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Der 2. Prozess

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Als Georg von der Brücke hängte bereitete er sich darauf vor, seine letzten Worte zu flüstern und den Griff um das Geländer endlich zu lockern. Da spürte er plötzlich eine Hand, die seine grob griff. Mit einer unsanften Bewegung wurde er von der Brücke hochgehoben und auf den Boden geworfen.
„Was machen Sie da?" zischte der Mann, den Georg jetzt als Polizist erkannte, „Das geht so nicht! Wussten Sie denn nicht, was Sie gerade beinahe getan hätten ist nach dem böhmischen Gesetz illegal? Dafür müssen Sie sich bei Gericht verantworten. Sie kommen mit mir - das Leben und das Gesetz sind mit Ihnen noch nicht fertig."
Der Polizist schleppte ihn zum Gerichtsgebäude und ignorierte alle Einwände und verzweifelte Versuche der Rechtfertigung. Er zog ihn ungeduldig durch die Eingangstür. Georg legte sich in Fötusstellung auf den Boden und bewegte sich nicht.
„Auf!" erklang eine Stimme. Er stand langsam auf und sah einen kleinen schlanken Richter. Bei ihm standen drei Figuren: Frieda und sein Freund aus St Petersburg, die ihn von der Ferne kalt betrachteten, und ein Mann, dessen riesige eindrucksvolle Gestalt nicht zu verkennen war. Sein Vater.
Georg wäre gerne zu Wort gekommen. Jedoch kam der Richter zuvor: „Was haben Sie denn zu Ihrer Verteidigung zu sagen?"
Früher wäre Georg alles sorgfältig und logisch durchgegangen, aber jetzt hatte er wenig übrig für die Gesellschaft, deren Hilfe er nicht glaubte zu verdienen.
Er wandte sich zu seinem Vater: „Ich hab's versucht, ihm die Wahrheit zu erzählen, Papa. Ehrenwort! Er wollte doch nichts davon wissen. Ich-„
„Halt die Klappe, und kein Wort mehr der Widerrede!" brüllte sein Vater und Georg schwieg sofort voller Scham.
„Wie ich verstehe, haben Sie, Herr Bendemann, versucht, sich Ihr Leben zu nehmen," sagte der Richter, „und wenn ich weiteres richtig verstanden habe, wollten Sie die Tat mit dem Segen Ihres Vaters begehen! Das ist doch nicht zu fassen! Könnte sich ein Vater für sein eigenes Fleisch und Blut diesem Schicksaal wünschen? Es tut mir leid, Herr Bendemann, aber Sie spinnen!"
„Verteufeln Sie meinen Vater nicht! Er ist hier völlig schuldlos! Das war doch kein Selbstmordversuch - ich wurde schon verurteilt, warum kann das niemand verstehen? Ja, ich wurde schon verurteilt, und das von der einzigen Autorität, die ich anerkenne. Sie ist größer als Sie, größer als das Gesetz, größer als Gott. Papa, ich liebe dich, und das werde ich noch beweisen. Ich muss zum Fluss, zum Wasser, und zwar sofort!"
„Ordnung bitte!" rief der Richter, „Das reicht schon! Von dem, was ich gesehen und gehört habe, ist der Angeklagte offensichtlich nicht recht bei Verstand. Ehrlich gesagt habe ich Mitleid mit Ihnen und aus diesem Grund verurteile ich Sie zu sechs Monaten in einer psychiatrischen Anstalt."
Der Vater schrie laut auf und sein Gesicht wurde blutrot. Sein Freund bot Frieda seinen Arm an und sie schickten sich, ohne ihn einen zweiten Blick zu würdigen, zum Gehen.
Der Polizist näherte sich, um ihn abzuführen. Georg bereitete sich auf, die Ungerechtigkeit seines Schicksaals zu widerstehen aber plötzlich spürte er in seiner Brust einen scharfen Stoß des Schmerzes. Er schaute auf die Wunde, von der das Blut unendlich goss. Dann zu seinem Vater, der die Waffe immer noch schwankend hielt.
„Komödiant!" lachte Georg ironisch und hustete heftig. Danach wurde alles still.

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⏰ Last updated: Jun 06, 2017 ⏰

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