Heute ist er. Der grosse Tag. Der riesengrosse Tag. Der Tag, an dem alles ein Ende nimmt oder erst anfängt. Je nach Sichtweise. Ich kann es fast nicht glauben. Drei Jahre habe ich gelernt und gelernt und noch mehr gelernt bis mein Kopf voll war und ich mich wunderte, dass die Anderen den Rauch, der aus meinen Ohren zu zischen schien, nicht bemerkten. Ich hatte gute und schlechte Tage, Tage an denen ich mein Leben feierte und solche an denen ich es verwünschte. Ich hatte lustige, aber auch traurige Erlebnisse mit meinen Schützlingen. Ich lernte neue Leute kennen und knüpfte mit meinen Alten das Band der Freundschaft enger. Und nun soll diese Zeit also plötzlich vorbei sein? Jetzt, am Tage der Lehrabschlussfeier?
Im Gegenteil, sie fängt gerade erst an, aber das weiss ich noch nicht. Nicht im Geringsten.
《Lucieeeee, was sollen wir anziehen? Kannst du meine Frisur machen? Bitte! Mensch es ist unser Lehrabschluss, beeil. dich. mal!!!》, schreie ich fast hyperventillierend in mein Smartphone. Zum Glück sind meine Eltern noch ausgegangen, da der erste Teil ja nur den Lernenden gehört, so hört mich nur Lucie.
Meine Freundin wird noch Tinnitus bekommen, wenn sie dieses Memo abhört, denke ich postwendend danach und grinse ein wenig. 《Chills mal》, schreibt Lucie 5 Minuten darauf lachend, 《ich bin ja unterwegs zu dir》 《Na endlich》, antworte ich ebenfalls lachend und kann es nicht mehr erwarten eine meiner besten Freundinnen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zu sehen. Gerade als ich mich auf das Bett fallen lassen will, nimmt die Lehrabschlussfeier wieder die Herrschaft meiner Gedanken ein. Also zurück zum Thema. Nervös lege ich mein Handy weg, stehe wieder auf und wühle in meinem Kleiderschrank herum. Das Sommerkleid oder das schöne Weisse? Und welche Schuhe? Und soll ich Ohrringe anziehen oder eher nicht? Ach, es ist sooooooo schwierig. Gott, und etwas gegessen habe ich auch noch nicht! Obwohl ich nicht glaube etwas runter zu bekommen. Schon fast tigere ich durch mein Zimmer. Herrje Nora, chills mal! Gefühlt jede Minute schaue ich auf mein Handy: Wo bleibt bloss Lucie? Und Stella wollte ja auch noch vorbei schauen um uns unfähige Hühner zu schminken und jetzt, keine der beiden ist da! Typisch..., denke ich immer wieder und schmunzle gleichzeitig über mich. Nur Geduld. Nur Geduld.
Oh shit! Ich schlage mit meiner flachen Hand an den Kopf. Da fällt mir auf einen Schlag ein, dass ich mich ja noch rasieren und duschen wollte! Seit wann bin ich solch ein vergessliches Kind? 《Seit immer》, höre ich meine Freundinnen schon necken. Also jetzt aber avanti! Lucie und Stella können jeden Moment ankommen. Schnell gehe ich ins Badezimmer, ziehe mich aus und dusche im Schnelldurchgang. 5 Minuten! Yes, geschafft, denke ich und grinse ein wenig über mein kindisches Zeitgestoppe. Als ich mich abtrockne, schaue ich zufällig in den Spiegel und sehe dort eine 20 Jahre alte Frau mit goldbraunen Haaren und tiefblauen Augen stehen. Besonders die Augen mag ich an mir, denn sie können, je nach Emotion, strahlend königsblau oder unergründlich meeresblau funkeln. Ansonsten, naja ich kann von mir sagen, dass ich eher so der durchschnittliche Mensch bin. Unaufällig. Leicht zu übersehen. Andererseits übersehen die Menschen dann auch meine Geheimnisse. Wie... Haaaaaallo, es gibt Wichtigeres zu überdenken. Toc Toc. Nora Steiner konzentriere dich!
Kurz bin ich abgelenkt, aber dann übernimmt die Lehrabschlussfeier meinen Gedankengang erneut: AHHHHH, ICH DREHE NOCH DURCH WENN STELLA UND LUCIE NICHT ENDLICH KOMMEN!!, hyperventilliere ich. Schon wieder. Aus der Dusche heraus, zurück im Zimmer, bekommt mich plötzlich ein unglaubliches Müdigkeitsgefühl. Ich glaube, ich muss mich noch ein wenig hinlegen, also schmeisse ich mich auf mein Bett. Halleluja, ist mein Kopf schwer. Uaahhhh. Ich bin.. ich bin...
Drrr. Drrrr. Drrrrrrr. Na endliiiiich, denke ich erleichtert. Erwartungsvoll drücke ich den Türöffner um meine Freundinnen herein zu lassen. Mit einem breiten Grinsen stehe ich auf der Treppe und sehe... Nein. Nein, nein, nein, nein! Das kann nicht wahr sein! Vor mir steht ein Junge. Nein, nicht irgendein Junge. Ein Junge, den ich, wie es scheint, aus einem anderen Leben kenne. Ein Junge, der nicht hier sein kann. 《W-w-was machst du denn hier?》, stottere ich, 《v-vorallem wieso?》 Ich muss sofort in die Nähe des Türrahmes. Ich kenne meine fehlende Balance, wenn ich erstaunt bin. Ja, lacht nur, ich kann auch aus dem Stand umfallen.《Freust du dich denn gar nicht?》, schmollt er zum Spass und ich sehe wie sehr er meinem Kindheitsfreund treu geblieben ist. Auch er lehnt sich an den Rahmen. Cool und ebenso süss. Trotzdem... es ist nur ein Traum. Nur ein Traum. Er kann nicht da sein. Das geht nicht, nicht nach all dem was passiert ist. Das ist er nicht. Er mustert mich und grinst ein wenig, als wüsse er genau was ich denke. Ich weiss, dass er es weiss. Jona Ackermann weiss immer wie es mir geht und ich weiss es bei ihm.《Weisst du》, sagt er plötzlich, während ich ihn immer noch still und erstaunt anstarre,《Es gibt Wunder auf dieser Welt. Kennst du das Lied von Andrew Bond noch?》 Ich weiss welches er meint, ich weiss es und will es nicht glauben. Er meint dieses eine, ganz spezielle, Kinderlied "U-Boot", unser Lied.《Ich bin bei dir. Immer.》
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An Angel, A Journey And You
RandomHeute ist er. Der grosse Tag. Lucie, Nora und Stella bereiten sich gemeinsam auf die Lehrabschlussfeier vor. Alle drei wissen nicht wohin es sie nach dem Feuerwerk der Feier verschlägt. Noch nicht. Bis Lucie eine Idee hat. Dies ist meine erste öffen...
