P r o l o g

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Eine geheimnisvolle Aura hatte sich über die Seitengassen gelegt, sie erstickte all den Lärm der Innenstadt und der Touristen. Niemand befand sich in den verwinkelten Gassen, nur die Sonne schien schüchtern in das Labyrinth. Eine frühlingshafte Stille herrschte und niemand bemerkte, wie ich leichtfüßig und mit schnellen Schritten durch den Irrgarten lief, mein Ziel eine unbekannte Gegend, die niemand außer mir aufsuchte. Ich passierte Schilder und Warnungen, die den Zutritt untersagten, so wie schon viele Male zuvor, blieb erst dann stehen, als ich den Ort erreicht hatte.
Der Wind strich über die saftig grünen Grashalme, die reichlich den Boden bedeckten und weicher als Watte zu sein schienen. Die Rasenfläche war bestückt mit alten Bäumen, die ihre Kronen über der Lichtung kreuzten, als wollen sie sie schützen. Alles war wie sonst, und wäre ich etwas nachsichtiger gewesen, hätte ich nicht bemerkt, dass etwas anders als sonst war. Die Baumkronen raschelten leise Warnungen, und als ich mich hinter einen Busch kauerte und die Lichtung betrachtete, wurde mir klar, warum. Nur hundert Meter von mir entfernt stand eine Person am Rande der Lichtung, gefährlich nahe an der Stelle, an der er nicht stehen durfte. In der Hand hielt er ein Gerät, welches er über den Boden gleiten ließ. War es eine Art Detektor?

Das Schwarz und Grau seiner Klamotten sollte vermutlich der Unauffälligkeit in der Menschenmenge dienen, doch nun hob es sich deutlich vom Grün der Bäume ab und würde ihm keinerlei Schutz bieten, wenn er versuchen würde zu fliehen. Ich wusste, was er suchte, und genau diese Erkenntnis hätte mich vorher dazu bewegen sollen, zu handeln, und nicht erst dann, als er anfing zu graben.
Als er sich in einer geschmeidigen Bewegung bückte und die Hände in schwarzen Handschuhen begannen, die Erde aufzuwühlen, holte mich die Gegenwart ein. In einer schnellen Handbewegung entsperrte ich das Handy in meiner Hosentasche, wählte eine spezielle Funktion und sprach atemlos auf diese ein: "Webster hier, Unbekannte Person auf Zielgebiet gesichtet. Versucht, Objekt zu ergreifen. Gebiet sichern, Gebiet sichern!" 
Meine Stimme ließ die Person nicht mal aufschauen, es schien, als habe diese schon damit gerechnet. Die Hände gruben sich immer tiefer in die Erde, und ich wusste, es würde nicht lange dauern, bis sie auf die Box stoßen würden.
Jede Sekunde schien wichtig zu sein, und ich verfluchte mich, unausgerüstet hergekommen zu sein. Ich hätte mit solch einer Situation rechnen müssen. Mit einer Hand griff ich nach einem Stock in meiner Reichweite und sprang auf die Füße, umrundete den Busch, und rannte ohne zu zögern auf die Person zu. Hundert Meter, ich bloß mit einem Stock ausgerüstet; trotzdem überkamen mich keine Zweifel.
Bloß 10 Meter trennten mich noch von ihm, als seine Hände eine kleine, schwarze Box ergriffen und meine Augen sich weiteten. Ich war zu spät.
Ich legte noch einen Zahn zu, doch die Person war schneller auf den Beinen, als ich sehen konnte. Seine Schritte kamen dumpf auf dem Waldboden auf, als er durch die Bäume flüchtete. Eine Ewigkeit lang jagte ich ihm durch die Bäume hindurch nach und wich dabei ständig Ästen und Zweigen von Bäumen aus, die sich mir in den Weg stellten. Ständig keuchte ich neue Anweisungen in das Handy und versuchte, schneller als die Person zu sein. Ich musste die Box zurückholen. Ich musste. Es gab keine andere Option.
Als die Bäume sich lichteten und sich mir nur noch vereinzelt in den Weg stellten, wusste ich, dass uns nicht mehr viel von der Straße trennte. Wenn er dort Komplizen hatte,die auf ihn warteten, würde ich keine Chance haben.
Noch ein letztes Mal kratzte ich meine verbliebene Energie zusammen und versuchte, ihn einzuholen. Verdammt, warum bewegte er sich so geschmeidig? Hatte er das Gebiet vorher schon erkundet?
Ich hörte Motore brummen und Reifen qietschen, der Boden unter meinen Füßen wurde fester und ich riss mich ein weiteres Mal zusammen.
Doch es klappte nicht. Meine Seite brannte wie Feuer und meine Füße waren ausgelaugt. Nach Luft ringend und die Arme in die Seite gestützt, lahme Schritte machend hechelte ich dem Dieb hinterher. Obwohl er die selbe Strecke gelaufen war, schien es ihm super zu gehen. Mit sanften Schritten lief er über den Asphalt, hechtete auf den Beifahrersitz eines flinken schwarzen Sportwagens und ich musste mitansehen, wie dieser schneller, als ich sehen konnte, fortbrauste.
Er war weg.
Und ich hatte versagt.
Ich brach auf dem kalten Asphalt zusammen. 

On different waysWhere stories live. Discover now