,,Manchmal ist der Tod besser." (Stephen King)

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Knack.

Das Holz bricht.

Knack.

Einmal, zweimal, dreimal.

Knack.

Drei Teile eines Stiftes, in der Größe identisch, doch vom Aussehen her vollkommen verschieden.

Sie legt die drei Bruchstücke parallel geordnet am oberen Ende des Tisches ab und wendet sich um, zum nächsten Tisch, zum nächsten Bleistift.

Das Ganze beginnt wieder von vorne: Dreimal zerbrechen, dreimal knack, dreimal ablegen und ordnen, nichts darf verrutschen, kein Unterschied für bloßes Menschenauge erkenntlich.

Nur nicht darüber nachdenken, immer nur weiter, weiter, einfach weiter, einfach nur weiter.

Drei kleine Schritte.

Der nächste Tisch.

Das Ganze beginnt abermals von vorne.

Sie sieht sich nicht um, sieht nicht die dutzenden Reihen von Tischen, die sie schon mit den drei, drei, ja drei Stücken bedeckt hat. Sieht nicht die endlosen, noch vor ihr liegenden Bleistifte auf ihren Unterlagen.

Versucht nicht sie zu zählen, die ungefähre Dauer ihrer Leistung abzuschätzen.

Freut sich nicht über ihre Errungenschaften, ärgert sich nicht über ihren mangelnden Erfolg.

Leidet nicht unter Zeitdruck, wundert sich nicht über die fehlenden Holzspäne, welche man bei dieser Art von Tätigkeit normalerweise erwartet.

Sie arbeitet weiter, wie am Fließband, wie in der Fabrik.

In ihrem eigenem Tempo, welches nie an Schnelligkeit verliert oder gewinnt.

Weiter, einfach nur weiter.

Keinen Gedanken an den Sinn der Arbeit verschwenden, dieser nur schwererkennbare, wenn überhaupt vorhandene, Sinn.

Keine Unterbrechung, keine Verzögerung.

Nichts.

Nur Knack, dreimal knack.

Die Absätze ihrer schwarzen Schuhe verursachen ein Klack bei jedem Schritt.

Dreimal Knack, dann dreimal Klack.

Knack.

Knack.

Knack.

Klack.

Klack.

Klack.

Zwei Geräusche, kaum hörbar und doch- in dem endlosen Raum ertönten sie so laut und klar artikuliert wie Pistolenschüsse.

Es hallt.

Ein Wusch, wenn sie den Stift anhebt.

Eine Bewegung, ein Luftzug, mehr nicht.

Nur Wusch.

Durch ihre Hand ausgeführt, durch ihre Hand erschaffen.

Wusch, Knack, Knack, Knack, Klack, Klack, Klack.

Dazwischen?

Nichts.

Doch!

Noch in weiteres, ein kleines weiteres Geräusch, nur noch eine weitere Unterbrechung (Störung) dieser Stille.

Klock.

Dreimal ein Klock.

Nur zu vernehmen, wenn sie die Teile ablegt.

Kein Atem, kein Reden, nichts.

Nichts.

Nur Wusch. Knack. Knack. Knack. Klock. Klock. Klock. Klock. Klack. Klack. Klack.

Stille.

Etwas ist anders.

Auf de nächsten Tisch liegt etwas Neues.

Klack. Klack. Klack.

Wusch.

Sie streckt ihren mit roten Schnitten und Narben übersäten Arm aus, nimmt es in die Hand, betrachtet es.

Und (plötzlich) weiß sie genau, was sie zu tun hat.

Sie hat (ihre Bestimmung) den wahren Sinn ihres Daseins gefunden.

Sie hält sich das Etwas an die Schläfe.

Ein Lächeln breitet sich auf dem früher so ausdruckslosen Gesicht aus.

Ihre Augen leuchten.

Sie glänzen voller Freude.

Ihr Finger bewegt sich.

Bewegt sich zum Abzug.

Berührt ihn.

Drückt ihn.

Knack.

Ein Knall.

Stille.

Keuchend wacht sie auf.

Sieht sich panisch in ihrem Zimmer um.

Fühlt ihren Puls, spürt ihr wie wild klopfendes Herz.

Realisiert, dass sie geträumt hat.

Dass Alles nur ein Traum war.

Und wünscht sich zurück.

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NirwanaWhere stories live. Discover now