„Hab ich einen Hunger! Kommst du mit Essen, Liv?"
Meine beste Freundin Cara sah mich fragend an, während sie ihr Mathebuch und Hefte in die Tasche stopfte.
„Geht nicht" schüttelte ich entschuldigend den Kopf. „Ich muss noch zum Di."
Di (Dei), war unsere Abkürzung für Direktor Cutter. Ein sehr strenger älterer Mann, der viel wert auf Ordnung und Fleiß legte.
„Oh nein, du Ärmste! Ich würd ja gern mitkommen, aber wenn er mich sieht bekommt er direkt schlechte Laune und du weißt, dass er dann unerträglich ist. Selbst wenn seine Lieblingsschülerin..." Cara bohrte mir mit dem Zeigefinder in den Arm „... vor ihm steht!"
Ich grinste.
Aber diesmal hatte sie ausnahmsweise mal recht. Cara und Cutter standen schon seit Jahren auf Kriegsfuß, weshalb sie auch mindestens einmal im Monat per wütender Durchsage in sein Büro gerufen wird.
Eigentlich seltsam, dass ausgerechnet wir beide beste Freunde geworden sind.
Die chaotische Cara, die mit ihrer offenen Art kein Blatt vor dem Mund nahm und zum größten Teil erst redete bevor sie dachte und ich, ... ja halt ich.
Über mich gibt es nicht viel zu sagen.
Ich bin der wohl geordnetste Mensch auf diesen Planeten, Vorsteherin des Planungskomitee und Klassen- und Schülersprecherin.
Fehlte nur noch die Einser-Schülerin, dann wäre das Klischee perfekt, aber das kann ich nicht behaupten. Ich bin einfach die perfekte Durchschnittsschülerin!
„Ich schaff das schon alleine! Ich komme dann nach"
Erleichtert nickte Cara.
„Gut, bis später. Ich setze mich zu Josh und den anderen Machos. Aber keine Angst, ich lasse die Finger von deinem BF" und schon war sie weg.
Ordentlich packte ich meine restlichen Bücher in meine Tasche und begab mich auf dem Weg zum Büro des Di's.
Meine Hoffnung auf einen gut gelaunten Direktor zerplatzte, als ich schon das Geschrei hörte, dass aus seinem Büro drang.
Vorsichtshalber setzte ich mich auf die Bank vor dem Raum und wartete bis sich die Lage etwas beruhigt hatte.
„Ich hab Ihnen schon 1000 mal gesagt, dass Sie nicht einfach so in mein Büro zu kommen haben. Raus, Ducette!!"
Die Tür wurde aufgerissen und ein Junge kam heraus. Ich kannte ihn vom Sehen und Hören. Er war genauso wie ich in der 12. Stufe, allerdings war er älter als ich.
Es wurde erzählt, dass er ein ziemlicher Draufgänger war und kein Respekt vor den Lehrern hatte.
Letzte Woche war er noch mit seinem Motorrad durch die Schulflure gerast, was ihm gewaltigen Ärger einbrachte.
Um nicht neugierig zu wirken, schaute ich schnell weg und fand plötzlich die Arbeit der Reinigungskraft, die gerade den Boden wischte, höchst interessant.
Die Bank auf der ich saß, knarrte als sich der Typ darauf fallen ließ. Ich spürte direkt seinen Blick auf mir, doch tat als merke ich es nicht.
„Hey Nancy!" verwundert sah ich ihn an, doch diesmal beachtete er mich nicht. Stattdessen versuchte er die Aufmerksamkeit der Reinigungskraft zu bekommen. Sie war eine vielleicht 40 jährige, etwas pummelige, aber sehr hübsche Latina.
„Letzte Woche bin ich 18 geworden. Wissen Sie was das bedeutet?"
‚Nancy', wie die Frau anscheinend hieß, quittierte den Kerl mit einem gelangweilten Blick.
„Dass man sie als Erwachsener vor Gericht stellen kann?"
„Nancy! Sie brechen mir das Herz!" gespielt schmerzhaft hielt er sich die Hand an die linke Brust.
„Das bedeutet, wir können endlich zusammen durchbrennen. Nur wir beide!"
Ich grinste heimlich, als Nancy augenverdrehend ihren Wischwagen nahm und ohne zu antworten den Flur wechselte. Doch anscheinend fand er den Korb gar nicht so tragisch, sondern lächelte ihr nur belustigt hinterher.
STAI LEGGENDO
Bis zum nächsten Stern
Teen FictionDie ruhige, durchgeplante und ordentliche Livia Morton und der große, draufgängerische Quarterback Joshua Brown. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Aber wie heißt es doch so schön: Gegensätze ziehen sich an. Und genauso ist es auch bei den...
