Große Schneeflocken fielen sanft vom Himmel hinab, auf mein rückenlanges, lockiges Haar. Normalerweise hasste ich sowas, da meine eh schon voluminösen Haare dadurch nur um so wuscheliger wurden. Aber heute war es anders. Da in der heutigen Zeit selten im Winter Schnee fiel, freute ich mich diesmal echt drüber. Während ich so darüber nachdachte, spürte ich, wie jemand den Arm um meine Schultern legte. Das riss mich aus den Gedanken.
"H.huch.. Was..?", brachte ich nur stotternd von mir. Ich sprach eigentlich ungern, da meine Stimme sehr hoch klang und man mich deswegen oft aufzog. Als ich dann aber zaghaft zur Seite sah, erkannte ich sofort das Gesicht meiner besten Freundin Mira, die mir gleich ein breites Lächeln auf die Lippen zauberte. Direkt fingen wir an zu quatschen - wie immer eigentlich. Wenn man uns mal vergleichen würde, wäre ein Punkt sofort klar. Sie ist offen und fröhlich. Ich dagegen verschlossen und ängstlich. Vollkommen Unterschiedlich. Ich glaube sie war - bis auf meine Eltern - die einzige Person, mit der ich problemlos sprechen konnte. Wenn jemand anderes vor mir stand, bekam ich meist kein Wort herraus, ohne mich sofort seltsam zu fühlen. Aber naja, so ist das Leben, hm? Das Gespräch ging noch um die 5 Minuten. Dann mussten wir es auch fürs erste unterbrechen, da der Bus, auf welchen wir beide gewartet hatten, an unserer Bushaltestelle hielt. Beim einsteigen entwich mir nur ein leises Seufzen. Mal wieder war der Bus voll. Das sorgte für ein ziemlich unwohles Gefühl in meinem Bauch. Alles drehte sich und mir wurde ganz schlecht. Ich hasste Busse. Vorallem wenn sie so voll waren. Ich ging mit zittrigen Beinen in die Mitte des Busses, wo etwas mehr Platz war. Dort angekommen, lehnte ich mich an die Tür und kramte mein Handy aus der Tasche. Mira folgte mir, jedoch wurde jetzt auch sie stiller. Sie kannte es so von mir. Im Bus war ich immer still und lenkte mich mit Musik, welche ich über meine Kopfhörer hörte, ab. Nachdem ich mir die Ohrstöpsel ins Ohr steckte und die Musik auf meinem Handy abspielte, fing ich an, nervös an meinem Armband rum zu friemeln. Diese Enge war mir schon immer unangenehm. Mein Atem war zittrig. Mehrfach atmete ich tief durch, um ruhig bleiben zu können. Ich glaube man konnte mir stark ansehen, dass ich kurz vorm Weinen war. Schließlich sah ein blonder Junge, welcher weiter hinten saß, immer wieder zu mir rüber. Er wirkte recht besorgt. Als ich begann seine Blicke zu erwidern, schenkte er mir ein aufmunterndes Lächeln. Dabei neigte er den Kopf ein wenig zur Seite. Nervös lächelte ich schwach zurück und winkte mit meiner linken Hand kaum merklich. Jedoch überkam mich die Verlegenheit, was mich dazu zwang meine Hand und auch den Kopf sofort zu senken. So verweilte ich die restliche Busfahrt. Irgendwie war mir meine Aktion gerade eben echt peinlich. Wie dem auch sei - ganze 10 Minuten Qualen, im vollen Bus vergingen fast wie eine halbe Ewigkeit. Aus der, wurde ich dann Gott sei Dank endlich befreit. Nachdem sich die Türen öffneten und mich somit frei ließen, stieg ich ohne zu zögern aus. Nun befand ich mich auf den Schulgelände, der Arianna Oberschule. Das war eine riesen Erleichterung. Es tat gut wieder Platz zu haben. Ich atmete die frische, kühle Winterluft ein und drehte mich zu Mira um. Dabei zog ich mir die Kopfhörer aus und fuhr mir anschließend, leicht durch die Haare.
"Besser, Süße?" Kam auch sofort von ihr. Ich brachte aber nur ein kleines nicken von mir. Kurze Zeit später stieg dann der Junge von eben aus. Er lächelte mich an. Verlegen sah ich erneut weg und rückte meine große Nerd-Brille wieder richtig. Ich denke das war ein Zeichen für "geh weg" ... Denn genau das tat er.
"Eeey, Trulla. Rede mit ihm!" Mira drückte mich in seine Richtung. Sie kennt mich. Ich will ja gerne mit anderen reden können, aber ich bin viel zu schüchtern. (Trotzdem ist das nicht nett.. q-q)
Man war das peinlich, als er unser Rumgezicke mit bekam. Ich habe mich schließlich geweigert. Wir beide standen dann kerzengerade vor ihm, mit einem peinlich berührtem Lächeln. Dabei sahen wir uns im gleichen Moment an und wendeten ebenfalls Zeitgleich, den Blick wieder ab. Ich hatte alles erwartet. Ein dummen Spruch. Seltsame Blicke. Aber keins von beidem traf zu. Er schien es lustig zu finden.
"Was gibt's, Ladies?~" Er redete flüssig - anders als ich. Als würde es ihn alles andere als stören, was man dachte. Keine Unsicherheiten. Auf seinen Lippen war ein breites lächeln. Im Gegensatz zu meinem, hatte er ein wirklich schönes lächeln - Finde ich zumindest. In beider Hinsicht.
"Die süße Maus neben mir, ist ein wenig schüchtern.~" antwortetet die Olle neben mir, während sie die Arme um mich legte. Manchmal war sie echt ein Biest. Okay, sie meinte das alles ja nur gut und ich danke ihr dafür..
(Aber trotzdem ist sie eins.. q-q)
"Ach so ist das?~ hab ich garnicht gemerkt." Es triefte förmlich vor Sarkasmus. Ein kleines Schmunzeln schmuggelte sich auf meine Lippen.
Er reichte mir seine Hand - was recht ungewöhnlich war. Das macht doch sonst keiner bei mir..?
Nach langen zögern hob ich meine Hand und nahm seine daraufhin. Man konnte spürten wie stark meine Hand dadurch zitterte.
"Nur nicht so schüchtern, bin doch nur ich.~" brach er mit sanften Stimmen Klang von sich. "Wie heißt du?" Fügte er noch hinzu. Er schien vorsichtig mir gegenüber zu sein. Als wollte er verhindern das ich wie ein Glas zerbreche.
Ich konnte ihn kaum ansehen.
"I.ich heiße N.Naomi..und..und du..?" stotterte ich vor mich hin. Als ich mich wagte zu ihm zu sehen, sah ich ein sanftes lächeln. Meine Art störte ihn nicht? Kurze darauf sprach dann auch er. "Freut mich, ich bin Noah.~"
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Ich Bin Noah
Teen FictionFragst du dich auch manchmal wie es wäre, wenn alle Sorgen und Ängste, für einen kleinen Moment, komplett verschwinden würden..? Sich frei fühlen. Stark und endlich nicht mehr von der Welt verschlungen.. Aber wie das Leben so will, ist das nicht mög...
