erwartet. Durch konsequentes Drängeln und Schubsen hatte ich mir wie immer einen Platz ergattern können. Verausgabt saß ich jetzt auf dem Bussitz, meine Schultasche auf dem Sitz neben mir gelegt, da ich es jetzt nicht ausgehalten hätte wenn sich jemand neben mich gesetzte hätte. Unglücklicherweise hatte der Typ auch keinen Sitzplatz gefunden und stand nun in der Tür. Das heißt ich werde an ihm vorbei gehen müssen.
Als es dann soweit war, stand ich auf, schulterte meine Tasche und lief auf die Tür zu. Sein Blick, welcher bis gerade noch gen Boden ging, heftete sich nun auf mich und unsere Blicke begegneten sich wieder. Ich konnte nun deutlich die Nachricht in seinen Augen lesen und das wusste er, da er anfing zu grinsen. Ich senkte meinen Kopf, hielt den Blickkontakt dennoch aufrecht und lächelte böse zurück. Wer es wagte mich herauszufordern, musste auch mit den Konsequenten leben können. Und er würde sich jetzt niemals ausmalen können, auf was für ein gefährliches Spiel er sich gerade mit mir eingelassen hat. Ein Spiel, welches tödlich ausgehen wird.
Der Weg nach Hause dauerte so lange wie noch nie. Meine Beine kribbelten und meine Augen fielen mir fast zu. Fast hätte mich eben ein Auto angefahren. Der Fahrer, ein Nachbar, konnte gerade noch so ausweichen. Er fing an zu hupen, lies sein Fenster runter und rief mir irgendetwas von wegen „Pass doch mal auf! Diese Jugend von heute!" zu. Als ich mich dann aufgerichtet und umgedreht hatte, fuhr er sein Fenster wieder hoch und fuhr ohne ein weiteres Hupen oder einer Bemerkung davon. Das hatte ich dem Einfluss meines Vaters zu verdanken. Mein Vater war ein mächtiger Mann mit viel Geld. Alleine deshalb sollte man sich nicht ihm anlegen. Ihm gehören mehrere Anwaltskanzleien und kleinere Unternehmen. Wenn er wollte, konnte er seinen Einfluss sogar dafür benutzen, um zu bewirken, dass ein Mörder der bei frischer Tat ertappt wurde, für unschuldig erklärt würde. Das war ein großer Vorteil für mich. Leider auch ein riesiger Nachteil, da ich meinen Vater kaum zu sehen bekam. Meine Eltern leben getrennt, meine Mutter ist nach England gezogen und hat da ihr eigenes Unternehmen aufgebaut. Hin und wieder schickt sie mir Geld, aber mehr bekam ich auch von ihr nicht mit. Meist kümmerte sich unsere Haushälterin um mich. Sie kocht mir Essen, wäscht meine Wäsche und ist für mich da, wenn ich mal wieder ein offenes Ohr brauche. Was zwar nicht allzu oft vorkam, aber falls etwas wäre, wäre María für mich da. Unsere Villa kam in Sicht. Ein riesiges, modernes, weißes Haus mit einer großen Garage, einem Garten mit eingebautem Pool und riesigen Panoramafenstern, welche die Sicht auf den Strand Miamis freigaben. Das war unser privater Strandabschnitt, welchen mein Vater gleich dazugekauft hatte, als er das Haus hatte bauen lassen. Ich war nicht oft am Strand, sondern eher in einem der raren Waldstücke in Miami. Dort wollte ich heute Abend auch mit meinem Bike hinfahren und mich mit einer Freundin treffen. Doch vorher wollte ich mich etwas ausruhen und meine Schularbeiten erledigen.
