Ich bin keine Romanheldin und es geschah auch nicht so, wie es vielleicht aus Büchern kennt oder wie man sich sein erstes mal wünscht, aber es ist meine Geschichte, die wahr ist, irgendwie seltsam, und schwierig zu beschreiben.
Wie ich ihn kennen lernte entspringt keinem Buch oder den Gedanken eines großartigen Schreiberlings. Wir sahen uns nicht gegenseitig an und wussten sofort dass wir uns unsterblich ineinander verliebt hatten. Um ehrlich zu sein erinnere ich mich nicht mehr genau an den Tag, an dem ich das erste mal mit ihm sprach oder das erste mal seinen Namen las. Vermutlich war es ein später Abend im späten Winter oder dem ersten Frühlingsmonat an dem ich gehetzt zwischen Akten und Glöckchen-läuten hin und her sprang. Ganz und gar nicht so, wie man es sich wünscht. Aber ich war es gewohnt.
Die erste Erinnerung, die ich von ihm habe, ist, wie er selbstbewusst an einen Schrank gelehnt stand, seine Finger auf das frisch lasierte Holz trommelten und er bei mir einen Burger bestellte. Ich fragte ihn, ob er denn Bacon dazu wolle oder Käse, und natürlich versicherte ich ihm, er könne auch beides haben. Natürlich.
Ich erinnere mich daran, wie ich mich schämte ihn darauf aufmerksam zu machen dass ich eigentlich genau an den Schrank gehen musste, vor dem er stand und dass ich eigentlich weiterarbeiten sollte um pünktlich nach Hause zu gehen, wo sowieso niemand auf mich wartete. Er ging nach draußen zu den anderen und ich weiß noch dass ich anders als Romanheldinnen, die wohl selbstbewusst und mit aufgeknöpfter Bluse vor ihm herum getänzelt hätten, meinem Kollegen die Bestellung überließ, nur um nicht mehr unter seinem durchdringenden Blick rot anzulaufen. Ganz und gar nicht so, wie man es sich wünscht. Aber ich war es gewohnt.
Das letzte was ich von diesem Abend noch in Erinnerung behielt, war, wie er mich fragte, ob ich denn mal etwas mit ihm trinken gehen möchte. Und natürlich antwortete ich nicht so, wie es sich für eine Romanheldin gehörte. Natürlich erzählte ich von meinen monströs langen Schichten die keinerlei freien Tag zuließen, und wenn ich denn mal nicht in meiner Uniform steckte hätte ich Terminen nachzugehen und Besorgungen zu machen. Ganz und gar nicht so, wie man es sich wünscht. Aber ich war es gewohnt.
Er lächelte, schon wieder, entgegnete ein "Schade" und ging auf sein Zimmer, wo er wahrscheinlich tief und fest schlief in der Nacht, ab der sich für mich die schlaflosen Nächte häuften. Ich gab ihm eine Antwort, die ganz und gar nicht so war, wie man es sich wünscht. Aber ich war es gewohnt.
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Used to it
Short StoryEr hat gelächelt, ich habe mich verliebt. Er hat gelogen, ich habe ihm geglaubt. Er stieß mich weg, ich kam zurück. Er sagte nie, er würde mich lieben. Er sagte immer, er sei der Falsche für mich, könne mir nicht das geben, was ich suchte. Er fragte...
