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Schon wieder falsch. Stiles strich mit einem roten Stift die ganze Aufgabe durch. Genervt fuhr er sich durch die Haare. Es war sechs Uhr abends und endlich war er mit dem Korrigieren fertig geworden. Er wollte schon gestern die Tests zurückgeben. Je schneller er die Klausuren zurückgeben konnte, desto schneller konnten die Schüler aus ihren Fehlern lernen und sich verbessern. So war es gedacht. Nur zweifelte er daran, dass jemand wirklich mehr machte als das Minimum. Dabei nahm er es ihnen nicht übel. Er war nicht anders gewesen. Mehr Ehrgeiz und Disziplin würde ihnen auch nicht schaden. Er wollte eben sichergehen, dass sie ihr volles Potential nutzten.

Er schaute sich noch mal die letzte korrigierte Arbeit an. Derek Hale. Er wusste, dass ein Lehrer keinen Schüler bevorzugen sollte oder benachteiligen, aber ... diesen Kerl konnte er nicht leiden. Oder er konnte Stiles nicht leiden. Sie standen auf Kriegsbein, oder Ähnlichem. In seinem kurzen Lehrerdasein wurde ihm schnell klar, dass Derek zu den Art Schülern gehörte, die nur Probleme machten, und das auch noch genossen. Anfangs hatte er so etwas wie ein schlechtes Gewissen gehabt, das legte sich aber schnell.

Dereks schulisches Engagement sah folgend aus:

Er redete rein, kam wann es ihm passte, wenn überhaupt, machte nie Hausaufgaben oder desgleichen, störte generell den Unterricht, seine Aufmerksamkeit lag überall nur nicht da wo es sein sollte ... die Liste war lang. Einmal kam er mit Blessuren und einer Fahne, so stark wie nach drei Tagen Festival. Stiles hatte schon alle ihm zur Verfügung gestellten Maßnahmen versucht: Verweis, Anruf, Nachsitzen. Aber in dem Alter brachten diese Maßregeln nicht viel und in Dereks Fall nichts. Und seine Eltern interessierten sich wenig für das Verhalten ihres Sohnes. Stiles hatte sie auch nie bei den Elternsprechabenden gesehen.

Das frustrierende daran war, dass Derek ein sehr intelligenter und hochbegabter Schüler war. Sozial war er einer der angesehensten Schüler der BHS, und wenn ihn eine Sache interessierte, dann war er nicht aufzuhalten.

Am Anfang dachte Stiles, dass es an seinen Fächern liegt, nicht jedem liegen Mathe, Biologie und Wirtschaft, aber seine Kollegen hatten auch keine guten Worte für Derek übrig gehabt. Und er hat zuerst noch gedacht, dass sie übertreiben würden.

Was aber schlimmer war, war Dereks aufdringliche Art, wie er mit ihm umging. Er wollte nie zu den Lehrern gehören, die jedem ihrer Schüler Angst und Schrecken einjagten. Er wollte zu den „coolen" Lehrern gehören. Wenn es so etwas gab. Aber er war zu jung, und er konnte sich einige Späße nicht leisten. Er hatte Angst, dass das nach hinten losginge.

„Es waren die schlechtesten Arbeiten, die ich in meiner Karrierenlaufbahn korrigieren musste!", betonte Stiles und verteilte die korrigierten Blätter. „Ich verstehe das nicht. Wir haben seit drei Wochen das Thema behandelt. Wir haben viele Übungen dazu gemacht. Ich dachte, ich würde euch damit einen Gefallen tun. Eine leicht verdiente Note! Ich bitte euch, übers Wochenende die Arbeit noch mal durch zu arbeiten ... d.h alle Aufgaben noch einmal nachrechnen und am Montag gehen wir sie gemeinsam durch."

Er hörte sich wie sein alter Mathelehrer an. Furchtbar. Begeisterung sah anders aus. Das konnte er verstehen. Aber wenn ihn die Direktorin schon wieder ermahnen muss, dass die Klassenleistung bestürzend schlecht sei, dann hörte er sich lieber an wie sein alter Mathelehrer an.

Sein Blick schweifte durch die Klasse. Alle anwesend, außer Hale, der unentschuldigt fehlte. Es war Donnerstag und die erste Unterrichtsstunde für den Tag, selten das er hier war. Vor allem die ersten zwei Schulstunden mussten bei ihm eine furchtbare Allergie auslösen, da er meistens nur an diesen fehlte, oder zu spät kam.

„Nun. Ich denke, es wäre das Beste, wenn wir die letzten Aufgaben noch einmal durch arbeiten. Holt die Bücher heraus ... fangt oben auf der Seite 46 an und arbeitet euch zur vierten Nummer runter. Wenn ihr Probleme habt, könnt ihr euch melden, aber einen Rechenansatz habt ihr die Seite vorher stehen. Bitte seit dabei leise ... und keine Partnerarbeit Greenberg."

teach me moreWhere stories live. Discover now