1. Kapitel

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L A N I Y A H

Mein Arm liegt an der kühlen Fensterscheibe und eine Gänsehaut zieht sich an ihm bis hinauf zu meinem Nacken. Doch auch das veranlasst mich nur dazu mich noch ein wenig tiefer in den bereits von mir erwärmten Sitz zu rutschen und meine Nase ein wenig mehr in meinen großen Schal zu kuscheln.

Meine Augenlieder wiegen schwer, ein Seufzer verlässt schleichend meine Kehle. Leise schleicht sich Lany den Weg durch mein Gehör. Es scheint alles so einfach, so leichtfüßig.

Ich tagträume, weiße dicke Flocken fallen auf mich hinab, verlieren sich auf mir, schmelzen und umgeben mich nun vollkommen.

Es ist ein wundervolles Gefühl.

Dies wiederholt und wiederholt sich stetig. Doch nun sind es nicht mehr nur einzelne dicke weiße Flocken, nein, nun wirbeln sie mit einem Mal wild durch die Luft, verbinden sich und werden größer.

Wie auf Knopfdruck werden sie schwerer, fallen hinab, schneller als zuvor, bedecken nun meinen gesamten Körper. Sie schmelzen, es werden immer mehr und mehr. Es gibt kein Halten mehr, keinen Stop Knopf den ich betätigen könnte. Eine Pfütze bildet sich, lässt meine Stiefel versinken, erst zur Hälfte und dann ganz und gar.

Stumme Schreie verlassen meine Kehle, als ich bereits zur Hälfte versunken da stehe. Es wird kein Entkommen geben. Mein Körper wie gelähmt, das kühle Nass lässt mich schlottern. Durchweicht die Schichten Stoff.

Die Luft bleibt mir weg.

Ich ertrinke.

Meine Augenlieder flattern.

Scharf sauge ich die Luft ein.

Verschlucke mich.

Sehe weiß.

Reiße mir die Köpfhörer von den Ohren.

Mein Herzschlag fest.

Ich lebe, ich bin hier. Hier in mitten eines Zuges, ich lebe.

Ich kann bereits verschwommen die Passagiersitze vor mir ausmachen. Kann bereits die mich umgebene Wärme spüren. Die leisen Stimmen weiter vorn.

Ich rutsche in meinem Sitz herum, mein Blick fällt auf die beschlagene Scheibe links von mir. Ich möchte sie mit meinem Handballen frei machen als-

"Es tut mir aufrichtig Leid. Ich möchte nicht dass du dich erschreckst.", der Finger welcher sich von hinten in mein rechtes Schulterblatt bohrt lässt mich zusammenzucken. Aprupt weiche ich nach vorn und drehe mich um.

Ein einladenes doch zögerndes Lächeln überrascht mich. Grübchen zeigen sich und lassen mich stutzen.

"Geht es dir gut? Du schienst zu schlafen als du plötzlich zu zucken und zu krampfen begannst, doch du hast meine Stimme nicht wahrnehmen können.", seine raue Stimme erreicht mich und ich klammere mich fester an meinen Sitz.

"Ich uhm, es tut mir Leid.", sage ich, streiche mir nervös eine verirrte Locke hinter mein Ohr.

Er wirkt verwirrt, unschlüssig. "Es muss dir nicht Leid tun, doch mir sollte es, denn ich konnte dich dort nicht herausholen." Für einen Moment hält er inne "Dir helfen."

Mir helfen. Seine Worte überschlagen sich in meinen Gedanken. Seine Augenbrauen ziehen sich besorgt zusammen, seine weichen Gesichtszüge verhärten sich und ich weiß nicht was ich darauf erwidern soll. So schaue ich nur hinunter auf die Lehne und drehe mich schließlich langsam wieder herum.

Ratlosigkeit durchzieht meine Gedanken. Als wären selbst sie nun verstummt.

"Odinn. Odinn Greenwood.", leise dringt seine Stimme durch mein Ohr, ganz nah.

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⏰ Last updated: Dec 23, 2017 ⏰

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