Halloween

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Der Wind peitscht durch die Bäume, die Blätter rascheln an den Zweigen und die Nacht ist rabenschwarz. Trotzdem laufen Kinder durch die Straßen und sammeln verkleidet Süßigkeiten, denn es ist Halloween. Überall herrscht ausgelassene Stimmung. Überall, abgesehen auf einem Hügel am Rande der Stadt. Dort liegt ein alleinstehendes Haus, zu dem aber niemand läuft da es zu weit abseits liegt und der Weg dorthin zu dunkel und beschwerlich ist.

Wie jedes Jahr sitzt der 13-jährige Dominik in seinem Zimmer mit geöffnetem Fenster und wartet hoffnungsvoll auf eine paar andere Kinder die sich zu dem Haus verirrt haben. In den vergangenen Jahren war Halloween kein spannendes Ereignis für den Jungen, da seine Eltern es ihm verbieten sich noch nach 20:00 Uhr draußen herumzutreiben. Er hat aber sowieso nicht viele Freunde mit denen er etwas hätte machen können, seine Schulkameraden meiden ihn da er sich immer so komisch verhält und er nie Abends mal rauskommt um um die Häuser zu ziehen. Außerdem ist die dunkle abgeschiedene Gegend in der er lebt vielen nicht geheuer. Also verbringt Dominik seinen Halloween Abend allein in seinem Zimmer.

Nach vielen Stunden ereignislosem Wartens, es war mittlerweile schon nach Mitternacht, liegt der Junge immernoch wach in seinem Bett und blättert gelangweilt durch ein paar Comics. Seine Eltern sitzen noch unten im Wohnzimmer vor dem Kamin. Plötzlich hört er ein ausgelassenes Kinderlachen, Dominik stürzt zum Fenster, kann aber nichts erkennen außer einer sehr großen Person mit Kaputze, die langsam im Schutze der Dunkelheit die Straße entlang schleicht. "Komische Leute gibt es" denkt sich Dominik und will sich gerade wieder ins Bett legen als die Person den Kopf dreht und ihn mit leuchtenden gelben Augen anstarrt. Der 13-jährige Junge stürzt sich auf den Boden. Als er wieder aus dem Fenster lugt ist die Straße leer. Er schließt mit klopfendem Herzen das Fenster und beruhigt sich von seinem Schrecken. Dann hält er weiter Ausschau nach verkleideten Kindern. Obwohl er wieder Stimmen hört, sieht er niemanden. Unbefriedigt legt Dominik sich wieder ins Bett.

Plötzlich klingelt es, von draußen hört man einen kleinen Chor aus Kindern "Süßes oder Saureeees!" rufen. Trotz der Uhrzeit stürmt er aus seinem Zimmer und noch als er auf der Treppe ist sieht der Junge wie seine Eltern die Tür öffnen und eine riesige Person oder eher eine Kreatur mit überdimensional langen Armen und Beinen sich auf die Mutter stürzt und seine krallenartige Hand in ihren Leib bohrt. Wie eine Puppe sackt sie auf den Boden und rührt sich nicht mehr. Das Ding schnellt nach vorne und sticht mit zwei Fingern die Augen des Vaters aus. Es schaut mit einem diabolischen Grinsen zu wie der gepeinigte Mann seine Hände vor die Augen schlägt und wie am Spieß schreit. Dominik steht geschockt auf der Treppe, der Lärm rüttelt ihn auf und am ganzen Leib zitternd schleicht er wieder in sein Zimmer. Dort angekommen, schluchzt er laut auf, macht das Licht aus und vergräbt seinen Kopf in sein Kissen. Die Gedanken an die raubtierartigen spitzen Zähne und das teuflische Lächeln lassen ihn nicht los. Langsam fängt sein Überlebenssinn an zu arbeiten und der Junge denkt nach. "Wenn das Wesen solche Freuden am quälen hat sollte ich mich schlafen stellen. Wenn ich Glück hab verschont es mich dann." Wie als wäre nichts gewesen wird es unten auf einen Schlag totenstill. Dann hört man wie die Kreatur langsam und mit schwerem Schritt die Treppe hochkommt. Dominik zwingt sich seinen Atem zu verlangsamen und die Augen zu schließen. Er merkt wie das Ding ins Zimmer tritt. Die Schritte kommen näher. Nun hört der Junge schon das rasselde Atmen des Wesens. Trotzdem rührt er sich keinen Zentimeter und wiedersteht dem Drang seine Augen aufzumachen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hört er wie der Mörder seiner Eltern Dinge auf den Boden stellt und mit seinen Händen etwas an die Wand schmiert. Das Kratzen der Krallen an der Wand machen den Jungen verrückt. Dann streicht die Kreatur am Bettrahmen entlang und lässt sich unter das Bett gleiten. "Es hatt geklappt! Ich bin vorerst sicher, es tötet also wirklich nur wache Memschen die Angst und Schmerz empfinden." denkt Dominik hoffnungsvoll. Stunden vergehen, keine Atemgeräusche oder Bewegungen sind zu hören. Nachdem der Junge noch eine Stunde wach da lag fasst er einen Entschluss. Er schleicht sich jetzt aus dem Zimmer bevor das Monster aufwachen kann. Langsam richtet er sich auf, seine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit, seine Umgebung nimmt Form an. Auf der gegenüberliegenden Wand steht etwas geschrieben und zwei Bälle liegen unter dem Text. Dominik kneift die Augen zusammen. Die runden Objekte sind keine Bälle, es sind die abgetrennten Köpfe seiner Eltern. Sie schauen ihn mit leeren Augenhöhlen an. Mit ihrem Blut sind darüber sieben Worte in krakeliger Schrift geschrieben.
Ich weiß dass du noch nicht schläfst :)
Der Junge keucht auf und hält sich die Hände vor den Mund. Sekunden verstreichen und er atmet aus. Da taucht unter seinem Bett langsam eine bösartig grinsende Fratze mit leuchtenden gelben Augen auf.

HalloweenWhere stories live. Discover now