Mein erstes Buch war Zwangs-Lektüre, eine echte Qual. Ich bekam es von einer Tante geschenkt, die glaubte, höheren Geist in der Familie vertreten zu müssen, und sogar ein Modejournal abonniert hatte. Es war ein Weihnachtsgeschenk, Ich war 19 Jahre alt, und es war ein echt langweiliges Buch. Viel zu dick und eine zu kleine Schrift.
Ich hatte mich jetzt nicht wirklich gefreut. Aber erstmal müsste ich euch etwas zu meiner Familie erzählen. Meine Familie ist von der eher gebildeten, oder auch der sogenannten 'Streber-Familie' Richtung. Bei ihnen ist das Motto: 'Solange du mindestens ein Buch besitzt, bist du ein wahres Familienmitglied'. Und genau deswegen verspotten sie mich. Ich besaß kein einziges Buch. Nur eine alte Schullektüre. Aber diese ist nicht mehr aufzufinden, womit ich auch ziemlich zufrieden war. Aber nun besitze ich ja dieses komische Buch von meiner Tante. Als sie es mir in die Hände drückte und mich mit einem falschen Lächeln ansah, verdrehte ich nur kurz die Augen und bedankte mich leise. Darauf bekam ich, so wie immer, keine Antwort. Und somit war mein Weihnachten gelaufen und ich ging sofort auf mein Zimmer, um mich weiterhin mit meiner Serie zu beschäftigen. Aber neugierig war ich auch, weshalb ich nach zwei Folgen meiner Serie, mir das Buch nahm und anfing, die ersten paar Seiten zu lesen. Aber was danach geschah, war mir sofort bewusst. Ich schlief mit dem Buch auf meiner Brust friedlich ein.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fühlte es sich irgendwie komisch an, weswegen ich mich genau umschaute. Ich war einfach nur verwirrt. 'Wo bin ich? Wem gehört dieses Zimmer? Und was hab ich da bitte an?' Das waren die Fragen, die mir sofort in den Kopf kamen. Ich stand auf und ging mit schnellem Schritt auf den Spiegel, welcher am Kleiderschrank befestigt war, und schaute mich an. Meine Augen weiteten sich. 'Wer bin ich? Und was passiert hier bitte?'
Schnell machte ich mich auf den Weg nach unten und sah wie, zwei für mich fremde Personen, am Essens-Tisch saßen und gemütlich ihr Frühstück zu sich nahmen. Die Frau bemerkte mich anscheinend, denn ihre Blicke wandten sich zu mir und schon sah ich dieses Lächeln in ihrem Gesicht. "Guten Morgen, mein Engel. Wie hast du geschlafen?" Nun war ich noch verwirrter als vorher. 'Sind das "meine" Eltern?' Aber eine Frage ist noch immer groß in meinem... oder eher gesagt in dem Kopf von der Person in der ich stecke geschrieben... 'WER bin ich?'
Ich antwortete nicht, was zwei besorgende Blicke auf mich leitet. "Was ist los? Hast du keinen guten Schlaf gehabt?" fragte mich der Mann, der noch gemütlich in sein Brötchen rein biss. Ich entgegnete seinen Blick. Aber mein Blick war im Gegensatz zu seinem Blick mehr verwirrt. Wir schauten uns für wenige Sekunden an, als die Frau aufstand. Dabei schaute ich mir sie genau an: Ich schätze sie auf Mitte 40, schwarze kurze Haare und hell-brauen Augen. Nicht zu dünn aber auch nicht sehr dick. Sie trug eine weiße Bluse mit zierlichen Blumen und dazu eine helle Jeans Hose, was sie mit schwarzen, hohen Schuhen kombinierte. "Erzähle es mir später okay? Ich muss schnell zur Arbeit. Mein Meeting ruft. Dein Papa fährt dich zur Schule. Also mach dich soweit fertig und frühstücke ein wenig." zum Abschied gab sie mir einen kurzen Kuss auf die Stirn und ging in den Flur. Dort nahm sie sich ihre Handtasche, ihre Dokumente und die Autoschlüssel. Noch einmal rief sie ein 'Tschüß' durch den Flur bevor man ein leises Schließen der Tür wahrnahm. Der Mann, welcher anscheinend mein Vater sei, räusperte sich und wies mich nochmal darauf hin, mich umzuziehen. Ich hatte total vergessen, dass ich noch in den Shorts und in dem 'Guns of Roses' T-Shirt hier stand.
