Ich kam von der Arbeit. Es war wie immer ein ziemlich frischer, regnerischer Tag, aber daran waren die Einwohner dieses kleinen Örtchens schon gewöhnt.
Ich sah in meinen Briefkasten, ob ich neue Post hätte. Und tatsächlich - ein zerknitterter, etwas dreckiger Umschlag fand den Weg zu mir in meinen Briefkasten.
Seufzend nahm ich ihn mit und stapfte hoch in meine kleine Ein Zimmer Wohnung, zog meine Schuhe aus, hing meine leicht nasse Jacke auf und setzte mich auf die schwarz-weiße Couch. Ich langweilte mich bei mir zu Hause, auf Arbeit, beim Sport, und generell... immer. Ich hasste diese graue Welt, in der ich lebte. Und ich meinte das wortwörtlich, wir hatten keine Farben. Niemand hatte je eine Farbe gesehen, wir wussten bloß aus Märchen, wie jede Farbe ungefähr aussehen müsste. Doch mit den eigenen Augen, sahen wir nie eine einzige. Niemand von uns.
Ich öffnete den Umschlag und hatte eine graue Karte in der Hand. Gespannt öffnete ich diese - und erschrak.
Ich sah etwas, was ich nie vorher gesehen hatte. Es war hell und so viel mehr, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Die Märchen waren wahr - ich sah Farben.
Es waren viele verschiedene Farben, teilweise sogar welche, von denen ich noch nie gehört hatte. Sie waren wunderschön.
Ich atmete tief ein und aus, hielt die Karte mal weiter weg, und dann wieder dicht an meine Augen heran. Es stimmte, es waren Farben!
Grüne Bäume, blauer Himmel, bunte Tiere, und ein, im Vergleich zum Rest, eher trist gekleidetes Mädchen war im Hintergrund des Bildes zu sehen. Sie zeigte ein Peace Zeichen. Sie trug eine schwarze Mütze und hatte ein langes, weißes Top an. Ihre Haare waren - ich stockte. Ihre Haare waren blau.
Wie konnten ihre Haare denn blau sein? Ich musste mich in der Farbe täuschen, in all den Geschichten war nur die Rede von Braunen, Blonden, Schwarzen und ganz selten auch mal Orange-Roten Haare. Aber blau?
Ich schluckte. Ihre Haare gefielen mir, alles an diesem Bild gefiel mir. Besonders die Farben.
Über dem Bild stand ein kleiner Text, die Karte schien von meiner Tante zu kommen.
"Hey, Pan! Erinnerst du dich noch an all die Märchen über Farben, die deine Mutter und ich dir früher vorgelesen haben? Nun, Ich habe so einen Ort gefunden. Das Mädchen auf dem Bild ist meine Tochter Chloe, also deine Cousine. Ich bin sicher, ihr würdet ein gutes Team abgeben! Und.. zugegeben, Chloe könnte etwas von deiner höflichen und umsichtigen Seite gebrauchen. Komm uns doch mal besuchen!
Liebe Grüße, Tante Joyce"
Wenn sie bloß wüsste, wie gerne ich sie besuchen kommen würde. Dabei wusste ich doch gar nicht, wo dieses Paradies auf Erden war. Chloe sah sympathisch aus und noch immer faszinierten mich ihre Haare.
Welche Haarfarbe ich wohl hätte, wenn ich farbig wäre?
Ich lächelte. Der Gedanke daran, wie ich mit farbigen Haaren aussehen würde, gefiel mir sehr gut. Ziemlich gut, vielleicht sogar zu gut.
Den ganzen Abend saß ich in meinem grauen Zimmer, hörte Musik, und zerbrach mir den Kopf über all die Farben, die Tante Joyce tagtäglich sah, und ich noch nie wirklich gesehen hatte - bis auf dieses Bild.
Ich schlief ein, doch es dauerte gar nicht lange, da wurde ich geweckt. Allerdings nicht wie ich es gewohnt war von meinem nervigen Wecker Klingelton, sondern von einem weißen Licht. Es war grell, unheimlich grell und hell, beinahe so wie die Sonne. Ich rappelte mich auf, öffnete meine Augen, und erblickte das farbige Bild auf meinem Nachttisch, welches einen hellen weißen Lichtstrahl bis an die Decke warf.
"Was zum-" ich nahm das Bild in die Hand und sah es mir erneut an, und plötzlich geschah es:
Alles um mich wurde hell, es wurde weiß. Ich erkannte nichts mehr, es war zu hell. Ich kniff meine Augen zusammen und spürte einen Windhauch, welcher durch meine Haare wehte.