Als das alles getan war, beschloss ich duschen zu gehen. Ich hatte mein eigenes Bad, es war direkt an mein Zimmer angebaut. Mein Zimmer war nicht überdurchschnittlich groß, aber schon so, dass ein großes Boxspringbett, ein Schreibtisch, mehrere Schränke und ein Flachbildfernseher an die Wand passten. Alles in einem schicken schwarz-weiß Stil gehalten. Mein Bad stattdessen war weiß-blau, wie es sich für ein Badezimmer gehörte. Meine Dusche war so riesig, dass locker zehn Leute reingepasst hätten. Nach dem duschen zog ich mir eine schwarze Leggins, military grüne Schuhe, ein ebenso grünes T-Shirt und meine Motorradjacke an. Dann schnappte ich mir meinen Helm und die Schlüssel meines Bikes und ging in die Garage. Ich spürte eine Vorfreude in mir, als ich mein Bike vor mir sah: eine mattschwarze Kawasaki Ninja ZX-10R. Ich fuhr das Garagentor mit einer kleinen Fernbedienung hoch. Dann startete ich den Motor und fuhr los.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man auf dem Bike sitzt, die Kraft unter sich spürt und der Fahrtwind an einem reist. Ich konnte einen lauten Jubelschrei nicht unterdrücken, als ich auf einer der Schnellstraßen meine Maschine hochdrehen konnte.
Ich musste an einer Kreuzung wegen einer roten Ampel halten. Die Maschine balancierte ich, indem ich einen Fuß auf den Boden stellte. Dann klappte ich mein Visier hoch, da es unter dem Helm nach einer Zeit ganz schön warm werden kann. Da ich wusste, dass diese Ampel Ewigkeiten brauchte, um grün zu werden, schloss ich meine Augen. Es war schon lange Abend und die Luft war schön kühl. Ich freute mich gleich meine Freundin zu treffen. Sie fuhr das selbe Bike wie ich, nur in einem metallic blau. Vor allem nachts sah das echt böse aus.
Ich machte meine Augen wieder auf, als ich hörte, wie ein Bus neben mir an der Ampel hielt. Er wollte abbiegen, während ich weiter geradeaus auf die Landstraßen weiterfahren wollte. Ich schaute mir die Fahrgäste an, da ich hier eh nichts besseres zu tun hatte. Es war nichts ungewöhnlich an ihnen, doch ein Gesicht stach heraus. Der Typ aus dem Bus. Er schaute mich an. Ich schaute zurück. In seinen Augen konnte ich eine Emotion aufflackern sehen, die ich nicht deuten konnte. Irgendwie fühlte sich sein Blick gleichzeitig warm aber auch unangenehm auf mir an. Am liebsten würde ich ihn weiter anschauen, da mich irgendetwas in seinen Augen faszinierte und mich in seinen Bann zogen. Doch ich klappte stattdessen das Visier runter, legte meine Hände wieder an den Lenker und wollte ein wenig vor ihm angeben. Ich sah, dass die Ampel auf der anderen Seite gerade gelb wurde, dass hieß, als nächstes würde unsere grün werden. Also zog ich die Vorderradbremse so fest an wie ich konnte, ging in den ersten Gang und gab Gas. Während meines Burnouts schaute ich ihn wieder an. Er dürfte meine Augen durch mein dunkles Visier gar nicht erkennen, trotzdem fühlte es sich so an, als würde er mir direkt hinein starren. Langsam bildete sich Rauch von meinen Reifen auf der Straße und bald war ich halb in dem Qualm verschwunden. Ich lachte laut, als die Ampel grün wurde und ich im ersten Gang anfuhr um gleich darauf mit einem Wheelie vorbeizuziehen. Ich musste grinsen bei der Vorstellung, was er wohl gerade von mir denken würde. Auf jeden Fall würde ich gleich Kate davon erzählen müssen. Ich brauchte diesen typischen Beste-Freunde-Rat um zu wissen, wie ich weiter mit ihm vorgehen sollte, da ich fühlte, dass das noch länger mit ihm andauern würde. Ich wusste zwar nicht, was genau da jetzt war, ob das nur für eine kurze Zeit so weitergehen würde, oder ob es sich über einen längeren Zeitraum erstrecken würde.
