Spielerisch tänzelten die Regentropfen die Fensterschräge herab und landeten am Ende in einem kleinen Fluss in der Regenrinne, welche sich am Fuße des Fensters befand. Ich saß drinnen, in eine flauschige gelbe Wolldecke gewickelt mit einem Buch auf dem Schoß und schaute verträumt dem Tanz der Regentropfen zu. Ein sehr regnerischer Frühlingstag. Das Orasseln beruhigte mich und die Aufregung der letzten Tage fiel von mir ab.
Ganz abgelenkt vom Regen hatte ich schon längst vergessen, um was es auf der Seite im Buch, welches ich gerade las, überhaupt ging. Es war ein Thriller, welcher im Kongo spielte. Irgendein seltsamer Fund hatte die Protagonisten aufgescheucht und nun geht es ans Ermitteln.
Auch wenn Regen oft mit Traurigem verbunden wird und viele Leute miese Laune deshalb bekommen, liebte ich Regen im Frühling. Ich liebte den frischen Geruch, der einen umhüllte und je nach Monat wehte eine angenehme Brise durchs Zimmer. Ich öffnete immer mein Fenster, wenn es zu regnen anfing. Es war einfach beruhigend dem Geräusch zu zu hören, wenn die Regentropfen auf die Fensterscheibe platschten und dann langsam runter rutschten. Heute ließ ich die das Fenster aber geschlossen. Ich genoss die Wärme des Kamins, da es draußen doch noch etwas frisch war.
Ganz in meine Träumerei hatte ich wohl das Klopfen ganz überhört.
„Erde an Joo.“ Mein Name wurde langgezogen und der süße Duft von heißer Schokolade stieg mir in die Nase. Ich riss mich aus meinen Gedanken und schaute in die eisblauen Augen meines Mitbewohners Pietro. Seine fast weißen Haare hingen ihm ins Gesicht. Jack nannte ihn liebevoll „Pusteblume“. Trotz des fast schon grausam dunklen Ansatzes sah er wirklich gut aus. Er war ein trainierter junger Kerl, der sich wirklich gut mit Jack verstand. Mein Adoptivsohn war oft noch sehr schüchtern, doch Pietro vertraute er sich recht schnell an.
„Schläfst du denn schon im Sitzen?“ Mein Mitbewohner grinste breit und hielt mir eine große Tasse entgegen
„Fast,“ erwiderte ich und nahm die Tasse mit einem Lächeln entgegen. Wir beide sind uns in letzter Zeit auch recht nahe gekommen. Eine gewisse Spannung liegt zwischen uns, doch ich traute mich noch nicht, den nächsten Schritt zu wagen. Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Männern und ich wusste nicht, wie sich das dann auf die Arbeit auswirkte. Wir beide arbeiteten als Nachwuchshelden in einem Team von Superhelden.
Pietro grinste weiter, setzte sich zu mir und nippte etwas an seiner Tasse.
„Jack spielt mit Wanda?“, fragte ich in der Hoffnung, er würde mir die Nervosität nicht anmerken. Ich war nie der nervöse Mensch, eher im Gegenteil, ich improvisierte, wenn es eine Situation verlangte. Bei einem Kind mit dem Alter von drei Jahren musste man spontan Handeln. Anders ist es gar nicht möglich.
Pietro nickte und sah mich dabei von der Seite an. Wie sehr ich in seine Augen schauen wollte um mich in ihnen zu verlieren.
„Sie meinte, dass sie ihn etwas beschäftigt,damit wir etwas Zeit für uns haben.“
Diese Hexe. Natürlich macht sie das. Sie versucht uns schon seit Wochen zu verkuppeln.
„Echt süß von ihr“, antwortete ich schnell und trank schnell einen Schluck heiße Schokolade. Zu schnell. Die Hälfte spuckte ich wieder aus und streckte frustriert die Zunge raus. Ich hatte mich verbrannt.
Mein Mitbewohner fing an zu lachen. „Keine Angst, es trinkt dir keiner was weg.“
Ich spürte, wie meine Wangen rot anliefen. Ein weiteres Talent von mir: Mich in den unpassensten Situationen bis auf die Knochen blamieren.
Peinlich berührt pustete ich etwas in die Tasse. Wir saßen eine ganze Weile schweigend da und lauschten dem Regen, der inzwischen sogar etwas stärker geworden war. Es war eine angenehme Stille, keiner dieser peinlichen Schweigemomente, bei denen man sich am liebsten vergraben hätte.
„Wollen wir uns später einen Film ansehen? Ich hab einen tollen Horrorfilm gefunden, der dir sicher gefallen wird.“
Er kannte meine Schwächen einfach zu gut. Inzwischen war die Schokolade angenehm warm und ich nahm einen Schluck.
„Gerne. Was für einen denn?“, fragte ich noch neugierig, während ich meine Decke etwas enger um mich schlang.
„Das wird eine Überraschung.“ Er grinste mich dabei frech an und trank seine Tasse aus.
Gespielt schmollend schob ich meine Unterlippe nach vorne. „Das ist fies“, musste dabei aber trotzdem grinsen.
„Ich bringe Jack um sieben Uhr ins Bett. Soll ich dann ins Wohnzimmer kommen?“ Auch ich trank meine Schokolade leer, behielt die Tasse aber vorerst noch bei mir und wärmte meine Hände etwas an der Tasse.
„Ich dachte eigentlich, dass wir entweder in deinem Zimmer bleiben oder in meins gehen.“ Er schaute mich an und wartete auf meine Reaktion. Ohne mir etwas anmerken zu lassen nickte ich kurz und gab ihm schnell die Tasse. „Klar, können wir auch machen.“
„Super, dann komm ich später vorbei. Ich bring auch was zu Knabbern mit!“, sagte er fröhlich und nahm meine Tasse wieder, blieb aber noch für einen Moment sitzen.
„Es ist echt süß, wie du deine Schüchternheit versteckst. Aber ich hab nicht mehr vor als einen Film mit dir zu schauen.“ Wieder grinste er und beugte sich etwas nach vorne.
Er küsste mich sanft auf die Wange, jedoch nur knapp neben die Lippen und lächelte dabei. Sein Bart kitzelte leicht auf meiner Haut und sein Atem roch angenehm nach Schokolade.
„Ich freue mich schon“, sagte er leise und stand dann langsam auf.
Er lies mich mit roten Wangen und einem „Bis später“ im Zimmer zurück.
Es war wieder still bis auf den Regen, der gleichmäßig gegen das Fenster trommelte. Es war ein wirklich schöner regnerischer Frühlingstag.
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Diese Kurzgeschichte gehört zur Frühlingschallenge auf Autoren Amino! ♥︎ Dabei sind mein eigener Charakter Jo (OC, weiblich) und Pietro aus den Avengers Filmen ^^
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Box of Fan-Fictions
FanfictionEin weiterer Kurzgeschichtenband, allerdings für meine ganzen Fandom Kurzgeschichten! Von Harry Potter bis Marvel und DC! [Fandom wird mit in den Titel geschrieben]