Verwundert öffnete ich meine Augen wieder und war in einer farbigen Welt.
Ich sah grüne Bäume, einen blauen Himmel, bunte Vögel und ein Mädchen mit blauen Haaren im der Ferne. Mein Mund blieb offen stehen, Ich konnte meinen Augen nicht trauen, das musste ein Traum sein!
Ich drehte mich um mich selbst und sah überall Farben. Farben und verschiedene Farbtöne, überall!
"Hey, du" hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah das blauhaarige Mädchen direkt vor mir stehen: "Was'n mit dir los? Nie Bäume gesehen, oder was?" Fragte sie und stämmte ihre hellen Hände in ihre Hüften.
"Weißt du... ehrlich gesagt nicht, nein, hab ich nicht." stotterte ich und konnte meinen Blick nicht von ihren blauen Haaren lösen.
"Wow. Wusste nicht, dass es jemanden gibt, der mehr Drogen nimmt als ich" sagte sie ohne auch nur eine Miene zu verziehen.
"W-w-was?" Fragte ich.
"Hey, Chloe!" Ein weiteres Mädchen stoß zu uns. Sie hatte schulterlange braune Haare, trug eine graue Jacke und ein rosa farbendes Shirt. Sie lächelte: "Wer ist dein Freund?"
"Freund?" Erwiderte Chloe und grinste: "Dude, ich habe diesen Kerl nie vorher gesehen"
"I-ich heiße Pan. Meine Tante hat mich eingeladen, einige Zeit hier zu bleiben. Deine Mutter, Chloe. Joyce ist meine Tante."
"Holy shit" sagte Chloe: "Du bist mein Cousin? Mum hat schon so einiges von dir erzählt"
Ich nickte und traute mich, ein sanftes Lächeln auf den Lippen zu tragen.
"Wundert es euch denn eigentlich gar nicht, dass... dass ich schwarz-weiß bin? Ich meine, i-ihr habt so schöne Farben, und ich? Ich bin einfach nur ein kleiner, grauer Junge" ich sah an mir herab auf meine Hände, meine hellgraue Haut.
"Natürlich ist das ungewöhnlich, aber ein schwarz-weißer Junge ist definitiv noch eins der normalsten Sachen hier in Arcadia Bay" schmunzelte Chloes Braunhaarigen Freundin: "Ich heiße Max und bin Zeuge von all dem Shit, der hier bereits passiert ist"
Ich nickte verständnisvoll und stellte mich ein zweites Mal vor: "Ich bin Pan"
"Also gut, Pan" mischte Chloe sich erneut ein: "Max und ich zeigen dir Stadt, wenn du magst. Aber glaub mir, jeder Ort ist besser, als Arcadia Bay. Wenn ich könnte, wäre ich schon lange fort von hier. Aber irendwie glaube ich, niemand kann dieser Stadt je entkommen."
Ich atmete tief ein. "Mir gefällt's" brachte ich leise über die Lippen. Chloe legte ihren Arm auf meine Schulter und führte mich in ein großes, ebenfalls farbiges Gebäude, vor welchem "Blackwell Academy" stand.
"Zeigen wir dir doch zu aller erst einmal die Arcadia-Hölle..." sagte Chloe in einem abwertenden Ton, während Max leise kicherte.
Ich freute mich riesig, Verwandte in einer so wundervollen, magischen Stadt zu haben. Eine so bunte, wunderschöne Stadt.
Ich freute mich, etwas Neues zu erleben und zu entdecken. Ich liebte es, und diese Stadt schien alles andere als langweilig zu sein.
Ich freute mich auf all die Menschen hier, liebe und.. eher nicht so liebe Menschen. Ich freute mich auf Joyce und ihre Familie - unsere Familie. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja ewig in Arcadia Bay bleiben und nie wieder zurück kehren.
Wie Chloe schon sagte, vielleicht entkommt niemand jemals dieser Stadt. ||
Wow, die Story ist länger geworden, als ich eigentlich wollte :D
Falls diese Geschichte vorgelesen wird, Grüße ich all die lieben Menschen, die das gerade lesen/hören
Und bei dir, Pan, wollte ich mich für all die wundervollen Streams bedanken. Also.. Danke! <3
Ich hoffe, es hat euch gefallen. Liebe Grüße Enola :)
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Nur ein Märchen || Dieserpan Oneshot
Historia CortaDiese Kurzgeschichte darf im Stream, auf Soundcloud, oder auf dem Discord Server vorgelesen werden. || Eine kleine Geschichte über jemanden, der aus seiner Welt und seinem Leben fliehen möchte, und etwas findet, wovon er nie geglaubt hätte, es könnt...