Ich war mittlerweile bei unserem Treffpunkt angekommen. Kate ging auf eine Privatschule, weshalb wir so oft versuchten uns zu treffen, wie es uns nur möglich war. Ich fuhr auf den kleinen Asphaltierten Platz in einem Wald, auf dem zwei Bänke nebeneinanderstanden. Auf eine dieser Banken saß Kate und schrieb etwas auf ihrem Handy. Sie hatte mich schon längst bemerkt, da man mein Bike nicht überhören konnte, doch sie schaute nicht auf. Stattdessen zeigte sie mir mit ihren Fingern ein Peace Zeichen, während ich mein Bike auf den Ständer stellte. Ich zog den Helm aus und schüttelte meinen Kopf, damit meine Haare wieder dahin fielen, wo sie hingehörten. Dann legte ich den Helm auf meinen Sitz und ging auf Kate zu. „Na, was geht?" Ich lächelte sie an, da sie jetzt zu mir hochschaute. Ich bückte mir zu ihr runter um sie zu umarmen und setzte mich dann auf die Bank neben der ihren. „Nichts und bei dir?" fragte sie mich zurück. Ich zuckte nur mit den Schultern, ich wollte nicht sofort mit dem Thema anfangen, da es zur Einführung unseres Treffens ein wenig langweilig war und ich keine Lust hatte, dass sie bis zum Ende darüber reden würde. Ich setzte mich gemütlich auf die Bank, winkelte meine Beine an und legte meinen Kopf auf meine Knie, Kate machte es mir gleich. Ich nickte zu ihrem Handy, was jetzt auf der Bank neben ihr lag. „Mit wem hast du so geschrieben?" Sie nahm ihr Handy, machte es kurz an um drauf zuschauen und legte es dann wieder hin. „Ach, nur so ein Typ von Facebook, du weißt ja." Ich lachte kurz. Kate war definitiv die hübschere von uns beiden, bei ihren blonden Haaren und ihren wunderschönen eisblauen Augen konnte ihr kein Typ widerstehen. Das zeigten vor allem die zahlreichen Nachrichten welche sie jeden Tag von vielen Jungs bekam. Trotzdem wollte sie es einfach nicht einsehen, dass sie wirklich gut aussah. Ich sah in den Wald hinein und fing an zu träumen. Ich merkte, wie erschöpft ich doch war, obwohl ich vorhin zu Hause ein wenig geschlafen hatte. Vielleicht lag es an meiner Koffeinsucht. Ich trank täglicher literweise Eistee. Ohne den konnte ich schon gar nicht mehr leben. Doch da ich heute nicht wirklich die Möglichkeit hatte, etwas zu trinken, spürte ich, wie die Ermüdung an meinem Körper zerrte und er nach Koffein verlangte. Doch heute würde ich nichts mehr trinken, ein paar Stunden mehr Schlaf würden mir sowieso mal guttun. „Shy? Was ist los? Du wirkst so... abwesend." Kate sah mich besorgt an. Natürlich merkte sie dass etwas nicht stimmte. Sie kannte mich manchmal besser als ich es selber tat. Doch ich schüttelte den Kopf. „Komm sag es mir. Ist wieder etwas mit deinen Eltern oder so? Du weißt, du kannst mit mir über alles reden. Du kannst auch gerne nach Hause wenn du keine Lust hast, wirklich, das würde mich nicht stören." Ich hob eine Hand und sie schwieg. „Nein nein. Es ist nichts. Da ist nur seit neustem so ein Typ im Bus." Sie machte große Augen. „Und dann sagst du es ist nichts? Komm, hau raus. Was läuft bei dir?" Ich vergrub mein Gesicht zwischen meine Knie und lachte. „Da ist gar nichts. Wirklich. Ich hab ihn heute sowieso zum ersten Mal gesehen. Er hat mich im Bus halt so komisch angeschaut." Ich hob meinen Kopf wieder um zu sehen wie sie reagierte. Doch sie hatte noch den selben Gesichtsausdruck und wartete gespannt darauf, dass ich weitererzählen würde. „Naja, man kann es nicht wirklich ein Blickduell nennen, sondern eher... keine Ahnung. Auf jeden Fall hab ich gesehen, dass in seinen Augen so etwas wie eine Herausforderung stand und dummerweise habe ich sie angenommen." Langsam merkte ich, wie dämlich ich mir wirklich vorkam. „Eine Herausforderung auf was?" Fragte Kate angeregt. „Keine Ahnung, wie gesagt, ich hab ihn heute das erste Mal gesehen." Sie klatschte begeistert