Prolog

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Manch einer sehnt sich danach, ein anderer verflucht es:

Das Gefühl seinen eigenen Körper zu verlassen. Nur einen Moment lang über sich zu schweben und alles aus einer angenehmen Vogelperspektive zu betrachten, umgeben von einer scheinbar alles umfassenden Sicherheit hoch über den Köpfen der anderen. Und alle Probleme wirken auf einen Schlag fern.

Sie erlebte das jedes Mal, wenn man die Tests an ihr durchführte. Doch dieses Gefühl der Sicherheit biss sich mit dem des Kontrollverlustes. Denn wie es schien, konnte sie ihren Körper von dort oben aus nicht steuern. Nicht vergleichbar mit einem Marionettentheater, eher einem Film. Sie bewegte sich ohne sich zu bewegen und sprach manchmal ohne zu sprechen. Ihre Sinne nahm sie alle wahr, nur in der Handlung übernahm sie eine passive Rolle. Als würde jemand anders die volle Kontrolle über ihren Körper beanspruchen. Die Männer stützten ihre wackligen Schritte und führten sie auf einen Stuhl. Dennoch fühlte sie sich alles andere als schwach. Vielleicht eine weitere Wirkung des Medikaments. Man könnte meinen, sie müsse sich unwohl fühlen, aber sie hatte ja eingewilligt. Die Tests waren vollkommen legitim, das stand fest. Und schließlich bekam sie Geld dafür. Und das brauchte sie. Nebenwirkungen traten nicht auf, aber erinnern konnte sie sich im nachhinein leider nicht immer an alles. Die Männer zerrten an ihr rum, während man Abstriche von Haut und Mund nahm und vorsichtig eintütete.

»Still halten, Miss Caufield!«, ermahnten sie einer von ihnen.

Helles Licht leuchtete in ihre Augen und es wurden Bilder von Pupillen und Lied gemacht.

»Dr. Newton, sehen sie sich das mal an«, rief einer der Ärzte einem anderen zu, während er ihn zu sich heran winkte.

Die Ärzte trugen weiße Kittel, die Männer vornehme, schwarze Anzüge. So viel konnte sie selbst noch mitbekommen, bevor es wieder düster wurde. Das Licht wurde weniger, nicht das im Raum, sondern ihr eigenes. Als würde jemand ihre Sicht vernebeln. Sie kannte diesen Zustand. Sie zählte langsam von 5 herunter. 4 - es wurde dunkler und dunkler, 3 - sie konnte kaum noch etwas von dem Geschehen um sie herum erkennen, 2 - die Dunkelheit umgab sie wie ein undurchdringlicher Schleier, 1 - es war vollkommen düster und sie wurde zunehmend müder, 0 - Alles taub, ein Zustand ähnlich des Schlafens, aber ungewohnt traumlos.

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