Ich setzte mich auf den alten Stuhl meiner Großmutter. Dort war mit ihr vor zwanzig Jahren alles zu Ende gegangen. Dann war wohl heute Jubiläumsfeier? Wahrlich ein trauriges Fest. Zumal der Stuhl mittlerweile in diesem dunklen Loch stand. Meine Hände umklammerten das kalte Metall. Die grauen und feuchten Wände erdrückten mich. Alles monoton. Neben mir stand ein alter Schrank aus schwarzem Ebenholz. Über die Jahre hatte er sich mit einigen Fotoalben gefüllt, aber jemand hatte ihn abgeschlossen und der Schlüssel wurde unauffindbar. Der Sessel stand auf einem ausgefransten und staubigen Teppich. Es gab nur ein einziges kleines Fenster, wodurch ein kleiner Lichtstrahl schien. Allerdings war auch dieses Fenster dreckig und Blumentöpfe standen davor. Mir gegenüber hing unter einem Kreuz das Hochzeitsbild meiner Eltern. Über die Jahre hatte es einen schrecklichen Sepiaton angenommen. Es war hässlich geworden. Wie alles andere in diesem Raum. Alt, verstaubt, hässlich und ohne weitere Bedeutung. Ansonsten befand sich rechts neben mir noch ein Regal mit alten Büchern, die noch nie jemanden interessiert hatten. Und in einer Ecke standen Kartons, gefüllt mit altersschwachen Dingen und verschlossen mit Paketband.
Ich hatte zwei Möglichkeiten. - Ich könnte nach draußen gehen und anderen das Wertvollste nehmen, was sie hatten oder aber mir selbst das Einzige nehmen, was mir noch geblieben war. Es sprach nichts dagegen, beides zu tun. Also stand ich auf, schloss das Fenster, durch welches zuvor noch ein frischer Wind gekommen war, schaltete die Tischlampe aus porösem Plastik aus und ging die morsche Treppe hoch.
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Ante Mortem oder F32.9G
PoetryDie Beschreibung eines Menschen im Stadium zwischen Leben und Tod. Eine Parabel. 3 in verfall