Ich ging also nach oben, um mich dort noch fertig zu machen. Als ich in meinem Zimmer stand, atmete ich nochmal tief ein. 'Ich muss unbedingt mehr über mich herausfinden...', das war mein einziger Gedanke.
Aber...Wie sollte ich mich mehr über mich herausfinden, ohne das es komisch für andere klingt...Ich kenne mich hier nicht mal aus...
Das könnte ein echtes Abenteuer werden...Und komme ich hier jemals wieder raus, um mein normales Leben weiterzuführen? Zu viele Fragen tauchten wieder in meinem Kopf auf. Ich schaute mich ein weiteres mal im Spiegel an und seufzte. Mit den vielen Fragen in meinem Kopf ging ich dann langsam runter.
Ich wurde sofort von dem lächelnden Mann empfangen. Ich beugte mich runter, um nach den Schuhen zu greife als ich nur hörte, wie die Tür auf ging und dann wieder zufiel. Ich seufzte ein weiteres mal. Es war definitiv zuviel für mich. Ich konnte nicht damit rechnen, das ich plötzlich im Körper von einer anderen Person bin. Aber...wenn ich hier bin: Wo ist dann das Mädchen, dem dieser Körper gehört?
Ich ging dann auch mit der Tasche auf meiner Schulter raus und bemerkte, dass ich nun nichts gefrühstückt hatte. Aber ändern kann ich daran nichts. Ich stieg dann, ziemlich ruhig, in das Auto ein und schnallte mich an. Ich muss schon zugeben: Es ist ein schönes Auto. Ein schlichtes und elegantes Auto. Die verschiedenen Graustufen ließen es noch ein wenig edler wirken. Und mit dem bestaunen des Autos fuhren wir nun los.
In die Schule, mit weiteren unbekannten Gesichtern. Nun sind noch mehr Fragen in meinem Kopf. 'Hat sie viele Freunde?' 'Hat sie vielleicht sogar einen Freund?' 'Wie soll ich denn bitte gleich reagieren? Ich weiß nicht mal meinen Namen...'
Ich grübelte weiterhin über meinen Plan, wie ich nun gleich auf die, für mich fremden Menschen, reagieren sollte, als mich die Stimme des Mannes, oder eher gesagt meines Vaters, aus meinen Gedanken in die Realität brachte.
"Also, mein Engel...Ich habe da mal eine Frage an dich..." bei dem Satz schaute ich ihn ein wenig nervös an und lächelte ihn an um ihn zu zeigen, dass ich ihm zuhöre. "Warum redest du nicht? Haben wir irgendetwas falsch gemacht, dass du nicht mit uns redest? Oder gab es einen Vorfall in der Schule?"
Ich schluckte. Mit so vielen Fragen hatte ich nicht gerechnet. Aber da wir nun an einer Ampel standen und er mich erwartend anschaute, musste ich ihm eine Antwort geben. Ich hatte nicht mal diese Stimme gehört. Ich wurde immer nervöser, da mich sein Blick schon fast durchbohrte. Also zog ich genügend Luft ein und ließ diese wieder raus. Ich fasste meinen Mut zusammen und fing an, ihm zu antworten...
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Captured
DiversosEs begann alles an Heiligabend. Meine Tante schenkte mir dieses Buch. Es sah erst total langweilig aus. Ohne Bilder und mit einer, für meinen Geschmack eher, zu kleinen Schrift. Es war nicht unbedingt meine Richtung. Die Geschichte selbst klang, dur...
