Kapitel 1

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Ich erwische mich selber dabei ihn anzustarren und genieße den Anblick. Er geht zum Ende der Theke, dort wo man seinen Kaffee abholt. Seine braunen ungestylten Haare fallen ihn in die Augen. Er streicht sie aus seinem Gesicht und nimmt sich einen der grünen Strohhalme. Auf diesen Moment habe ich schon die ganze Woche, seit dem letzten Freitag, gewartet. Langsam führt er den Strohhalm zu seinem Mund, beißt in das dünne weiße Papier, welches den Strohhalm beschützt, und reißt das Ende gekonnt ab. Ich erschaudere. Stelle mir vor ich wäre der Strohhalm, aus dem er gleich trinken wird. Er lässt das weiße Papier in den Mülleimer fallen und dreht sich um. Sein Blick schweift durch das kleine gemütliche Café und bevor ich mein starren lösen kann, sieht er mich mit seinen schönen braunen Augen an. Ich merke, wie mein Gesicht Feuer fängt. Schnell schaue ich weg. Versuche mich auf meine Geschichtshausaufgaben vor mir zu konzentrieren, aber in meinem Kopf sehe ich nur mich selber, von Peinlichkeit überströhmt und wünsche mir durch meinen Laptop verschwinden zu können. Nach einigen Minuten hebe ich meinen Kopf und schaue zur Theke. Aber er ist verschwunden.

Es schüttet wie aus Eimern. Ich renne mit meiner Tasche an meine Brust gepresst über die nächste Straße, in der Hoffnung, dass mein neuer Laptop keinen Tropfen abbekommt und direkt den Geist aufgibt, so schnell es geht nachhause. Dort angekommen vergehen gefühlt Stunden, bis ich meine Schlüssel in der Tasche rausgekramt und mit zitternden Händen die Tür aufgeschlossen habe. "Bin Zuhause, Dad!", rufe ich und werfe die Schlüssel auf die Kommode im Flur, bevor ich mich in mein Zimmer verziehe. Ich schließe die quietschende Tür und lasse mich samt Tasche und durchnässten Klamotten auf mein Bett fallen. Nach ein paar entspannten Minuten stehe ich auf, stelle meine Tasche vor mein Bett ab und krame mir meinen gemütlichsten Pyjama und Unterwäsche aus meinem Schrank. Meine Schuhe stelle ich unter und meine Jacke hänge ich über die Heizung, die ich auf mittlere Stufe aufdrehe.
Das Wasser prasselt auf meinen Körper. Es ist herrlich warm. Ich nehme mir Zeit unter der Dusche und lasse den Tag Revue passieren. Denke wieder an sein seidiges Haar und seine unwiderstehlichen Augen. Wie er mich angeschaut hat und... "Hey Tessa, bist du da drin?". Mein Vater kreuzt immer in den unmöglichsten Momenten auf. "Ja Dad, wer sollte sonst duschen? Hier wohnen nur 2 Personen.", antwortete ich enttäuscht von der Unterbrechung meiner Gedanken. Ich drehe das Wasser ab und greife nach meinem Handtuch. "Entschuldige! Ich bestelle mir was beim Asiaten. Möchtest du auch was?". Ich musste lächeln. "Das wie immer, bitte.". Mein 'wie immer' war eine große Portion Sushi mit all möglichem, nur kein Fisch. Wenn mich jemand fragen würde, warum zur Hölle ich Sushi aber kein Fisch mochte: Ich habe selber keine Ahnung. "Alles klar, Süße!", ruft er. Danach höre ich seine Schritte ins Wohnzimmer gehen und lausche seinem Telefonat während ich mich anzog.
Genau eine Viertelstunde ist es her, dass mein Vater mir gesagt hat, das Essen würde gleich kommen. Mein Bauch grummelt nur so vor sich hin. Und gerade als ich dachte, dass ich wohl an Hunger sterben würde, klingelt es an der Tür. "Ich gehe schon!", rufe ich. In Blitzgeschwindigkeit springe ich auf und renne vom Wohnzimmer zur Tür. Ohne groß darüber nachzudenken, reiße ich die Tür auf. Aber vor mir steht nicht die nette asiatische Frau, sondern Tate Shay. Strohhalm-Tate-Shay.

Tate ShayStories to obsess over. Discover now