Arrival

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Byungjoo POV

Lustlos zupfte ich einen weiteren Ast aus meinen Haaren. Nach dem nächstbesten Sitzplatz ausschau haltend fischte ich die Wasserflasche aus meinem Rucksack. „Wag es dir!", schallte die Stimme meiner Frau zu mir rüber und ließ mich zusammen zucken. Als ich mich um drehte, sah ich, dass sie, ihre Arme in die Hüften gestemmt, ungefähr 50 Meter hinter mir stehen geblieben war. Unschuldig zuckte ich mit den Schultern, was sie jedoch nur noch mehr aufzuregen schien. Ungläubig schüttelte sie den Kopf, wobei ihre braunen Locken fast schon spielerisch auf ihren Schultern hin und her hüpften.

Übertrieben detailliert packte ich die Flasche zurück in den Rucksack. Hanna funkelte mich daraufhin aus ihren braun-schwarzen Augen an und kam mit schnellen Schritten auf mich zu gestampft. „Wir sind hier irgendwo im Nirgendwo, haben uns verlaufen und wissen nicht, wie lang wir noch hier bleiben müssen, also entschuldige bitte, wenn ich nicht grad zum Scherzen aufgelegt bin!", mit diesen Worten riss sie mir die Tasche aus der Hand und ging ein paar Schritte voraus, nur um sich dann doch wieder nach mir umzudrehen. „Außerdem bist du jawohl an dem ganzen Mist schuld! 'Lass uns im Wald campen Hanna, dass wird bestimmt lustig Liebling...'"

Schützend hob ich die Hände: „Hey hey hey, komm mal runter, ich war nicht derjenige, der sich vom Zelt entfernt hat, um Netz zu finden."

Zickig drehte Hanna mir den Rücken zu. Ich nutzte den Moment, schlich mich von hinten an sie heran und zog sie in eine Umarmung. Sie konnte mir nie lang böse sein, wenn ich das tat. „Ich hab stundenlang nach dir gesucht, hab mir schreckliche Sorgen gemacht, aber am Ende hab ich dich trotzdem gefunden – und genauso finde ich auch den Weg aus diesen Wald."

Als ich ihr Gesicht zu mir drehte, um ihr ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, bemerkte ich, dass Hanna sich langsam wieder zu beruhigen schien. Ich drückte ihr noch einen Kuss auf die Stirn, ehe ich mich von ihr löste. Schnell zog ich ihr den Rucksack vom Rücken und ging weiter.

Ich weiß, dass kommt jetzt furchtbar schockierend, aber wir sind nicht freiwillig zusammen – nicht, dass wir uns inzwischen nicht längst damit abgefunden hätten, aber das hier war doch eher eine arrangierte Verbindung. Wir beide kamen aus besseren Familien, kannten uns seit unserer Kindheit und da wir es von unseren Eltern nie anders vorgelebt bekommen haben, kam uns eine Verlobung ohne Gefühle nicht sonderlich seltsam vor. Klar, Hanna war schon immer eine gute Freundin für mich gewesen, doch mehr hatte ich nie in ihr gesehen.

Meine Eltern waren vor zwei Jahren bei einem Autounfall umgekommen, unsere Verbindung wurde jedoch schon viel früher beschlossen, also hatte man nur noch gewartet, bis wir beide 18 waren, dann wurden wir vermählt. Als Hochzeitsgeschenk hatte ich eine Art Survival Camp im Urwald von Hanna bekommen. Ich hatte ihr immer wieder vorgeschwärmt, wie sehr ich diese Auszeit brauchte – und wie ich diese brauchte.

Nach dem meine Eltern gestorben waren, hatte ich die Leitung unserer Firma übernommen und ich hasste es. Es war nicht nur dieses 'ich fühle mich nicht sonderlich wohl in diesem Job'-Gefühl, sondern echter, lebendiger Hass. Jeden Tag war ich nur am Verträge unterschreiben, Leute kündigen, anderen wiederum in den Arsch kriechen und die Erwartungen tausender Leute erfüllen. Mal abgesehen davon, dass ich mich wie in einem Vogelkäfig fühlte, saugte das Büro sämtliches Leben aus meinen Knochen. Noch dazu erinnerte mich jedes Staubkorn an meine Eltern – etwas, auf das ich gut verzichten könnte.

"Byungjoo?", riss mich Hannas besorgte Stimme aus meinen Gedanken, "Byungjoo, jetzt ist wirklich nicht die Zeit um zu Träumen. Es wird bald dunkel und wir haben nicht genug Verbandszeug mit falls... dir etwas passiert. Bleib bitte nicht zurück."

Ach ja, hätte ich fast vergessen, sozusagen die Kirsche auf dem Scheiße-Eisbecher meines Lebens: Ich bin starker Bluter. Das war mit ein Grund warum ich wie ein bescheuerter Eskimo durch den Wald lief. Das war Bedingung, um überhaupt hierher zu fahren. Wundervoll nicht war? Wir haben August, gefühlt 100°C, Hanna läuft in Shorts und T-shirt rum und ich schwitz mir hier den Arsch ab.