mit einem breiten Grinsen im Gesicht in die Hände. Ich musste auch lächeln. „Was?" fragte ich sie lachend. Doch anstatt mir eine Antwort zu geben, kicherte sie nur krank. „Du siehst aus wie eine behinderte Robbe weißt du das?" Sie hörte auf zu kichern und nickte. „Ja, das weiß ich und jetzt erzähl weiter, ich sehe dir an dass da noch etwas kommen muss." Ich verdrehte die Augen. War das denn so offensichtlich? Ich lachte kurz. „Naja, ich hab ihn auf dem Weg hierhin gesehen." Meine Freundin richtete sich auf. „Uii wo denn? Habt ihr geredet? Hat er dich auch gesehen?" Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich stand an der Ampel und er saß im Bus neben mir. Er hat mich halt angeguckt. Mehr nicht." „Denkst du, er hat dich erkannt?" Ich zuckte mit den Achseln. „Naja, er hatte den selben Blick drauf wie heute morgen und als ich Hause gefahren bin, also denke ich ja. Naja, ich hab dann mein Visier runter gemacht, hab einen Burnout abgezogen und bin dann mit einem Wheelie weggefahren." Kate lachte laut auf und machte große Augen. „Das hast du nicht gebracht oder? Oh mein Gott ich kann es nicht glauben. Wenn er dich wirklich erkannt haben sollte, wird das morgen im Bus echt peinlich für dich werden." Ich setzte mich in den Schneidersitz. „Meinst du? Vielleicht hat er mich ja auch garnicht erkannt und gibt einfach jedem diesen Blick." Meine Freundin nickte. „Stimmt, er schaut einfach irgendwelche Bikerinnen an und gibt sich mit ihnen ein Blickduell, ist klar Shy, das glaubst du doch wohl selber nicht." Meine Stimme wurde lauter. „Ja es kann doch sein, dass er einfach ein Fuckboy ist und mit diesem Blick die Frauen um den Finger wickeln will und dann beschissene daran ist auch noch, dass es funktioniert. Mein Gott Kate, beim Aussteigen heute Mittag habe ich ihm direkt in seine Augen geschaut. Sein Blick war zwar herausfordernd und auch irgendwie böse, aber etwas in seinen Augen hat mich fasziniert und sie waren so schön und... ach keine Ahnung. Ich hör einfach auf über ihn zu reden." Kate warf mir einen vielsagenden Blick zu. Fragend schaute ich sie an, indem ich eine Augenbraue hochzog. „Du stehst auf ihn." stellte sie fest. Ich lachte und schüttelte meinen Kopf. „Auf gar keinen Fall. Ich kenne ihn erst seit heute und kenne kann man gar nicht sagen, ich habe nicht mal mit ihm geredet. Ich weiß nicht wie er heißt oder wie alt er ist. Ich weiß nur wie er aussieht und dass er ein Arsch ist." Kate stand auf und stellte sich neben meine Bank. „Warum sollte er ein Arsch sein? Erzähl mir, wie er aussieht." Während meiner Beschreibung lächelte sie. „Was meinst du wie alt er ist?" Ich verzog meinen Mund und versuchte mir, sein Gesicht wieder in mein Gedächtnis zu rufen. „Keine Ahnung, ich schätze so alt wie ich? Vielleicht jünger, vielleicht älter" Sie stolzierte auf ihr Bike zu. „Dann kann das ja kein so großer Unterschied zwischen euch sein." Auch ich stand jetzt auf und verschränkte die Arme. „Auf was genau willst du hinaus?" Sie zog ihren Helm auf und gab mir ihren typischen „du weißt was ich meine" Blick. Ich ließ meine Arme hängen und ging ebenfalls zu meinem Motorrad. „Und was schlägst du vor soll ich jetzt machen? Soll ich sein Spiel einfach mitspielen? Soll ihn ignorieren oder was?" Ich setzte mich auf mein Bike, den Helm hatte ich schon über den Kopf gezogen. Kate schaute mich durchdringlich mit einem leicht sadistischen Blick an. „Spiel sein Spiel nicht mit, sondern drehe es um und mache es zu deinem Spiel." Damit klappte sie ihr Visier runter, startete ihr Bike und fuhr davon. Ich fluchte, startete mein Bike ebenfalls und fuhr ihr hinterher.

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⏰ Terakhir diperbarui: Aug 21, 2021 ⏰

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