Depression

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Sie kam wieder aus der Schule. Wieder komplett zerstört. Ihre Mutter fragte sie wie immer, wie es in der Schule war. Gut war es. Die übliche Antwort. Dabei war es das ganz und garnicht. Sie wurde wieder gemobbt. Wieder ausgeschlossen. Und wieder wurde sich über sie lächerlich gemacht. Wieder wurde sie ausgelacht. Und wieder konnte sie sich nicht zurückziehen. Aber es war gut. Und es war das letzte Mal. Sie muss das nicht mehr durchmachen. Sie muss sich das nicht mehr gefallen lassen. Denn heute beendet sie es. Sie beendet alles. Was ihre Freunde denken werden? Was ihr Familie denken wird? Und wie wird ihr Haustier reagieren? Sie wird es nicht mehr erfahren. Dann ist es zu spät um sich zu entschuldigen. Zu spät, um noch irgendetwas zu ändern. Zu spät um ihr noch etwas wichtiges zu sagen. Und zu spät sie nochmal bloß zu stellen. Sie wäre frei. Für immer. Und es würde eh niemand trauern. Oder weinen. Oder sich wegen ihr verändern. Sie wäre dann halt weg. Und würde nicht mehr zurück kommen. Sie ging ins Bad. Natürlich schloss sie die Tür ab. Was eigentlich dumm war, weil sie ja nicht mehr aufschließen konnte. Aber das war ihr egal. Sie öffnete eine der untersten Schubladen. Der Metallgriff war kalt. Sie wühlte in der Schublade und kramte zwischen einigen Handtüchern eine Rasierklinge heraus. Wollte sie sich rasieren? Viellicht hätte sie sich nochmal rasieren sollen. Doch dafür war es zu spät. Sie krempelte den Ärmel ihres Wollpullovers hoch. Unter diesem kamen ihre vielen Narben zum Vorschein, welche sie immer gut versteckte. Denn wer würde schon ein Mädchen mit Narben mögen? Würde sie überhaupt jemand mögen? Ihre Freunde vielleicht. Doch selbst da war sie sich nicht sicher. Ihre Freunde wusste nichts über sie. Sie wussten nicht, wie es ihr geht. Sie wussten nicht, ob sie glücklich ist, dachten es aber. Und sie wussten nicht, was sie durchmachte. Das war auch gut so. Sie nahm die Klinge und setzte sie an ihrem Unterarm an. Sie schloss die Augen und zog sie einmal mit Druck über ihrem Arm. Das Blut floss über ihren Arm und tropfte auf den Boden. Ihr wurde ganz schwindelig, doch sie setzte nochmal an. Sie wollte nur sicher gehen. Wieder zog sie die Klinge über ihren Arm, diesmal mit noch mehr Druck. Sie ließ die Klinge fallen und genoss den Schmerz. Ihr wurde noch schwindeliger und ihr wurde schwarz vor Augen. Hatte sie es geschafft? Hatten es ihre Klassenkameraden geschafft? War das ihr Ziel gewesen? Sie wusste es nicht und würde auch dies nie erfahren. Das letzte was sie sah, war wie ihr Blut in Strömen auf den Boden floss. Sie kippte um. Sie fiel auf den Boden.

Sie war tot. Ohne jede Vorwarnung. Sie war gegangen. In eine andere Welt. In eine bessere? Das wusste sie nicht. Aber für sie endete das Leben schon mit 15. War es die richtige Lösung gewesen? Vielleicht nicht. Aber es war der einzige Ausweg, den sie noch sah. Also ging sie ihm nach, bevor sie irgend jemand davon abhalten konnte. Sie hatte es geschafft.


Alone Again (Einleitung) #1Where stories live. Discover now