Bevor Hanna noch ganz ausrastete, nickte ich schnell und folgte ihr durch das irgendwie immer gleich aussehende Dickicht. Da ein Baum, dort ein Busch, nach einigen Stunden war ich mir sicher, dass ich nie wieder die Farbe grün sehen könnte, wenn wir hier raus kamen. Ab und zu sprang uns ein Häschen oder sogar ein Reh vor die Füße, aber zum Glück nichts gefährliches. Im Kopf war ich bereits am Pläne schmieden, um uns in der Nacht vor den Raubtieren zu schützen. Am besten einen Schlafplatz in den Bäumen...

Wie ich so forschend nach oben guckte und immer weniger darauf achtete, was meine Füße taten, passierte das, was passieren musste. Vor mir tat sich eine riesige Wurzel auf, über die ich natürlich im hohen Bogen drüber flog.

Sofort schrie Hanna angsterfüllt auf und ließ sich neben mir fallen, um meinen ganzen Körper nach mögliche Kratzern abzusuchen. So weit wie möglich versuchte ich sie sanft von mir zu drücken und sie zu beruhigen. Als sie endlich verstand, dass sie mir dadurch einzig das Aufstehen erschwerte, rückte sie ein wenig, sodass ich mich aufsetzten konnte. Mein Blick wanderte auf die Stelle, auf der ich vor einigen Sekunden noch gelegen hatte und ich erschrak. Sofort blickte Hanna unruhig zu mir herüber, strafte mich jedoch sofort mit einem genervten Blick, als sie sah, was bei mir solch eine Reaktion hervorgerufen hatte.

Vor mir im Dreck lag ein kleines schwaches Lebewesen mit einem schmalen Körper, zittrigen Fühlern und langen, bunten Schwingen, in gelb, schwarz, rot und blau, die nun jedoch mit einer braunen Staubschicht überzogen waren.

„Ein Schmetterling?", fragte Hanna ungläubig, „Deswegen machst du so einen Aufstand?"

Meine Frau ignorierend überlegte ich krampfhaft wie ich dem kleinen Kerl helfen könnte. Ich wusste nicht viel über Schmetterlinge, aber da war irgendwas... Das man sie nicht anfassen durfte, wegen den Staub auf ihren Flügeln. Vorsichtig legte ich meinen Kopf neben das unbeholfen flatternde Wesen und pustete ein wenig den Dreck ab. Er konnte von Glück reden, dass nicht mehr passiert war. Danach schob ich ihm ein Blatt unter die Füßchen.

„Haben wir denn wirklich Zeit für so etwas?", schnaufte Hanna sichtlich verärgert. Ich schüttelte nur ungläubig den Kopf und wartete darauf, das der kleine sich bewegte – und tatsächlich, es dauerte nicht lange, da stellte er sich auf, schüttelte seine Flügel aus und flog davon. Es war nicht weit, nur bis zum nächstgelegenem Baum, aber es erleichterte mich trotzdem ein wenig. Jetzt konnte ich nur noch hoffen, dass es ihm bald wieder gut ging. Zufrieden klopfte ich mir den Dreck von der Hose und stand auf.

Mein Blick wanderte zu Hanna, die mir inzwischen mit verschränkten Armen den Rücken zugedreht hatte. Sie musste wohl sehr sauer sein. "Hanna", fragte ich vorsichtig, doch sie dachte gar nicht daran, sich mit mir zu vertragen. Ohne sich nach mir umzudrehen stapfte sie weiter geradeaus. Mit einem genervten Kopfschütteln setzte auch ich mich in Bewegung.

"Es ist ein Lebewesen", rief ich, worauf ich sofort ein energisches "Mir doch egal" zurück bekam.

"Du hättest dir sonst was tun können, aber alles was dich interessiert ist...", mitten in ihrem Vortrag stoppte sie und blieb abrupt stehen.

Etwas verwirrt verringerte ich meinen Abstand zu ihr und sah, was sie so verwunderte. Da war ein Restaurant, mitten im Wald! leise Musik drang von innen heraus, Geräusche von klapperndem Geschirr und der Geruch: himmlisch!

"Lass uns reingehen", sagte ich zuversichtlich, doch Hanna hielt mich zurück. "Was wenn der Besitzer ein Mörder oder ein Pädophiler ist? Ein Restaurant mitten im Wald, das ist doch..."

Sie wurde durch ein knarren der Tür unterbrochen. Ein zierlicher Mann ungefähr meines Alters hatte die Tür zum Restaurant geöffnet, aus der jetzt ein dunstiges, gelb-rotes Licht nach außen drang. Er trug eine unscheinbare schwarze Hose und eine knallige rote Bluse, die von goldenen Ornamenten durchzogen wurde. Sein Gesicht war weich und seine strahlenden Augen, die niedlichen Grübchen und seine schwarzen, kurzen Haare spiegelten eine solche wärme wieder, dass ich meiner Frau für ihre Vermutungen nur ein belustigendes Lächeln schenkte.

"Ich habe Stimmen gehört", sagte er und lehnte sich graziös gegen den Türrahmen, "Da dachte ich, ich guck mal ob etwas passiert ist."

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Heyyy, Ich hoffe euch gefällt die neue Story - Rechtschreibfehler und so was werden später noch behoben, dazu hatte ich nur iwie noch keinen Nerf und keine Zeit (^_^)/~~~

Cannibal (Hanjoo)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt